Orphan - Das Waisenkind
Originaltitel: Orphan
USA 2009
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: David Johnson, Alex Mace
Darsteller: Isabelle Fuhrman (Esther), Vera Farmiga (Kate Coleman), Peter Sarsgaard (John Coleman), Aryana Engieer (Max Coleman), Jimmy Bennett (David Coleman), CCH Pounder (Schwester Abigail)
Laufzeit: 123 Minuten
Deutscher Kinostart: 22.10.09
Verleih: Kinowelt
Nicht nur das Mutter Kate ihre Alkoholsucht noch nicht vollständig im Griff hat, erlitt sie doch, als sie mit ihrem dritten Kind schwanger war, eine Totgeburt, welche zu traumatischen Erlebnissen führte. Kate befindet sich deshalb in psychotherapeutischer Behandlung und denkt schon länger über die Adoption eines Kindes nach.
Unterstützt von ihrem Ehemann John, begeben sich die beiden schließlich in ein von Schwestern geführtes Waisenhaus und freunden sich dort mit der eher introvertierten, aber sehr intelligenten und musisch begabten 9jährigen Esther an.
Sehr beeindruckt von diesem Kind, adoptieren sie Esther und machen sie zu einem vollwertigen Mitglied ihrer Familie. Dass natürlich Esther erst einmal im Mittelpunkt steht, darunter leidet vor allem der Sohn der Colemans, David. Mit der stummen und fast tauben Tochter Max scheint sich allerdings zwischen Esther und ihr so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung zu entwickeln. Doch Esther ist nicht das brave, zurückhaltende Mädchen, wie es nach Außen hin den Anschein hat, sondern wer ihr bei ihren Zielen im Weg steht oder sie auch nur beleidigt, hat mit ihrer gnadenlosen Rache zu rechnen. Meisterhaft versteht sie es, die kleine Max zu ihrer Komplizin zu machen und einen Keil zwischen Kate und John zu treiben.
Keiner traut Esther diese Perfidität zu, einzig Kate beginnt nachzuforschen und entdeckt, wenn auch fast zu spät, Esthers dunkles Geheimnis.
»Orphan« steht ganz in der Tradition von Horrorfilmen, in denen Kinder das personifizierte Böse verkörpern. Eines der eindrucksvollsten Beispiele ist sicherlich »Das Omen«, mit seiner kindlichen Hauptfigur Damien als Sohn des Antichristen. Allerdings fehlt bei »Orphan« das übernatürliche Element völlig und das ist auch gut so.
Collet-Serra, bekannt z. B. durch »House Of Wax«, umgibt Esther von Anfang an mit einem dunklen Geheimnis und einer Aura des Unheimlichen und steigert das Tempo und das Grauen wohl dosiert. Allerdings kann er dadurch auch nicht ganz vermeiden, dass der Film doch einige Längen aufweist und die Spannung zwischendurch auch mal abflacht. Eine etwas straffere Dramaturgie wäre hier wünschenswert gewesen.
Die Entdeckung dieses Films ist aber die 11jährige Isabelle Fuhrmann. Wenn sie einen nur anschaut, bekommt man schon eine Gänsehaut und ich sage nur: »wenn Blicke töten könnten«. Auch ist sie enorm wandlungsfähig. Ihre darstellerische Palette reicht vom unschuldigen Mädchen bis zur durchgeknallten Kindfrau und ist einfach nur bewundernswert. Auch Vera Farmiga liefert eine gute Leistung als problembeladene Mutter ab. Nur Peter Sarsgaard als nicht verstehen wollender Vater bleibt etwas farblos.
Tiefgründiges sucht man in diesem Film sicherlich vergebens, aber das ist auch nicht die Intention von Collet-Serra. Trotzdem hebt sich dieser Film wohltuend von all den Folter- und Metzelfilmen ab, wie »Saw«, »Hostel«, »Frontiers« und deren zahllosen Epigonen, die in den letzten Jahren den Markt überschwemmen.
Und manchmal weiß der Regisseur gerade mit kleinen Szenen positiv zu überraschen und zu gefallen. So gibt es eine Einstellung mit Kate und ihrer taubstummen Tochter Max, in der es, außer der Musik des Scores, keinerlei Ton oder Geräusche gibt. Dies macht die Welt des kleinen Mädchens für den Zuschauer sehr erfahrbar.
Wer also Filme wie »Das Omen« mag, sich nicht den 6. Saw-Aufguss antun will und mehr auf subtileren Horror steht, wenn es auch hier selbstverständlich Leichen und Blut gibt, ist mit »Orphan« sicherlich gut beraten.
© Stefan Bellack |