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Filmrezensionen Film-Historie

DIE GEBRÜDER SKLADANOWSKY

BRD 1995

Regie: Wim Wenders – mit Udo Kier, Nadine Büttner, Christoph Merg, Otto Kühnle, Bodo Lang, Rüdiger Vogler, Lucie Hürtgen-Skladanowsky

Schwarz-Weiss + Farbe – 76 Minuten.

DIE GEBRÜDER SKLADANOWSKYEigentlich kann man einen Film wie diesen keiner Kategorie zuordnen. Wer sich mit der Geschichte des Films, besonders den Anfängen, etwas auskennt, kann mit dem Namen Skladanowsky natürlich etwas anfangen.

Den Film erarbeitete Wim Wenders (eigentlich ein von mir gehasster Regisseur) über einen Zeitraum von drei Jahren mit Studenten der Münchener Filmhochschule. So setzt sich Stab und Besetzung auch nur aus diesen Leuten zusammen – ausser unser Hans-Dampf-In-Allen-Gassen Udo Kier, der seine Nase wohl bei jedem halbwegs interessanten Projekt hinein hält.

Gegliedert ist der Film in drei Teile. Zunächst erzählt er uns in klassischer Stummfilm-Art die Geschichte der Gebrüder Skladanowsky, die im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts nach einer neuen Jahrmarktsattraktion suchten und sich auf die Entwicklung bewegter Bilder konzentrierten. Sie erstellten Endlos-Bänder (nennen wir es mal so) und erweckten so die Illusion fortlaufender Bewegungen. Mit diesem Programm traten sie 1896 im Berliner Wintergarten auf und präsentierten der Welt Wochen vor den Gebrüdern Lumière die ersten bewegten Bilder. Der zweite Teil zeigt uns die letzte lebende Tochter aus der Familie, die von Wenders und den Studenten interviewt wird. Diese Begegnung macht dem Zuschauer vor allem bewusst, wie ungeheuer kreativ und experimentierfreudig diese einfachen Leute vor 100 Jahren waren. Im dritten Teil begegnen wir einem der Herren Skladanowsky und dessen Tochter aus dem Stummfilm wieder. Sie fahren mit einer Pferdekutsche durch das heutige Berlin. Diesen Teil finde ich persönlich am Schönsten. In ungeheuer poetischen Bildern zeigt der Film, wie Skladanowsky die heutige Welt erfährt und wie er sie wohl auch in seinen Filmen einfangen würde.

Der Film DIE GEBRÜDER SKLADANOWSKY ist die Liebe zum Kino pur. Für jemanden, der den Film in all seinen Facetten mag, ist es eine sehr emotionale Erfahrung, die sogar so weit führt, dass man sich hin und wieder eine kleine Träne aus dem Augenwinkel wischt. Ein wunderbares Kleinod, das lange nicht beachtet wurde und nun in einer DVD-Edition von ARTHAUS/KINOWELT vorliegt. Dieses Schmuckstück sollte in keiner Sammlung eines echten Kinoliebhabers fehlen.

© Norbert Aichele

 

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