Brave Story
DVD, PAL
AV Vision Filmverleih, Anime Virtual S.A.
Regie: Koichi Chigira / Studio Gonzo
ca. 108 min
Deutsch, Japanisch
FSK: ab 12 Jahren
Bonusmaterial:
- normale Ausgabe ohne Extras
- Collectors Box mit Booklet (Character Designs, 3 Interviews und Skizzen) und Bonus-DVD (Making Of, Hinter den Kulissen)
Preis: € 19, 95
Erscheinungstermin: 20.10.2008
Der elfjährige Wataru Mitani führt ein normales Leben – bis sein Vater ihm eines Tages eröffnet, dass er die Familie verlassen will und seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wird. Da erinnert sich Wataru an eine merkwürdige Begebenheit vor einigen Tagen: In einem Haus, in dem es angeblich spukt, sah er, wie ein Junge durch ein magisches Tor trat. Dieser Junge kommt ein paar Tage später in Watarus Klasse. Nachdem ihm Wataru gegen rüpelhafte Sechstklässler hilft, erzählt Mitsuru Ashikawa ihm mehr von dem Tor: Wer das Tor betritt, hat die Chance, dass ihm die Schicksalsgöttin einen Wunsch erfüllt. Da beschließt Wataru, durch das Tor hindurchzugehen, denn er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass seine Familie wieder zusammenfindet. Auf der anderen Seite wird es aber gleich lebensgefährlich für ihn, wenn er das Rätsel, das ihm gestellt wird, nicht löst. Er schafft es in letzter Sekunde, aber das sind noch nicht alle Gefahren, die er überwinden muss. U.a. liegt er jetzt nämlich im Wettstreit mit Mitsuru: Wie Mitsuru muss er eine bestimmte Anzahl an magischen Edelsteinen finden, damit ihm die Schicksalsgöttin erscheint, und Mitsuru ist ihm schon ein paar Juwelen voraus. Im Status eines Heldenlehrlings, mit einem Schwert bewaffnet und mit der Unterstützung der Freunde, die Wataru im Laufe des Abenteuers findet, macht er sich auf, die restlichen Juwelen zu suchen und endlich die Schicksalsgöttin zu treffen.
Der Anime kommt sehr nahe an die Animes aus dem Hause Ghibli heran, denn er ist ähnlich tiefsinnig und behandelt anhand einer Fantasywelt die Irrungen und Wirrungen, denen pubertierende Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenenalter ausgesetzt sind. Wataru wächst während seines Aufenthaltes in der Welt Vision über sich hinaus. Schritt für Schritt fängt er an, differenzierter und erwachsener zu denken und zu handeln. Am Ende begreift er, dass er sein Schicksal allein in die Hand nehmen kann. Seinen Wunsch verändert er zugunsten der Bewohner Visions, die ihm bei der Suche nach den Juwelen geholfen haben. Auch Mitsuru entwickelt sich weiter, obwohl er dafür so lange braucht, dass es für ihn fast zu spät ist. Er, Wataru und das kleine Katzenmädchen Meena müssen sich der Frage stellen, ob das Ziel alle Mittel heiligt. Meena begleitet Wataru, um ihm bei seiner Suche zu helfen.
Der Anime heißt nicht umsonst »Brave Story«: Übersetzt man »brave«, erhält man die deutsche Bedeutung »tapfer, mutig«. Und Wataru erfüllt diese Bedingung, um ein Heldenlehrling zu werden. Wie schon oben angedeutet, erinnert »Brave Story« so an die Filme des renommierten Studio Ghibli (z. B. Chihiros Reise ins Zauberland, Mein Nachbar Totoro, Kikis kleiner Lieferservice), in denen das Erwachsenwerden und der Mut dazu eine zentrale Rolle spielen.
Der Anime basiert auf dem gleichnamigen Manga und dem Videospiel. Kein Wunder, dass der Film mit seinen Stationen, die erfüllt werden müssen, bevor Wataru der Schicksalsgöttin gegenübertreten kann, sehr Letzterem gleicht.
Die Art der Fantasy in »Brave Story« ähnelt z. B. den Kinderbüchern von Wolfgang und Heike Hohlbein oder Michael Endes »Die unendliche Geschichte« und den Klassikern der Fantasy-Mangas wie »Fushigi Yuugi«, in denen ein Held oder eine Heldin aus »unserer« Welt aus den verschiedensten Gründen eine Fantasywelt betritt, dort viele Abenteuer bestehen muss und sich dabei enorm weiterentwickelt. Die Spannung in »Brave Story« wird erzeugt und aufrecht erhalten, indem der Held genauso viel weiß wie der Zuschauer, d.h. am Anfang erst einmal gar nichts und dann immer ein wenig mehr. Das erinnert an »Harry Potter«, dem man auch nur mysteriöse Wissensbröckchen zuwirft, die erst nach und nach Sinn ergeben. In diesen beiden Fantasywelten wird z.T. schon in aller Brutalität gezeigt, wie hilflos man ohne Wissen ist. Von wegen »Nichtwissen macht nichts«, denn wenn man nichts weiß, versteht man die Welt nicht – was dann in den Fantasywelten zu einem schnellen Tod, mindestens aber zu Verlust und Verletzungen führen kann. Übersetzt für unsere eigene Welt bedeutet das, dass man besser durchs Leben kommt, je mehr man weiß und vor Manipulation verschont bleibt, da man in der Lage ist, sich durch Wissen und damit einhergehend selbstständiges Denken eine eigene Meinung zu bilden. Für Jugendliche bedeutet das aber auch die Schmerzen und die Verwirrungen der Pubertät, durch die man sich kämpfen muss, bevor man sich in der Erwachsenenwelt zurechtfindet. Dazu gehört in »Brave Story« auch der Kampf gegen sich selbst.
Der Film zeichnet sich weiterhin durch gelungene Kamerafahrten, eine sehr gute Synchro und einen angemessenen Soundtrack aus. Leider stechen die 3D-Szenen aus dem zweidimensionalen Anime heraus. Außerdem merkt man den Kontrast zwischen einfach gestalteten Figuren und detailreich gezeichneten Hintergründen. All das fügt sich nicht harmonisch genug zusammen.
Fazit:
Kurzweiliger, tiefsinniger Fantasy-Anime!
© Ulrike Dansauer |