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Filmrezensionen Fantasy

MINOTAUR
GB/BRD/Frankreich/Spanien/Italien/Luxemburg/USA 2005
Regie: Jonathan English
mit Tom Hardy, Michelle van der Water, Tony Todd, Lex Sharpnel, Rutger Hauer
Farbe – 88 Minuten

Warum spielen eigentlich so viele Filme in der letzten Zeit in unterirdischen Gängelabyrinthen? THE DESCENT, THE CAVE, oder eben auch MINOTAUR. Da gibt es noch mehr, aber das soll reichen. Ist es auf der Welt oberhalb der Erde nicht mehr gruselig genug – oder inzwischen durch Einholung der Realität zu gruselig? Klar, solche engen Gänge haben ihren Reiz. Man kann hier schnell eine klaustrophobische Atmosphäre erzeugen. Nur, es muss einem dann auch gelingen. In THE DESCENT gelang es hervorragend, in THE CAVE war es zumindest spannungserzeugend. In MINOTAUR?
Wenigstens versucht der Film einen anderen Weg zu gehen. Wenn man dem Produktionsjahr glauben schenken darf, geschah dies sogar vor den beiden vorher genannten Filmen. MINOTAUR versucht sich als Fantasyfilm im historischen Gewand. Man könnte es auch anders formulieren: Was macht man, wenn man kein Geld und keine Möglichkeiten hat? Man zieht ein paar Leuten einige Felle über, lasse sie langhaarige Perücken tragen und den Männern wilde Bärte wachsen. Fertig ist das archaische Aussehen. Damit lässt sich ein toller Fantasyfilm produzieren.
Wir befinden uns in einer fernen Vergangenheit. Da gibt es eine üble, gehörnte Kreatur, den Minotaurus. Natürlich gibt es auch den dazu gehörigen Kult, der dieser Bestie Menschenopfer darbringt. Von Zeit zu Zeit holen die Diener des Kultes junge Leute aus den umliegenden Dörfern, um sie in die Höhlenwelt des Minotaurus zu werfen. Diesmal hat der Hohepriester halt Pech gehabt. In der aktuellen Gruppe befindet sich ein Schafhirte, der zum Helden mutiert und den Minotaurus tötet. Ein goldenes Zeitalter ohne Menschenopfer beginnt. Yeah!!!
Ich fand den Film lustig. Aber eigentlich will er das gar nicht sein. Die Story gibt sich durch und durch ernst, aber ernst nehmen kann man das Ganze wirklich nicht. Beeindruckend wirkt das nur für Leute, die noch nie mit Fantasy- oder Horror-Spannungsfilmen Kontakt hatten. Da wird ein Klischee nach dem Anderen bedient, die Handlung ist vorhersehbar, als hätte man vor Beginn des Films das Drehbuch schon gelesen. Die Figurenzeichnungen sind geradezu kitschig, die filmische Bearbeitung ist bestenfalls Drittklassig. Solch alte Haudegen wie Tony Todd (gnadenloses Overacting) oder Rutger Hauer können da nur als verheizt angesehen werden. Die Darsteller (damit sind dann alle gemeint) werden zu keiner Zeit gefordert. Die Mädels müssen stets große Augen machen und Schreien, die Kerle tragen grimmige Gesichtsausdrücke zur Schau. Aus dem Höhlenlabyrinth holt der Regisseur mit seinem Kameramann gar nichts heraus. Spannung gleich null, weil man immer weiß, was hinter der nächsten Felsecke passiert. Das Ganze hätte auch auf einer sonnigen Sommerwiese spielen können. Die Trickeffekte (der Computer scheint heutzutage ein Allheilmittel zu sein) gehen in Ordnung, sind aber als solche immer erkennbar.
An sich würde ich von diesem Film abraten. Positiv anzumerken ist jedoch wie schon erwähnt: Der Film ist lustig. Er ist trotz aller Ernsthaftigkeit, die er sich gibt, überraschend leichtgewichtig und kurzweilig. Mit dem entsprechenden Einsatz von Knabberzeug und Getränken, sowie dem herausgenommenen Gehirn im Glaskasten neben sich, ist das Ding gut geeignet für einen anspruchslosen Videoabend.

© Norbert Aichele

 

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