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Filmrezensionen Zeichentrick/Anime - Black Jack - Biohazard

Black Jack – Biohazard
DVD, PAL
OVA Films
Tezuka Produktions
ca. 110 min
Ton: Deutsch, Japanisch, deutsche Untertitel
2008 erschienen
FSK: ab 16 Jahren
Mit Bonusmaterial
Preis: 19, 95 €

Kuro Hazama alias Black Jack gilt als der beste Chirurg der Welt, obwohl er keine Lizenz zum Praktizieren hat. Diesmal wird er zu Koichiro Tsuzuki, einem erfolgreichen Geschäftsmann, gerufen. Dieser hat eine merkwürdige Geschwulst mit der Form eines Gesichts am Bauch, die sich nicht wegoperieren lässt. Das muss auch Black Jack erfahren, als er es versucht. Daher vermutet er, dass die Geschwulst psychischen Ursprungs und der Grund für das Erscheinen des Tumors in Tsuzukis Vergangenheit zu suchen ist. Und wie hängen die mysteriösen Mordfälle, verübt von einer Frau, und die Attacken auf Autos, durchgeführt von einem Jungen, beide mit derselben DNA, mit Tsuzuki zusammen?

Im zweiten Fall wird Black Jack nach Mikazuki-Bay gerufen. Durch die jahrelange Umweltverschmutzung durch die Industrie sind das Meer und die Fischbestände stark beschädigt. Da die Menschen von der Fischerei leben, weisen sie schlimme Vergiftungen auf, genannt das Mikazuki-Syndrom. In einem kleinen Hotel lernen Black Jack und seine Gehilfin Pinoko die junge Tsukiko kennen, die ebenfalls am Mikazuki-Syndrom leidet. Das geistig behinderte Mädchen ernährt sich immer noch von der Fischerei, da sie nichts anderes gelernt hat. Die Leute kaufen ihr aus Mitleid ihre Fische ab, aber da sie arm sind, werden es immer weniger, die Geld für Tsukiko erübrigen können. Und Tsukikos Leiden wird immer schlimmer. Black Jack beschließt, sie zu operieren.

Schöne Hintergründe, gut gezeichnete Figuren. Synchro und Soundtrack sind okay. Klasse finde ich die Gesellschaftskritik, die in beiden Filmen geübt wird. In beiden Animes wird die Wirtschaft kritisiert, mit deren ethisch-moralischer Einstellung es nicht weit her ist. Im ersten Film leidet der Nachfolger eines Großkonzerns unter der unmenschlichen Erziehung seines Vaters, der aus ihm einen harten Geschäftsmann machen will. Auf die sensible Seite Koichiros wird da keine Rücksicht genommen. Das Ergebnis sind schlimmste psychische Störungen. Der zweite Film spricht das Thema Umweltverschmutzung an, das ganz aktuell in frappierend ähnlicher Form in China zu beobachten ist. Die Konzerne nehmen überhaupt keine Rücksicht auf die Umwelt und auf die Menschen; für sie gilt nur Profit. Dem entgegengesetzt wird Black Jack mit seiner humanistischen Einstellung, der auch mal ohne Geld zu nehmen operiert, und die Bewohner Mikazuki-Bays, die versuchen, Tsukiko zu helfen. Außerdem werden die Gefühle der Menschen im Film durch das Wetter gespiegelt, eine zwar nicht neue, aber wirkungsvolle Methode. Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Zum einen mutet es schon sehr seltsam an, dass Tsukikos völlig verdrehtes, steifes Knie beim Schwimmen auf einmal wieder gerade ist und sich ohne Probleme bewegen lässt. Zum anderen stoßen die plumpen Nacktszenen auf. Und die erst recht bei der geistig behinderten Tsukiko. Ich mache das mal an Tsukikos Kleid fest. Das Kleid ist strahlend weiß, also ein Zeichen für Reinheit und Unschuld. Das Kleid ist gleichzeitig aber auch eng anliegend und so kurz geschnitten wie ein Minirock, so dass man viel von ihrem Körper sieht. Es läuft also auf eine typische Männerfantasie hinaus, die nach jungen, naiven, unschuldigen und schönen Dingern sabbert – da sich diese im Gegensatz zu aufgeklärten, intelligenten, selbstbewussten Frauen leicht verführen lassen. Untermauert wird das noch durch den Film selbst, als der Taxifahrer von der reinen Tsukiko und ihren weißen, schönen Brüsten spricht. Ich weiß nicht, wie es anderen Frauen geht, aber ich habe u.a. an dieser Stelle angeekelt den Mund verzogen. Gerade bei geistig behinderten Menschen/Frauen wirkt diese Fantasie schon sehr grenzwertig, wenn nicht pervers … Hinzu kommt, dass Tsukiko im schlimmsten Sturm nach blauen Perlen fischt, um Black Jack durch die Perlen ihre Liebe zu beweisen. Selbst wenn sie geistig behindert ist, müsste sie durch Lernen und/oder Erfahrung wissen, dass man bei solchem Wetter nicht ins Meer geht. Eine auf solche Art auf die Spitze getriebene Naivität wirkt einfach nur noch lächerlich und unglaubwürdig. Unglaubwürdig ist auch, dass Regisseur Osamu Dezaki im Audiokommentar zu diesem Film behauptet, dass die Legende der Meerjungfrau, die im Anime verwendet wird, auf seinem Mist gewachsen ist. Dazu ähnelt sie viel zu sehr Andersons Märchen. Womit wir bei den Extras wären. Der schon erwähnte Audiokommentar deckt den gesamten zweiten Film ab und wird in Form eines Interviews gestaltet. Mal abgesehen von ein paar Unstimmigkeiten wie z.B. der oben erwähnten erhält der Fan Hintergrundwissen zum Anime, z.B. dass die so genannten „Schlammfarben“, die für die Gestaltung von Schreinen genutzt werden, auch für den gezeichneten Schrein im Anime Verwendung fanden. Des Weitern werden Vergleiche mit dem Manga gezogen. Die Bildgalerie besteht erfreulicherweise aus Skizzen (nicht aus Filmbildern), die nicht nur die beiden Animes abdecken, die in der DVD enthalten sind. Der Trailer hingegen hat mit den Animes der DVD nichts zu tun, sondern ist ein Trailer von „Black Jack – The Movie“. Somit gehört er nicht zu den Extras, sondern ist eine reine Werbemaßnahme und hätte bei den Programminfos eingestellt werden müssen. An weiteren Extras bietet die DVD Hintergrundinfos zu den Figuren Black Jack und Pinoko und natürlich zu Osamu Tetsuka, dem Erfinder der Mangas, der auch Black Jack kreiert hat.

Bewertung:



© Ulrike Dansauer

 

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