THE DESCENT
GB 2005
Regie: Neil Marshall
mit Shauna MacDonald, Natalie Mendoza, Alex Reid,
Saskia Mulder, Nora-Jane Noone, Myanna Buring
Farbe – 96 Minuten.
Über Stories lässt sich eigentlich immer streiten. Wenn man dem aus dem Weg gehen will, dann macht man halt keine oder schafft nur einen roten Faden. Der vorliegende Film hat Letzteres. Anhand seiner im Grunde nicht vorhandenen Geschichte könnte man ihn in die Verdammnis befördern. Ein intellektueller Kopf sollte sich hier schleunigst aus den Staub machen.
Sechs Extrem-Sportlerinnen machen einen Ausflug in ein Höhlensystem. Nach dem Einsturz eines Ganges sind sie darin gefangen und müssen einen anderen Ausgang finden. Dabei treffen sie auf Kreaturen, die hier in tiefster Dunkelheit leben. Diese sind Fleischfresser und machen Jagd auf die Mädels.
Die Story, wie schon angedeutet, fordert den Zuschauer in keiner Weise. Aber das ist auch gar nicht wichtig! Einige der besten Horrorfilme der letzten 40 Jahre hatten kaum eine Geschichte zu bieten. THE DESCENT hat das Zeug, in diese Reihe zu kommen.
Und damit kommen wir zu dem, was der Streifen eigentlich will: spannend unterhalten, Dir vielleicht sogar ein wenig Angst machen. Beides schafft er, geht sogar noch ein wenig darüber hinaus. In letzter Zeit ist mir selten ein Film unter gekommen, der mich derart in die Polster gedrückt hat wie dieser. Hatte Neil Marshall schon mit seinem Erstling DOG SOLDIERS den wohl neben GINGER SNAPS bisher besten Werwolffilm des neuen Jahrtausends gedreht, so setzt er mit THE DESCENT noch einen drauf.
Es beginnt ruhig. Der Film nimmt sich mehr als 50 Minuten Zeit, die Figuren und deren Umfeld zu zeichnen. Das geschieht nicht ohne Grund. Marshall will uns die Frauen näher bringen, sodass uns ihre verschiedenen Charaktere ans Herz wachsen. Auch wenn einige Klischee-Zeichnungen dabei sind, so sympathisieren wir mit allen von ihnen. Und das nutzt der Film dann gnadenlos aus. Er schickt die lieb gewonnenen Charaktere in der zweiten Hälfte in eine wahre Tour-de-Force des blanken Horrors. Dabei geht er sowohl mit den Frauen wie auch mit den Zuschauern nicht gerade zimperlich um. Wer sich von einem Film emotional packen lassen kann, der hat hier jeden Halt verloren, wird direkt in die Hölle geschickt. Jedes Geräusch, jeder Lichtschein, jede Bewegung wird zu einem Moment des Schreckens.
Das Timing des Films ist perfekt. So etwas funktioniert natürlich nur, wenn auch die Inszenierung und der Schnitt perfekt sind. Was den Film so ungeheuer stark macht, ist eben Letzteres. Die Kameraeinstellungen und die Farbgebung sind von höchster Qualität. Die Schnittfolgen sind exzellent und die teilweise mit überhöhter Geschwindigkeit gezeigten Actionszenen geradezu atemberaubend.
Für mich der beste Horrorfilm des Jahres. Da wird wohl auch Nichts mehr kommen, das mich derart umreißen kann. Ein Film, für den ich meine Hand ins Feuer lege. Aber Vorsicht: In der Deutschen Version ist nur der Film in der Doppeldisk (18er Freigabe) ungeschnitten. In der Version mit 16er Freigabe (Single Disc) fehlen rund 2 Minuten.
© Norbert Aichele
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