In A Distant Time – Priesterin des weißen Drachen
DVD, PAL
Anime House
Regie: Nagisa Miyazaki / Aki Tsunaki
ca. 86 min
Ton: Deutsch, Japanisch, deutsche Untertitel
2008 erschienen
FSK: ab 12 Jahren
Mit Bonusmaterial
Preis: 24, 95 €
Die Schülerin Karin wird in den Stadtstaat Kyou gerufen, um die Stadt als Priesterin des weißen Drachen vor Unheil zu retten. Naturkatastrophen, Unruhen und Rachegeister plagen Kyou, und nur die Priesterin kann die Stadt erlösen. Dazu braucht sie aber die Unterstützung der acht Hachiyou, acht Männer, die der Priesterin ergeben dienen. Aber diese muss Karin erst einmal finden und dazu überreden, ihr zu helfen - was sich als schwierige Aufgabe herausstellt. Und nicht nur das: Die Priesterin des schwarzen Drachen und ihre Gefolgsleute setzen alles daran, Karin zu vernichten. Und was hat es mit Akram auf sich, der beide Priesterinnen unterstützt?
Zu diesem Fantasy-Anime gibt es eine Vorlage, nämlich das Konsolenspiel Harukanaru Toki No Naka de 2. Insgesamt beruht die Geschichte »In a distant time« auf dem gleichnamigen Manga von Tohko Mizuno, in Deutsch erschienen bei Carlsen. Die Charaktere und die Story des vorliegenden Animes ähneln zwar denen des Mangas, aber es wird eine eigenständige Geschichte erzählt.
Insgesamt gesehen fällt die Story unter ein besonderes Schema der Fantasy, in dem wie z.B. in Michael Endes »Unendliche Geschichte« oder Wolfgang und Heike Hohlbeins »Märchenmond« ein Junge/Mädchen aus der heutigen Zeit in eine andere Zeit oder ein Fantasyland versetzt wird, in der/dem die Heldin/der Held eine Aufgabe lösen muss, um die Bewohner zu retten. Bekannte Beispiele im Anime- bzw. Mangabereich sind »Fushigi Yugi«, »Vision of Escaflowne«, »Magic Night Rayearth«. Das Schema selbst bleibt immer gleich, wird in den einzelnen Geschichten aber etwas variiert, v.a. »Magic Knight Rayearth« weist einen überraschenden und intelligenten Schluss auf. Die Fans können sich gut mit der Hauptfigur identifizieren, da sie aus der gleichen Welt wie sie stammen.
V.a. Zuschauerinnen dürften von der japanischen Fassung des Schemas begeistert sein, da es zum einen um eine Heldin geht und zum anderen diese Heldin auch noch von vielen, äußerst attraktiven Männern umgeben ist (ohne dass dabei gleich die Erotik-Schiene gefahren wird), die dazu noch einen eigenen, unverwechselbaren Charakter besitzen. So kann sich die Zuschauerin aus dem »Angebot« (mindestens) eine männliche Figur heraussuchen, die ihr besonders gefällt und die ihr die Identifikation mit der Geschichte erleichtert – und sich nach dem Genuss des Animes ärgern, dass es so hübsche Männer in Wirklichkeit selten bis gar nicht gibt, aber das ist eine andere Sache.;)
Die Story von »In a distant time – Priesterin des weißen Drachen« selbst ist recht einfach gehalten; sogar der unbedarfteste Zuschauer erkennt sofort die Hachiyou, die die Priesterin beschützen sollen, an ihrem leuchtenden Zeichen, das immer dann auftaucht, wenn die Männer ihr begegnen/sie retten – außer der Priesterin selbst. Karin ist so dermaßen unbedarft (um nicht zu sagen blöd), dass sie rein gar nichts bemerkt, noch nicht einmal, dass sie selbst die Priesterin ist. Reinheit, im Anime dargestellt als eine unübertreffliche Tugend, wird anscheinend in solchen Schemata oft mit völliger Naivität (bösartig gesagt Dummheit) gleichgesetzt. Dementsprechend großäugig, passiv, stumm, unwissend, ohnmächtig (auch im wörtlichen Sinn, denn sie fällt sehr oft in Ohnmacht) reagiert Karin. Oder anders gesagt: Sie muss sich ständig von ihren Hachiyou retten lassen. Ideale Opferrolle, die besonders gern Mädchen und Frauen auf den Leib geschrieben wird. Aber zum Glück sind in diesen drei ersten Folgen schon Ansätze vorhanden, in denen sich Karin aus ihrer passiven Rolle befreit, indem sie anfängt, selbst Entscheidungen zu treffen und auch einen ihrer Hachiyou beschützt. Man erkennt also schon zumindest bei der Heldin eine Weiterentwicklung des Charakters.
Die Charas selbst sind wie immer bei Animes oder Mangas für Mädchen sehr schön gestaltet und auf den Geschmack der Mädels zugeschnitten: Karin selbst ist hübsch (nicht vorbaulastig) und kurzhaarig, die Männer sind mit ästhetischen Körpern (ohne aufgeblasene Muskeln) und sehr ansprechenden Gesichtern/Frisuren/Charaktereigenschaften ausgestattet. Die Hintergründe kann man als ok, wenn auch nicht herausragend bezeichnen; das einzig Ärgerliche sind zu viele Standbilder. Außerdem fragt man sich bzgl. der Logik, woher Karin auf einmal alle Namen ihrer Hachiyou kennt, denn nur ein paar der Jungs nennen ihn ihr.
Die Synchro ist durchwachsen; einigen der Sprecher gelingt es, natürlich zu sprechen, andern nicht.
Der Soundtrack kommt ebenfalls durchwachsen daher: Der Vorspann fängt rockig an, aber leider ist der Refrain eher Pop als Rock, also schon in sich unstimmig; zu der Geschichte an sich passt er definitiv nicht. Anders der Abspann und die Musik im Film selbst, beides entspricht eher der Stimmung der Story.
Die Extras enthalten entgegen der Ankündigung auf der DVD keine Trailer, aber Texte, die über die Charas, die Stadt Kyou, die Yin Yang Meister und die Rachegeister informieren.
© Ulrike Dansauer |