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Filmrezensionen Horror / Grusel

GUSHER NO BENDS ME (HELLEVATOR)
Japan 2004
Regie: Hiroki Yamaguchi
mit Luchino Fujisaki, Yoshiichi Kawada, Ryosuke Koshiba,
Kae Minami, Yuuka Nakabo.
Farbe - 95 Minuten.

In einer nicht näher definierten Zukunft haben die Menschen ihren Lebensraum unter die Erde verlegt. Mittlerweile weiß kaum noch jemand, dass es eine Oberfläche gibt. Die Städte bestehen aus mehr als hundert Stockwerken, die durch Aufzüge statt durch U-Bahnen angefahren werden. Das Mädchen Luchino, ein geistig labiler Teenager, der von seinem Vater missbraucht wurde und diesen schließlich getötet hat, ist auf dem Weg zur Schule. Sie steigt in einen der vielen Fahrstühle. Auf Ebene 99, der Gefängnisebene, kommt es zu einem Sonderstopp. Zwei Gefangene sollen zur Entsorgung überführt werden. Die beiden sind recht kranke Massenmörder. Der Bewacher entpuppt sich als Idiot, wodurch die beiden Killer während der Fahrt freikommen und die Mitfahrenden terrorisieren. Luchino erschießt einen von ihnen, der andere wird von einem Biologen erschlagen, der sich aber nun ebenfalls als Psychopath entpuppt. Er wird schließlich von Luchino ermordet, die sich nicht mehr sicher ist, wenn sie noch trauen kann. Aber kann man ihr überhaupt trauen?
Hocherfreut nimmt man zur Kenntnis, dass es immer noch Filme gibt, die sich abseits des Mainstream-Kinos ihre Individualität bewahren und den Zuschauer ernst nehmen. Yamaguchis Erstlingswerk ist ein rüder, zuweilen sturzbrutaler Thriller, der den Zuschauer schon nach kurzer Zeit nicht mehr loslässt. Der größte Teil des Films spielt sich in dieser zwar geräumigen, aber tristen und schnell Klaustrophobie erzeugenden Fahrstuhlkabine ab. Ein paar Menschen, die letztlich alle merkwürdige Charaktere sind (deren Stellung in ihrem direkten Umfeld und auch in der Gesellschaft nie geklärt wird), sind einander ausgeliefert. Keiner von ihnen ist wirklich als Gut oder Böse zu klassifizieren (mit Ausnahme der beiden Strafgefangenen, die aber letztlich nur Auslöser dieser nervenzerrenden Situation sind). Für den Zuschauer wird es schwer, denn er hat keine Identifikationsfigur. Immer, wenn er glaubt, eine gefunden zu haben, wird er von der Handlungsweise der Figur enttäuscht. Selbst Luchino taugt dazu nicht, auch wenn sie in unschuldiger Matrosen-Schuluniform den Eindruck erweckt. Mag man es noch nachvollziehen können, dass sie einen der Killer erschießt, so ist ihre Kurzschlusshandlung, die zur Ermordung des Biologen führt, schwer zu begreifen.
Der Film ist deutlich beeinflusst von japanischen Mangas (was der Regisseur beim Interview im Bonusmaterial der DVD auch hervorhebt). Die Charaktere, die Handlung, auch die Bildeinstellungen wirken wie ein Comic. Dabei liegt diesem Film keine direkte Vorlage zugrunde. Dennoch ist er eine bessere Comic-Verfilmung, als es all jene sind, die direkt auf einer Vorlage beruhen.
HELLEVATOR ist einer der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe, besonders deshalb, weil zu keiner Zeit klar ist, was weiter geschehen wird, weil es keinen Helden gibt, der überleben MUSS. Obgleich eine Deutsche Synchronfassung vorliegt, sollte man es tunlichst vermeiden, sich diese anzutun, da schon die Sprechweise der handelnden Personen ein wesentlicher Bestandteil der Spannung dieses Films ist. – Und dieses völlig beknackte Cover der Deutschen DVD-Ausgabe sollte die Wahl zum miesesten Cover des Jahres gewinnen.

© Norbert Aichele

 

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