S P L
Hongkong 2005 – Regie: Yip Wai Shun – mit Donnie Yen, Sammo Hung, Simon Yam, Liu Kai Chi, Danny Summer, Ken Chang, Jing Wu.
Action-Thriller
Farbe – 93 Minuten.
Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man das neue Werk eines Filmschaffenden in Händen hält, den man besonders verehrt. Als ich die DVD dieses Films nach dem Kauf nach Hause trug, war es, als befände sich ein rohes Ei in meiner Tasche. Ja, ich halte Sammo Hung für einen der ganz Grossen des Kinos. Ein neuer Film dieses Mannes, egal ob als Darsteller oder/und als Regisseur ist ein Fest. Man mag mir also verzeihen, wenn ich etwas zu sehr durch die rosarote Brille schaue.
Wong Po (Sammo Hung) ist der König der Unterwelt, ein Gigant. Sein persönlicher Feind ist ein Polizist namens Chung (Simon Yam), der unerbittlich Jagd auf den Drogenboss macht. Chung gründet eine Spezialeinheit, die sich nur mit dem Fall Wong Po beschäftigt. Leider bedienen sich die Jungs dieser Einheit auch nicht immer gesetzestreuer Mittel. Ein Neuling in der Gruppe mit Namen Kwan (Donnie Yen) hat zunächst Probleme mit diesen Methoden. Doch es scheint, als sei dem Gangster nicht mit anderen Möglichkeiten beizukommen. Wong Po lässt die Mitglieder der Spezialeinheit nach und nach regelrecht hinrichten, bis nur noch Chung und Kwan übrig sind. So begibt sich Chung in die Höhle des Löwen, um endlich mit ihm abzurechnen, wird aber überwältigt. Nun ist es an Kwan, ihn heraus zu hauen, doch der Kampf mit Wong Po endet tragisch für alle Beteiligten.
Die Story ist geradezu klassisch und austauschbar mit etwa der Hälfte aller in Hongkong gedrehten Actionthriller seit rund 20 Jahren. Aber das war eigentlich nie der entscheidende Faktor dieser Filme. Entscheidend waren und sind die Personen, die in der Story leben. Meist sind sie sehr emotional gezeichnet, manchmal schon mehr als es einem Zuschauer lieb sein kann. Die optische Qualität ist dann das Nächste, sprich Kameraführung und Farbgebung. Gerade hier heben sich viele Filme von gleich gearteten Streifen anderer Länder ab. Und so geht es durchaus auch dem vorliegenden Film. Die Farben sind meist dunkel und kalt. Er will von Anfang an nicht schön aussehen. Dem Zuschauer wird eine unbarmherzige Welt präsentiert, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Die Polizisten stehen zwar auf der Seite des Gesetzes, doch sie bedienen sich der Mittel der Unterwelt, um das durch zu setzen, was sie für Recht und Ordnung halten. Wong Po steht auf der Gegenseite. Er ist hart, gnadenlos und eiskalt. Gleichzeitig aber wird er zu einem weichen und liebenden Mann und Vater, wenn es sich um seine Familie handelt. Dass beide Parteien verfeindet sind, mutet so manches Mal schon grotesk an.
Stichwort Familie, etwas, das bei den Chinesen sowieso sehr intensiv behandelt wird. So auch hier. Es ist Vatertag. Plötzlich werden die härtesten Männer zu einfachen Menschen, die nichts weiter im Sinn haben, als ihre Eltern oder ihre Sprösslinge anzurufen oder zu treffen. Selbst in der härtesten Welt ist der Moment der Wärme und Liebe das Wichtigste im Leben. Eine Sache, die sehr gern unterschätzt wird, die aber im Hongkong-Film nach wie vor gepflegt wird. Hier ist besonders ergreifend auch jene Szene am Schluss des Films, wenn Chung sich am Strand mit seiner Adoptivtochter befindet. Er hat geschworen, dass er dieses Kind immer beschützen will. Während das Mädchen ausgelassen am Wasser herum läuft, setzt er sich in den Sand. Wir wissen, dass der Mann einen bösartigen Gehirntumor hat und er somit seine selbst gesteckte Aufgabe niemals erfüllen kann. Mit diesem Gedanken geht der Film dann zu Ende. Der Zuschauer wird traurig zurück gelassen.
Der Rest ist furios. Streckenweise ist der Film grausam und brutal. Die Hinrichtungen der Mitglieder der Spezialeinheit gleichen einem Abschlachten. Die Kampf- und Actionsequenzen sind atemberaubend. Donnie Yen zeichnet für die Action-Choreografie verantwortlich und er zeigt, dass er ein Meister seines Fachs ist. Die Darsteller agieren glaubhaft. Simon Yam ist streckenweise brillant, Sammo Hung einfach großartig. Obgleich er nun doch langsam wirklich alt wird und sein Körperumfang deutlich zunimmt, strahlt dieser charismatische Schauspieler eine Präsenz aus, die allen anderen beinahe die Luft zum atmen nimmt.
Mag sein, dass ich voreingenommen bin, aber der Film ist und hat Klasse. Jederzeit einfach nur empfehlenswert.
© Norbert Aichele
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