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Rezension - Tanz der toten Seelen

Tanz der toten Seelen
Originaltitel: Carneval of Souls
Regie und Produktion: Harold Harvey
Drehbuch: John Clifford
Darsteller: Frances Feist, Stanley Leavitt, Harold Harvey, Sidney Berger
USA 1962
Laufzeit: ca. 80 Minuten

Der Regisseur Harold Harvey drehte nur einen einzigen Spielfilm. Eigentlich war er Regisseur von Unterrichtsfilmen. Nach »Carneval of Souls« kehrte er auch wieder in sein eigenes Metier zurück. Die Folge davon: eine bis heute grübelnde Gemeinde von Filmhistorikern, die sich wundern, was Harvey zu diesem Film veranlasst haben könnte und aus welchem Grund er keinen weiteren Film mehr drehen wollte.
Die Handlung ist wie folgt: Bei einem Autowettrennen kommt es zu einem schweren Unfall. Eines der Autos fällt von der Brücke in einen Fluss und versinkt. Kurze Zeit später tritt eine der Mitfahrerinnen völlig benommen an das Ufer, steigt in ein Auto und fährt weg. Um sie herum geschehen unheimliche Dinge. Ein seltsamer Mann verfolgt sie. In einem verlassenen Vergnügungspark kommt es zum gruseligen Showdown.
Mit seinem Ausflug in den Genrefilm lieferte Harvey ein absolutes Meisterwerk, einen Klassiker des Genrefilms, der bis heute immer wieder zitiert wird. David Lynch wurde von diesem Film stark beeinflusst. In »Lost Highway« lässt er den namenlosen Mann aus Harveys Streifen wieder auferstehen. Sogar in einem Videoclip von Depeche Mode wird eine Szene aus Harveys Film zitiert. Harold Harvey drehte »Carneval of Souls« als eine absolute Low Low-Production. Das bedeutet, für den Film stand so wenig Geld zur Verfügung, dass für Szenen einfach Leute auf der Strasse angesprochen wurden, mit der Frage, ob sie nicht kurz Zeit hätten, um für einen Moment vor der Kamera zu agieren. Dies schadete dem Film keineswegs. Durch sein Vorgehen schuf Harvey eine einzigartige Atmosphäre, die bis heute nichts eingebüßt hat. Hinzu kommen unwahrscheinlich gute Kameraeinstellungen, sehr gruselige Kulissen und hervorragende Dialoge. Die Figuren wirken sehr lebendig und sind absolut überzeugend, was ebenfalls auf die genialen Hauptdarsteller zurückzuführen ist. Im Jahr 1962, als »Carneval of Souls« in die Kinos kam, wurde dieser Film als avantgardistisch eingestuft. Er lief mit mehr oder weniger Erfolg, die Kritiker jedoch überschlugen sich mit Lob. Besonders der Schluss des Filmes ist ein Gruselhöhepunkt des Genrefilms, mit dem allerhöchstens nur noch das Ende von Dario Argentos »Suspiria« mithalten kann. Somit ist »Carneval of Souls« ein einzigartiges Werk, das mit vorwiegend surrealen Bildkompositionen eine wahrhaft unheimliche Geschichte erzählt.
In den USA kam kürzlich eine liebevoll gestaltete Special Edition dieses Klassikers heraus. Während auf der ersten DVD der eigentliche Film in digitalisierter Fassung zu sehen ist, befindet sich auf der Bonus-CD eine Unmenge an Interviews, Fotogalerien usw. In Deutschland ist »Carneval of Souls« in einer lieblosen Variante zu erhalten. Positiv zu bewerten ist, dass in einem Label (Carol Media), das eigentlich nicht gerade durch anspruchsvolle Filme glänzt, ein solcher Klassiker veröffentlicht wurde (man hätte eher erwartet, dass die Leute von Anolis einen solchen Film herausbringen würden). Negativ zu bewerten ist, dass diese Version ohne Extras (eine nicht erwähnenswerte Slideshow) auf den Markt gekommen ist. Als Genreliebhaber darf man sich jedoch trotzdem darauf freuen, diesen Klassiker überhaupt einmal wieder zu Gesicht zu bekommen.

© Max Pechmann

 

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