Das Hausmädchen
Originaltitel: Hanyo
Regie u. Drehbuch: Im Sang-Soo
Produktion: Jason Chae
Darsteller: Jeon Do-Yeon, Lee Jung-Jae, Yun Yeo-Jong, Seo Woo
Südkorea 2010
Laufzeit: 102 Minuten
Immer wieder versuchen sich koreanische Filmemacher in sog. Skandalfilmen. Dies führt dazu, dass neben skurrilen Horrorfilmen auch hin und wieder ein Erotikfilm das Licht der Welt erblickt.
Mit Das Hausmädchen kommt nun ein Film nach Deutschland, der sich eben diesem vermeintlichen Genre zurechnen darf. Es handelt sich dabei um einen Thriller, der in Form eines klassischen Dramas die Geschichte der jungen Eun-Yi erzählt, die bei einer reichen Familie als Hausangestellte arbeitet. Ihre Aufgabe besteht darin, sich um die Tochter und die hochschwangere Mutter zu kümmern. Doch eines Tages beginnen der Hausherr Hoon und Eun-Yi eine geheime Affäre. Die Heimlichkeit währt nicht lange. Denn die Hausdame Byung-Sik bekommt davon mit und berichtet alles Hoons Frau. Diese sinnt von da an nur noch nach Rache.
Regisseur Im Sang-Soo konzentriert sich bei seinem Film auf die beiden klassischen Themen Leidenschaft und Wahnsinn und steigert diese in der Schlussszene bis ins Surreale. Fällt das Wort surreal, so ist der Begriff Ästhetik nicht weit. Dementsprechend kunstvoll setzt Im Sang-Soo die Thematik um. Er verwendet dabei eine geradezu betörende Bildsprache, die auch bei den Sexszenen nicht haltmacht. Diese sind fast schon gemäldehaft in Szene gesetzt und interessanterweise mehr auf den Körper des Mannes fokussiert als auf den der Frau. Sang verzichtet auf eine pornografisch angehauchte Choreografie wie dies sonst in koreanischen Filmen üblich ist, was den Film von dem Begriff skandalös allerdings weit entfernt. Dadurch, dass Byung-Suk die Affäre mitbekommt, schleicht sich ein tödlicher Konflikt in die Geschichte. Die Art und Weise wie dieser schließlich ausgetragen wird, besitzt eben diese klassischen Merkmale, welche den Film durchaus sehenswert machen. Die Konstellation zwischen rächender Ehefrau, gemeiner Schwiegermutter, herrischem Ehemann und naivem Dienstmädchen schafft eine düstere Aura. Die dunkle, teils bis ins tiefe Schwarz hineinreichende Farbgebung verstärkt das Düstere beinahe ins Morbide.
Im Sang-Soo verzichtet bewusst darauf, den Konflikt als einen betont sozialen Kontrast zwischen Arm und Reich zu gestalten, was dem Film nur geschadet hätte. Er setzt auf einer höheren Ebene an, was den Figuren etwas Unheimliches und Bedrohliches gibt. So wird z. B. die Familie Hoons dadurch charakterisiert, dass deren männliche Mitglieder gewohnt sind, sich das zu nehmen, was sie wollen. Es ist unverkennbar, dass dadurch die Motive klassischer Schauerliteratur hindurchschimmern. Getragen wird der Film von hervorragenden Schauspielern, welche die Figuren sehr überzeugend darstellen.
Das Hausmädchen ist in eher ruhigen Bildern erzählt. Längere Kameraeinstellungen sind die Regel. Es ist ein Film, der voll und ganz auf seine ästhetische Darstellungen setzt, was ihn für das Auge sehr interessant macht. Anspruchsvolle Thriller-Fans dürfte der Film daher recht gut gefallen.
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