Manie Manie – Labyrinth-Geschichten
DVD, PAL, 3 Erzählungen
OVA Films
Regie: Rintaro, Yoshiaki Kawajiri, Katsuhiro Otomo
ca. 48 min
Ton: Deutsch, Japanisch
2003 erschienen
FSK: ab 16 Jahren
Mit Bonusmaterial
Preis: 25, 99
€
Der Anime beinhaltet drei Erzählungen, die durch Geschichten von Taku Mayumura inspiriert wurden: »Das Labyrinthos-Labyrinth«, »Der fahrende Mann« und »Der Baustopp-Befehl«. In der ersten Geschichte »Das Labyrinthos-Labyrinth« folgt das Mädchen Sachi dem Kater Cicero in die Welt hinter dem Spiegel. Die Welt gleicht einer bizarren Traumwelt mit Geistern, Menschen als Dominosteine, mit nostalgischem Spielzeug und marschierenden Laternen. In der zweiten Geschichte fährt der unangefochtene Champion des brutalen Race Circus, einem Motorsportrennen, seine letzten Runden. In seinem Streben nach dem Sieg macht er sogar dann noch weiter, als er schon längst tot ist. In der dritten Geschichte soll der Bauleiter Tsutomu Sugioka das Bauprojekt Nr. 444 stoppen. Der vorherige Bauleiter ist verschwunden, aber die Maschinen arbeiten einfach weiter. Als Sugioka auf der Baustelle ankommt, merkt er schnell, dass sich die Maschinen auch durch ihn nicht beeinflussen, geschweige denn stoppen lassen.
Möchte man zwischen den drei Kurzfilmen eine Gemeinsamkeit finden, dann ist es am ehesten die Irrationalität. Die Welt hinter dem Spiegel, der fahrende Tote und die durchgedrehten Maschinen gleichen einem bizarren Alptraum. Das Albtraumhafte wird durch z.T. sehr düstere und z.T. schreiende Farben und einen langsamen, düsteren Soundtrack (Klavier) unterstrichen. Stellt man Vergleiche an, fühlt man sich vielleicht an den Anime »Paprika« erinnert, in dem es ähnlich irrational zugeht. Der Anime selbst beginnt mit einem Bild, das eine Art Dschungel zeigt, in dem ein großes Maul einer verrottenden Figur aufklafft. Dann geht der Vorhang zu einer Zirkusmanege auf und schon ist man im ersten Film. Der Film erinnert durch den Spiegel, das Mädchen, die Katze und die Traumwelt stark an Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« bzw. »Alice hinter den Spiegeln«. (Fans solcher grotesken Spiegelgeschichten interessieren sich vielleicht auch für den Roman »Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew« von Oliver Plaschka, aber das nur als kleiner Tipp am Rande.) Der Clown, der durch die Szenerie führt, wirkt bedrohlich. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass eine Studie herausgefunden hat, dass Clowns Kindern eher Angst machen als dass sie sie lustig finden. Das erklärt wohl auch, warum Clowns sehr beliebt sind, wenn es um alptraumhafte Sequenzen geht. Der Zeichenstil wirkt nostalgisch, gesprochen wird kaum, dafür erscheinen wie in den Stummfilmen der 20er hin und wieder Texteinblendungen. Auch die Musik erinnert ein wenig an die 20er.
In der zweiten Geschichte zeichnet sich der Tod des Fahrers Zack Hugh schon durch einen Alptraum ab, den Zack vor seinem Rennen hat. Auch der enorme Stress, unter dem Zack steht, wird durch die Rennbeobachter mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Zack erreicht zwar lebend und als Sieger das Ziel, dreht dann allerdings vollends durch. Er stirbt, fährt aber weiter. Er wird durch die Geister seiner Mitfahrer überholt, was er nicht auf sich sitzen lassen kann. Als er sie dann doch einholt, explodiert in der Realität sein Fahrzeug. Seine völlig unter Stress stehende Psyche äußert sich durch zersprungene und zerbrochene Glasscheiben. Wollte man den Anime interpretieren, könnte man einen Blick auf das reale Leben werfen, das sowohl in Japan wie auch hier mittlerweile zwangsläufig ein Leben auf der Überholspur ist – wobei das Positive eines solchen Lebens kaum noch ins Gewicht fällt, sondern v.a. der übermenschliche Stress, dem man tagtäglich ausgesetzt ist, eine entscheidende Rolle spielt. Dass ein solches Leben auf Dauer nicht gesund sein kann, zeigt dieser Anime eindrucksvoll. Die Art und Weise, wie der Reporter gezeichnet ist, erinnert an die amerikanischen Crime-Noir-Comics im Stil der 60er. Die anderen Figuren dagegen sind wieder im (wenn auch eher realistisch anmutenden) Anime-Stil gezeichnet.
Den dritten Film kann man als Warnung vor einer zu großen Abhängigkeit von der Technik verstehen, denn wenn die Technik versagt wie in diesem Fall, funktioniert gar nichts mehr. Ironischerweise setzt der Bauleiter, der vielfache Repressalien durch die Maschinen erdulden muss, letztendlich umsonst für den Baustopp sein Leben aufs Spiel. Da klingt wohl eine mehr oder weniger leise Kritik an Entscheidungen von Managern an. Die Zeichnungen erinnern (nicht durch Zufall) an »Akira«, denn der sich für diesen Film verantwortlich zeichnende Regisseur Otomo hat den Manga Akira geschaffen und als Anime verfilmt. Beendet werden die Filme durch eine Anknüpfung an den ersten Film. Und dann klappen Vorhang und Maul zu.
Fertig, aus.
Nein, nicht ganz, denn es gibt ja noch die Extras. Die Bildergalerie (2:41 min) enttäuscht, denn es werden nur (Stand-) Bilder des Films gezeigt. Dafür ist aber ein ca. neunminütiges, aufschlussreiches Interview mit Rintaro dabei, in dem Rintaro ein wenig zur Anime-Geschichte von Harmageddon bis Manie Manie und über die Entstehung von Manie Manie erzählt. Darüber hinaus erfährt man in dem (mit Eigenwerbung versehenen) Begleitheft noch ein wenig mehr über die Macher und die Filme. Ein weiteres Extra ist der PC-Screensaver.
Die Menüführung ist recht einfach: Filmstart, Szenen, Sprache, Extras, Programminfo.
Was allerdings immens, wirklich immens stört, ist das extrem laute RAUSCHEN, das gesprochene Passagen nicht nur im Film fast unverständlich macht und auf Dauer einfach nervtötend ist! Hoffentlich wird das in zukünftigen neuen Auflagen der DVD beseitigt, denn so ist der Film für keinen Fan ein Seh- und v.a. Hörvergnügen!
© Ulrike Dansauer |