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Filmrezensionen Horror / Grusel

ROJO SANGRE
Spanien 2004
Regie: Christian Molina
mit Paul Naschy, Miguel del Arco, Bibiana Fernandez,
Guillermo Montesinos, Paco Al Gora.
Farbe – 86 Minuten.

Pablo Threnet führt inzwischen ein lausiges Leben. Der einstige Star des Kinos ist vergessen, seine Leistungen und Erfolge zählen nicht mehr. Sein Agent schustert ihm, wenn überhaupt, irgendwelche drittklassige Jobs zu. So verdingt er sich schließlich in einem Nachtclub, wo er als Statue bekannter vergangener Personen zu sehen ist. Er verkauft seine Seele an den Satan (der im Übrigen der Nachtclubbesitzer ist). Als eine weitere Filmhoffnung scheitert, wird er zum Mörder moderner Filmschaffender, indem er ihnen in seinen klassischen Kostümen gegenüber tritt.
Es gibt wohl einiges authentisches Material in der Story. Paul Naschy, einstiger Star und die große Ikone des spanischen Horrorfilms, ist mittlerweile wieder dick im Geschäft. Diesen Film schrieb er selbst. Das war vermutlich ein wichtiges Anliegen. Er kennt die Höhen und Tiefen der Filmwelt, hat selbst in den 90’er Jahren eine Durststrecke gehabt. Die grobe Story des Films ist klassisch, ein wenig abgekupfert von THEATRE OF BLOOD (1973) mit Vincent Price. Dessen Klasse im mimischen Spiel und in der entsprechenden Ironie der Rolle erreicht er zu keiner Phase. Aber das will er auch gar nicht. Naschy gehörte nie zu den wirklich guten Schauspielern. Seine charismatische und von Besessenheit geprägte Präsenz war und ist der ausschlaggebende Punkt für seinen Erfolg.
ROJO SANGRE ist vor allem in seiner ersten Hälfte interessant. Der Film wird ruhig aufgebaut, der Charakter des Pablo ausführlich gezeichnet. Gut herausgearbeitet ist der Frust des Mannes, der einst so gefeiert war. Die Verzweiflung und der akute Geldmangel treiben ihn in die Hände merkwürdiger Menschen und bringen ihn dazu, entwürdigende Sachen zu machen. Leider kommen in der zweiten Hälfte gewisse Plattheiten durch, die auf seine Erfahrungen als Schauspieler, Drehbuchautor und später auch Regisseur oft einfältiger Horrorfilme vor allem in den 70’er und 80’er Jahren zurück zu führen sind. Die Begrenztheit seiner Phantasie lässt den Film dann in kleine Episoden zerfallen, die meist unwichtig sind und nur dazu dienen, den Splattergehalt des Streifens zu erhöhen. Der etwas überraschende Schluss versöhnt dann wieder ein wenig.
Trotz seiner Schwächen ist ROJO SANGRE ein sehenswerter Film, weil er eben durchaus persönliche Bezüge aufweist. Für mich als Fan des Horrorfilms ist ein Paul Naschy-Film immer Pflicht, weil man sich vor diesem Mann eigentlich ständig verneigen muss. Wie kaum ein anderer Schaffender in diesem Genre liebt er das was er tut. Sein Einsatz (körperlich, geistig und selbst finanziell) für seine Filme, und seien sie noch so blöd, ist beinahe einzigartig. Und allein dafür schon gebührt ihm Respekt, so dass er niemals das Schicksal des Pablo Threnet teilen muss.

© Norbert Aichele

 

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