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Filmrezensionen Horror / Grusel

HELL
Thailand 2005
Regie: Tanit Jitnukul, Sathit Praditsarn, Teekayu Thamanitayakul
mit Nathawan Woravit, Bavoranrit Chantasakda, Punyapon Dhajsonk.
Farbe – 95 Minuten.

Hat irgend Jemand eine Vorstellung davon, wie die Hölle tatsächlich aussieht? Kein Autor, Filmemacher oder Comiczeichner könnte je das darstellen, was man sich unter dem Begriff Hölle wirklich vorzustellen hat. Ein Ort von entsetzlichen Grausamkeiten, absolut unheiliger Atmosphäre, eine Welt ohne Gesetze. Selbst die zügelloseste Phantasie muss vor den Pforten dieses Universums Halt machen. Es gibt keine Beschreibung für das, was dort geschieht. Und dann kommen ein paar Menschen und versuchen, ein Guckloch zu schaffen, anderen Menschen zu zeigen, was selbst die kühnste Vorstellungskraft nicht erfassen kann. Schaut man durch dieses Guckloch, so sieht das Ganze dann so aus:

Ein Filmteam gerät auf einer einsamen Landstrasse in einen Verkehrsunfall – und findet sich in der Hölle wieder. Der Satan höchst persönlich erklärt, dass sie nun über Jahrtausende Qualen erleiden müssten für die Sünden, die sie begangen haben. Aber er stellt fest, dass Drei von ihnen noch gar nicht dran waren. Sie dürften gar nicht hier sein. Dennoch werden sie alle an einen Ort von entsetzlichen Grausamkeiten geschickt, wo die Menschen auf übelste Art gefoltert werden. Merkwürdigerweise scheint Niemand so recht Notiz von ihnen zu nehmen, wodurch es ihnen gelingt, aus dieser Hölle zu fliehen. Sie rennen durch verödete Landstriche, auf der Suche nach einem Ort, von wo aus sie wieder geboren werden können. Sie treffen dabei immer wieder auf böse Kreaturen, die ihnen das Leben schwer machen. Drei von ihnen erreichen schließlich ihr Ziel.

Die eigentliche Hölle für den Zuschauer ist aber dieser Film. Sicher, den drei Regisseuren gelingen durchaus ein paar schreckliche Bilder, aber reicht das aus? Schon das Drehbuch ist eine glatte Null. Es ist die klassische 08/15-Story von ein paar Menschen, die in einer fremden Welt einen Ausgang suchen und dabei immer wieder von unbekannten Wesen verfolgt werden. Die Löcher des Drehbuchs sind so groß, dass man, in der Mitte stehend, die Ränder gar nicht sehen kann. Wieso schickt der Höllenfürst die drei Menschen, die gar nicht hier sein dürften, nicht gleich wieder zurück? Warum werden die Anderen an dem Ort der Qualen nicht gleich ihren Strafen zugeführt? Warum kümmert man sich erst um die Menschen als sie schon geflohen sind und schickt einen Suchtrupp los, obwohl der Satan doch angeblich allgegenwärtig ist? Warum müssen die Seelen, die zur Wiedergeburt anstehen, eine Pille (!) schlucken, damit ihre Vergangenheit ausgelöscht wird? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die Phantasie des Drehbuchs ist von geradezu sträflicher Einfältigkeit und erfüllt beinahe schon den Tatbestand der Körperverletzung.

Charaktere sucht man vergebens. Die handelnden Personen erfüllen lediglich gängige Klischees. Sie sind anwesend, das ist alles. Und obwohl es ein Film über die Hölle ist, in der man unendliche Seelen- und Körperqualen durchleiden muss, greift der Streifen nicht mal eine Sekunde lang emotional. Das Ganze läuft vor den Augen der Zuschauer als ein Bilderbogen ab, der einem letztlich egal ist. Und wenn er schon die Körperqualen der Menschen in der Hölle zeigen will, dann soll er das doch bitteschön auch tun. Ein solcher Film muss hart sein, brutal, Ekel erregend, Er muss den Zuschauer in jeder Hinsicht verstören können, sonst hat er sein Ziel verfehlt. Aber immer zeigt er alles nur am Rand oder er blendet rechtzeitig aus. Da bleibt dann Nichts hängen. Ein paar farbliche Verfremdungen bringen da auch keinen brauchbaren Effekt. Da waren selbst die drogenorientierten, psychedelischen Horrorfilme um die 70’er Wende weitaus eindrucksvoller.

Es gibt Themen, an denen sollte man sich niemals versuchen. Die Hölle ist ein Ort, an dem jede menschliche Phantasie scheitern muss. Dieser Film beweist einmal mehr diese Tatsache überdeutlich.

© Norbert Aichele

 

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