Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Filmrezensionen Zeichentrick/Anime - Krabat


Filmrezensionen Zeichentrick/Anime - Krabat

Krabat
Regie, Drehbuch: Karel Zeman
Produktion: Karel Hutecka
Stimmen: Christian Brückner, Friedrich Schütter
Tschechoslowakei/Deutschland 1977
Laufzeit: 73 Minuten

Krabat gehört nicht nur zu Ottfried Preußlers bekanntesten Romanen, sondern ist ein Klassiker schlechthin. 1977, also dreißig Jahre vor der Realverfilmung, produzierten die Bavaria-Studios gemeinsam mit ihren tschechischen Kollegen einen Trickfilm, dessen Veröffentlichung auf DVD längst überfällig war, zählt die Adaption doch als Klassiker des Kinderfilms.
Die bekannte Geschichte handelt von dem Waisenjungen Krabat, der in die schwarze Mühle kommt, wo zwölf Jungen nicht nur das Müllerhandwerk lernen, sondern ebenso in Schwarze Magie eingeweiht werden. Jedes Jahr muss einer der Müllersburschen sterben. Krabat, der sich zunächst den Regeln des Meisters unterwirft, versucht nach und nach, diese zu umgehen. Natürlich ruft er dabei den Zorn des Meisters heraus, der letztendlich Krabat als diesjähriges Opfer auswählt.

Karel Zemans Verfilmung besticht durch ihre Schlichtheit. Alles erscheint mehr angedeutet, als konkret ausgefeilt. Die Figuren bewegen sich wie Scherenschnitte. Diese Darstellungsform setzte sich weiter fort bis zur sprachlichen Umsetzung. Denn Krabat kommt fast ganz mit nur einer einzigen Erzählerstimme aus. Doch keineswegs wird der Film dadurch langweilig oder kindlich. Im Gegenteil, Zeman übernimmt die düster-unheimliche Stimmung des Buches und fügt ihr zudem eine teils recht drastische Note hinzu. Die Duelle zwischen den Lehrlingen und dem Hexenmeister gleiten teilweise ins Psychedelische hinüber, was Farben, Muster und Verwandlungen anbelangt. Der Film, der zunächst als ein Drama beginnt, erhält dadurch zunehmend alptraumhafte Zwischentöne. Interessanterweise gelingt dies dem Regisseur, ohne in allzu finsteren Farben zu rühren. Krabat erstrahlt in ungewöhnlich hellen, liebevollen Farben. Der Kontrast zwischen diesen und der Handlung erhöht jedoch das Unheimliche und Schreckliche. So zum Beispiel in Szenen, in denen ein Müllersbursche alleine mit einem Spaten ausgeschickt wird, um sein eigenes Grab zu schaufeln, oder in denen die in Raben verzauberten Gesellen die Osternacht auf einem Galgengerüst verbringen müssen.
Aus dieser Perspektive erscheint Krabat gar nicht mehr als ein reiner Kinderfilm, sondern mehr noch als Kunstfilm für Kinder und Erwachsene. Ein Klassiker eben.

Copyright © 2011 by Max Pechmann

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox