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Filmrezensionen Fantasy - Astrópía - Hier gelten andere Regeln!

Gunnar B. Guðmundsson
Astrópía - Hier gelten andere Regeln!
Kvikmyndafélag Islands EHF. 2007, Anime Virtual S.A. 2008
Fantasy, Fans. Spieldauer: 93 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Drehbuch: Ottó Geir Borg, Jóhann Ævar Grímsson
Darsteller: Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir, Snorri Engilbertsson, Davíð Þór Jónsson u.a.

Hildur ist ein blondes Society-Girl, das außer vom Schminken und Lästern von nichts auch nur den Hauch einer Ahnung hat. Als ihr Freund Jolli wegen diverser Delikte ins Gefängnis kommt und Haus und Geld gepfändet werden, landet Hildur buchstäblich auf der Straße, denn keine ihrer »Freundinnen« will mehr etwas mit ihr zu tun haben - bis auf eine ganz normale Mutter, die das verwöhnte Mädchen bei sich aufnimmt. Dort muss Hildur erst einmal lernen, die Wohnung in Ordnung zu halten. Außerdem braucht sie einen Job. Den schon allein, weil ihr Freund immer wieder etwas anderes von ihr will: exklusive Zigaretten, spezielle Männerhefte, eine aufblasbare (und teure) Sexpuppe. Aber da Hildur noch nie so richtig gejobbt hat, fällt ihr die Suche schwer. Bis sie eines Tages in dem Comic-Laden Astrópía landet, weil sie dem Sohn ihrer Freundin ein Geschenk versprochen hat. Und dort wird eine Verkäuferin gesucht. Der Chef stellt sie auch tatsächlich ein und ist äußerst kulant gegenüber ihrer absoluten Unkenntnis bezüglich Fantasy, Science Fiction, Mangas, Animes und RPGs. Und obwohl völlig unfähig, verkauft die schöne Blondine an die überwiegend männliche Kundschaft mehr als ihre erfahrenden, aber nerdigen Kollegen. Als der Chef ihr anbietet, bei Tabletop-RPGs mitzumachen, tut sich ihr auf einmal eine völlig neue Welt auf: die Welt der Fantasie. Und die macht Spaß! Nur leider wird der Spaß getrübt durch Jolli, der zusammen mit anderen Häftlingen aus dem Gefängnis ausbricht und Hildur entführt. Aber es nahen schon ihr neuer Prinz Dagur und ihre neu gewonnenen Freunde, um sie aus den Klauen der bösen »Orks« zu befreien …

Sehr putzig, dieser Film. Auch wenn die ganzen Klischees gegenüber Fans der verschiedensten Sparten etwas (naja eigentlich schon stark) übertrieben sind. Klar gibt es weltfremde und schüchterne Nerds, aber das ist nicht unbedingt die Regel. Auch dass die Fans meist männlich sind, kann man mittlerweile getrost vergessen. Fantasy und Horror mögen Männlein und Weiblein gleichermaßen, ebenso Mangas und Animes. Nur der Comicsektor ist noch hauptsächlich männlich besetzt, aber das könnte sich auch ändern, wenn die absolut einseitigen Frauenbilder in den Comics, die eigentlich nur der männlichen Sexualfantasie dienen oder einfach nur berockt das Haus hüten müssen, endlich mal durch differenziertere Frauenfiguren ersetzt werden würden. Ähnliches gilt für die Männerfiguren, die für weibliche Leser nur bedingt ansprechend gestaltet sind. Aber das nur am Rande, zurück zu »Astrópía«. Obwohl: Auch hier wird zumindest ansatzweise Kritik an der männlichen Sicht auf weibliche Körper geübt. Zum einen durch Beta, ein Nerd-Girl, das sich darüber aufregt, dass die blonde Tusse an der Kasse von nix eine Ahnung hat, das den Männern aber offensichtlich egal ist. Zum anderen durch Hildur selbst, die sich weigert, das für sie ausgetüftelte Outfit für das RPG zu akzeptieren und verärgert darauf hinweist, dass das blöde Teil nur Männerfantasien befriedigt, aber den Wünschen einer Frau überhaupt nicht entgegenkommt. Daraufhin hat sie bei Beta einen wesentlich besseren Stand. Ganz davon abgesehen punktet der Film mit vielen An-spielungen auf die oben genannten Sparten und ihre Vertreter (Matrix, Raumschiff Enterprise, Star Wars, Herr der Ringe, Xenia, Ghost in the Shell u.v.m.) und die detailreichen Kenntnisse der Fans über ihre Genres. Außerdem ist der Film des Öfteren in Comic-Panels gehalten, und die RPG-Szenen, sowie die Rettung Hildurs zeigen Fantasy-Szenen, sodass der Film den Wechsel Realität-Fantasie auch formal unterstützt. Die Extras sind fett: Ein Booklett, das ein Tabletop-RPG erklärt, Download von bekannten Rollenspielen (DSA, Cthulhu, Shadowrun), Musikvideo, Original Trailer und Teaser, Making Of, nicht verwendete Szenen und Pannen beim Dreh usw.

Fazit: Plädoyer für Fantasie!

Bewertung:



© Ulrike Dansauer

 

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