So finster die Nacht
Let The Right One In
Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: John Ajvide Lindquist
Darsteller: Kare Hedebrant (Oskar), Lina Leandersson (Eli), Per Ragnar, Peter Carlberg, Ika Nord, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Mikael Rahm
Schweden 2008
Veröffentlichung Kauf-DVD: 20.05.09
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: 16
Genre: Horror
Winter. Eine triste Wohnsiedlung einer Trabantenstadt vor Stockholm. Der 12jährige Oskar, blass und introvertiert, lebt bei seiner Mutter. Die Eltern sind geschieden, den Vater besucht er manchmal am Wochenende. In der Schule wird Oskar von dreien seiner Mitschüler regelmäßig gehänselt, verspottet, gequält. Ein wehrloses Opfer, das nur zu Hause oder auf dem Spielplatz, allein, seinen Rachephantasien nachgeht. Dort, auf dem Spielplatz, lernt er eines Nachts Eli kennen, das neue Mädchen aus der Nachbarwohnung. Eli ist irgendwie anders, sie friert nicht, obwohl sie barfuß im Schnee läuft, aber sie riecht etwas komisch. Eli ist auch 12, das aber schon sehr lange, wie sie sagt. Oskar und Eli freunden sich an, obwohl Eli das überhaupt nicht will, doch irgendwie fühlt sie sich zu dem unscheinbaren Oskar hingezogen. Eli tut Oskar gut, durch sie wird er selbstbewußter, lernt, zurückzuschlagen. Währenddessen geschehen mehrere Morde in diesem doch sehr überschaubaren Kosmos einer kleinen Vorstadt. Die Spuren führen zu Eli und Oskar muß erkennen, dass seine kleine Nachbarin eine Vampirin ist. Doch dieser Umstand schreckt ihn nicht ab, ändert nichts an seiner pubertären Liebe zu Eli. Und irgendwann muß Oskar die Entscheidung treffen, ob Elis Lebensmotto auch für ihn gilt: »Weggehen heißt Leben, Hierbleiben der Tod«.
Bis dato hatte ich noch nichts von diesem Film gehört oder gesehen. Doch als ich vor Kurzem die DVD in der Hand hielt, verleiteten mich die aufgedruckten, geradezu überschwenglich positiven Zitate diverser Kritiken zum Kauf dieses Films.
Doch »So finster die Nacht« ist keineswegs die neue Offenbarung des Vampirkinos. Zu allererst sollte der potentielle Zuschauer viel Geduld mitbringen, denn anders als die herkömmliche Hollywood-Massenware ist dieser Film schon, er läßt sich Zeit für die Entwicklung seiner Geschichte, seiner Charaktere. Es ist ein sehr stiller, ruhiger Film mit langen Einstellungen, man könnte auch sagen ein langweiliger Film, aber das höchstens streckenweise. Er ist unspektakulär, die Bilder karg, dadurch aber besonders realistisch in ihrer Wirkung. Auf dem Niveau eines Fernsehfilms, mit sparsamen Effekten, entwickelt sich die zarte Liebe zweier Jugendlicher, zumindest was das rein optische Erscheinungsbild anbelangt. Eli benötigt halt Blut zum Leben, beim Konsum von Süßigkeiten muß sie sich übergeben. Ansonsten hält sich der Film an die traditionellen Eigenschaften von Vampiren: Ein Vampir muß hereingebeten werden, bevor er eine Wohnung betreten kann (die Konsequenzen bei Zuwiderhandlung werden sehr anschaulich dargestellt; für öffentliche Gebäude oder Einrichtungen scheint diese Regel allerdings nicht zu gelten); Vampire vertragen kein Sonnenlicht; verfügen über mehr Kraft und Geschicklichkeit als ein normaler Mensch; verspüren keine Kälte.
Der Vampirmythos hält Einzug in den ganz normalen Alltag. Da gibt es keine Glorifizierung des Vampirseins, man muß töten, um zu überleben. Man führt ein ruheloses, spartanisches Leben. Der Film beantwortet keine Fragen. Wo Eli herkommt, wie sie zum Vampir wurde, wie alt sie tatsächlich ist, ob es noch weitere ihrer Art gibt, all das bleibt offen. Der Film ergeht sich in Trostlosigkeit, Tristesse, Depression, Kälte.
Fazit:
Sicher ist »So finster die Nacht« anders, ob er dadurch aber besser ist als andere Produktionen, mag der jeweilige Betrachter für sich selbst entscheiden. Er ist keine leichte Kost, doch ist er damit automatisch gleich Filmkunst? Ein Film, der polarisiert, der nachdenklich macht.
Copyright © 2010 by Stefan Bellack |