Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Filmrezensionen Krimi & Thriller - I saw the Devil


Filmrezensionen Krimi & Thriller - I saw the Devil

I saw the Devil
Originaltitel: Akmareul Boatda
Regie: Kim Jee-Woon
Drehbuch: Park Hoon-Jung
Produktion: Kim Hyun-Woo
Darsteller: Lee Byung-Hun, Choi Min-Sik, Jeon Gook-Hwan, Oh San-Ha
Südkorea 2010
Laufzeit: 126 Minuten (angebliche Uncut-Version: 131 Min.)
FSK: 18

Thriller-Freunde blicken zurzeit erstaunt und gleichzeitig erfreut nach Südkorea. Im Gegensatz zu Hollywood, das sich weiterhin einfallslos gibt, werden dort geradezu genial in Szene gesetzte Spannungsfilme produziert, die ihresgleichen suchen. Sei es The Man from Nowhere, Hunters oder I saw the Devil.
I saw the Devil ist die neueste Regiearbeit des bekannten Regisseurs Kim Jee-Woon, der bereits mit seinen Werken „A quiet Family“ oder „A Tale of two Sisters“ überzeugte. Sein neuestes Werk erregte kurz vor seiner Veröffentlichung bereits großes Aufsehen, da der Film vor einem Aufführungsverbot stand. Grund dafür war die extreme Brutalität, die Kim in seinem Thriller inszeniert. Er musste seinen Film daher um ein paar Szenen kürzen. Bei der koreanischen DVD-Veröffentlichung wurden zwei Versionen des Films präsentiert. Eine war die Kinofassung, die andere die sog. International Edition. Beide Versionen unterscheiden sich nicht wesentlich von einander, außer dass die Gore-Szenen der International Edition ausgeprägter sind als in der Kinofassung. Die jeweilige Spieldauer beträgt 144 Minuten bei der Kinofassung und 142 Minuten bei der International Edition. Man sieht also, dass die deutsche Version um beinahe 20 Minuten bzw. 11 Minuten gekürzt ist und die angebliche deutsche Uncut-Version gar keine ist.

Doch zurück zum Film. I saw the Devil gehört in die Kategorie der Serienmörderfilme und handelt von dem Psychopathen Kyung-Chul, der einen unbändigen Hass auf Frauen hegt. Eines seiner Opfer ist die schwangere Verlobte des Polizisten Soo-Hyeon. Dieser sinnt auf Rache. Er lauert Kyung-Chul bei seinen Taten auf, um diese rechtzeitig zu verhindern. Jedes Mal fügt er dabei dem Mörder eine weitere schmerzvolle Wunde zu. Somit vermischen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse und zwischen Moral und Unmoral. In dieser Hinsicht orientiert sich der Film an dem Horrorfilm der 70er Jahre bzw. nimmt die Thematik des Retro-Horrors auf. Dies allerdings mit einer enormen Wucht, die man bei kaum einem anderen Film gesehen hat. Man könnte auch sagen, Eli Roth ist dagegen Kinderkram. Regisseur Kim Jee-Woon ließ seine Make-Up-Künstler hart arbeiten. Die Brutalität der jeweiligen Gore-Szenen ist gelegentlich an der Schmerzgrenze. Der Ekelfaktor ist extrem hoch. Doch wie auch bei seinen anderen Filmen lässt Kim an manchen Stellen einen Hauch Ironie und schwarzen Humor hindurchschimmern, besonders dann, wenn es zur Begegnung Kyung-Chuls mit seinem Kannibalen-Kumpel kommt. Obwohl I saw the Devil gezielt versucht, die moralischen Empfindungen der Zuschauer zu provozieren, wird der Film nie niveaulos. Alles läuft innerhalb eines hochgradigen ästhetischen Rahmens ab, der wiederum das typische Markenzeichen Kim Jee-Woons ist.

Die deutsche DVD-Version beinhaltet die meisten Gore- und Ekelszenen nicht. Ähnliches gilt für die Uncut-Version, die keine ist (daher sei hier verraten, dass meine Rezension auf der koreanischen Version beruht). Aus diesem Grund wird es den Zuschauern hierzulande schwer fallen, sich ein genaues Bild dieses umstrittenen Films zu machen. Dennoch lohnt sich ein Blick allemal. Nicht zuletzt deswegen, um die Qualität des neuen koreanischen Thrillers schätzen zu lernen.

Copyright © 2011 by Max Pechmann

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox