Kamikaze Kaitou Jeanne (Episoden 1- 44, Gesamtausgabe)
Anime
2011 A.V. Vision Germany
Toei Animation Film
18:20 Stunden
Ton: Deutsch
FSK: ab 12 Jahren
Extras: /
Preis: 78,99 €
Die 16-jährige Schülerin Maron Kusakabe hat ein Geheimnis: Immer wenn ein Dämon besiegt werden muss, verwandelt sie sich in Jeanne, die Kamikaze-Diebin. Jedenfalls nennt die Polizei sie so, da sie augenscheinlich fast immer hinter wertvollen Gegenständen her ist - in denen sich in Wahrheit die Dämonen verstecken. Unterstützt wird Maron, die die Reinkarnation von Jeanne d’Arc ist, von dem winzigen Engel Fin, dem sie ihre Verwandlung zu verdanken hat. Gleichzeitig hat sie damit zu kämpfen, dass ihre beste Freundin Miyako, die die Tochter eines Polizisten ist, sie als Jeanne unbedingt festnehmen will. Außerdem gibt es da noch den unausstehlichen Chiaki, der sich in Sindbad verwandelt und nichts Besseres zu tun hat, als Jeanne in ihrer Mission zu behindern – zumindest glaubt Maron das. Im Laufe ihrer Abenteuer verliebt sich Maron aber immer mehr in Chiaki. Doch ist sie nicht die Einzige, die Chiaki liebt: Da gibt es auch noch Yashiro, die mit allen Mitteln versucht, Chiaki für sich zu gewinnen. Erst nach zahlreichen Abenteuern findet Maron zu sich selbst und ihre Liebe zu Chiaki erhält eine Chance.
Die Gesamtausgabe versammelt alle von 1999 bis 2000 entstandenen Folgen, die schon im deutschen Fernsehen auf RTL II zu sehen waren, auf DVD, allerdings ohne Extras und weitere Sprachen. Der Magical-Girl-Anime, der vom Schema her an Sailor Moon erinnert, ist eine Verfilmung des gleichnamigen Mangas von Arina Tanemura, allerdings mit ein paar Abwandlungen zum Manga.
Zur Charakterentwicklung ist zu sagen, dass nicht nur Maron eine Entwicklung zu einer gereifteren Persönlichkeit durchmacht, sondern auch die Figuren in ihrem Umfeld. Selbstvertrauen zum Beispiel ist ein Thema: Die Schwächen akzeptieren und in Stärke verwandeln, denn (so Maron) »ich mag mich so, wie ich bin, auch wenn ich schwach bin«. Maron wird also nicht nur als Superheldin gezeichnet, sondern eben auch als normales Mädchen, das zum Beispiel lange nicht erkennt, dass Sindbad ihr helfen will. Und Freundschaften bedeuten auch Missverständnisse, Verletzungen, Einsamkeit, bevor man sich zusammenrauft. Auch Gewalt im Alltag kommt vor: Die kleine Hiromi erlebt diese – und Maron erkennt darin z. T. ihre eigene Familie, die sie verlassen hat, wieder.
Schön auch die Anspielungen, die kleinen Dinge, die nicht in Worte, sondern in Bilder gefasst werden: Marons leerer Briefkasten, ihre leere Wohnung und im Gegensatz dazu das lebendige Familienleben ihrer Freundin Miyako.
Im Anime wird das griechische Schönheitsideal, das besagt, dass in einem schönen Körper ein schöner Geist steckt, abgewandelt zum Glauben an die Schönheit der reinen Seele. Der drückt sich darin aus, dass Dämonen schöne Dinge stehlen, damit Menschen sterben. Das wird im Manga noch radikaler als im Anime umgesetzt: Im Manga werden schöne, wertvolle Gegenstände von Dämonen okkupiert, im Anime dagegen sind es auch Dinge, die einen ideellen Wert besitzen, z. B. die Zeichnung eines kleinen Mädchens oder ein kleines, selbst gebasteltes Geschenk.
Nicht gefeit ist der Anime vor Rollenklischees: Mädchen bekochen Jungen, um ihnen zu beweisen, was für gute Hausfrauen sie sind. Darin macht auch Maron, die eigentlich selbstständig lebt, keine Ausnahme.
Formal gesehen ist die Qualität dieses für das Fernsehen konzipierten Animes gut, ebenso die Synchro; kleinere Mängel gibt es allerdings: Die Polizisten sind z. B. im Einheitsdesign gehalten und manchmal sind die Folgen leicht verpixelt. Außerdem ist die Anspielung auf die historische Gestalt Jeanne d’Arc künstlerisch frei interpretiert und etwas vage, was allerdings Geschmackssache ist.
Insgesamt ein guter Magical-Girl-Anime.
Copyright © 2011 by Ulrike Dansauer |