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Filmrezensionen Horror / Grusel

RITUAL
USA 2006
Regie: Avi Nesher
mit Jennifer Grey, Craig Sheffer, Daniel Lapaine, Kristen Wilson, Gabriel Casseus, Tim Curry
Farbe – 99 Minuten

Puh, da lehnen sich ein paar Leute aber ziemlich weit aus dem Fenster. Es ist im Augenblick ja in Mode, alte Stoffe neu zu verfilmen. Es gibt aber Filme, an denen MUSS man einfach scheitern, da diese so übermächtig sind, dass es sich im Grunde verbietet, überhaupt den Gedanken an eine Neuverfilmung zu wagen. I WALKED WITH A ZOMBIE, den Val Lewton 1943 für RKO-Pictures produzierte (Regie Jacques Tourneur), ist so einer dieser Klassiker (Im Grunde gilt das für alle Horrorfilme, die Lewton in dieser Zeit herstellen ließ). Grundsätzlich ist der Gedanke nicht falsch, alte Stoffe zu aktualisieren, um sie einem neuen Publikum näher zu bringen, aber von manchen Dingen sollte man die Finger lassen. Zugegeben, manch ein jüngerer Zuschauer wird den Originalfilm als extrem langweilig empfinden, weil er im Grunde nicht eine Horrorsequenz nach heutigem Maßstab besitzt und zuweilen geradezu penetrant ruhig ist. Der Film ist deshalb ein Meisterwerk, weil er, wenn man bereit ist, sich emotional fangen zu lassen, den Zuschauer in eine wahrhaft fremde, Furcht erregende Welt entführt, so atmosphärisch dicht, dass ihn irgendwann das blanke Entsetzen packt, gerade weil der Film nichts zeigt. Die Neuverfilmung übrigens, bietet nicht einmal einen Ansatz dessen.
Da wird eine junge Ärztin nach Jamaika gerufen, um dort einen jungen Mann zu untersuchen, der von sich glaubt, zu einem Zombie zu werden (Niemand sollte im Übrigen glauben, dass ein Zombie jenes blutgierige Monstrum ist, das seelenlos sich auf der Jagd nach Menschenfleisch befindet – Eine Sache, die mit dem eigentlichen Begriff des Zombies gar nichts zu tun hat). Die Ärztin und der Patient, der sich zunächst weigert betreut zu werden, kommen einander näher, doch der junge Mann steht unter einem grauenvollen Einfluss.
Es ist schwer, diese Story schlüssig zu erzählen, wenn man als Zuschauer sich ständig unter Krämpfen der Übelkeit zu winden hat. Deswegen lasse ich es dabei.
Ich möchte einmal außen vor lassen, dass es zu diesem Machwerk ein Original gibt, denn selbst als eigener Horrorfilm ist das Ding entsetzlich. Das beginnt schon bei der Hochglanz-Farbgebung, die in der Welt, in der dieser Film spielt, gar nicht sein darf. Die Regie und Kameraarbeit sind zuweilen geradezu als primitiv zu bezeichnen, einhergehend mit dem Drehbuch. Da wird auf alles drauf gehalten. Wenn es irgendwo nackte weibliche Haut gibt, dann wird sie eingefangen, so aufdringlich wie es nur irgend geht. Es gibt nicht eine Sequenz, die nicht in einem reißerischen Effekt endet. Obwohl der Stoff eigentlich gar nicht so viel her gibt, werden so viele Action- und Ekel-Effekte gebracht wie möglich ist. Und wenn es auch nicht in den Film passt, egal, Hauptsache ist, dass es fetzt. Ich finde es erschreckend, für wie dumm manche Filmemacher ihr Publikum halten. Nichts wird der Gedankenwelt des Zuschauers überlassen. Jede Kleinigkeit wird ins Rampenlicht gezerrt, damit man auch ja nicht über irgend etwas nachdenken muss. In sofern ist dieser Streifen ein echter Horror-Film, denn er ist einfach grauenhaft. – Um das zu unterstreichen, müsste man dann doch Bezug auf das Original nehmen, denn in jeder Szene des vorliegenden Films ist mehr los als im gesamten Film Tourneurs.
RITUAL kann als Zusammenfassung der Gründe angesehen werden, warum immer mehr Leute sich vom amerikanischen Mainstream-Film abwenden. Da hilft dann auch ein näselnder Tim Curry nichts mehr, der vermutlich auch nur dabei ist, weil der Scheck gestimmt hat.
Ach ja, wer dann noch so blöd ist, sich das Ding in der debilen Deutschen Synchronfassung anzusehen, der kann was erleben. Sämtliche Jamaikaner, die ja nun wirklich einen eigenwilligen Slang des Englischen sprechen, werden sauber Hochdeutsch synchronisiert. Oh Mann!

© Norbert Aichele

 

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