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Filmrezensionen Drama - Inglourious Basterds

Quentin Tarantino
Inglourious Basterds
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Brad Pitt, Diane Kruger, Eli Roth, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Daniel Brühl, Samm Levine, Eli Roth, B.J. Novak, Til Schweiger
USA / Deutschland 2009
FSK: ab 16
Länge: 154 Minuten

Frankreich 1941: Judenjäger Oberst Landa agiert mit Hinterlist und falschem Charme, um Feinde des Deutschen Reiches ausfindig zu machen. Gleichzeitig erhält der amerikanische Lieutenant Aldo Raine den Auftrag, eine schlagkräftige Truppe zum Nazi-Killen zusammenzustellen. Während einer deutschen Filmpremiere in einem Pariser Kino kommt es zur gewalttätigen Konfrontation zwischen von Rache getriebenen Juden, blutdürstigen Nazi-Häschern und filmenthusiastischen SS-Offizieren.

So weit erst einmal die Zusammenfassung dieses 148-Minuten-Werks, dem sechsten Film von Quentin Tarantino. Vorab: Ich bin ein großer Tarantino-Fan. Reservoir Dogs, Pulp Fiction und bedingt Jackie Brown haben alles, was unterhaltsames Kino ausmacht. Als ich mir nun vor zwei Tagen in stiller Vorfreude »Inglourious Basterds« angeschaut hatte, blieb ich doch ein wenig ratlos zurück: Hatte ich tatsächlich einen Tarantino-Film gesehen? Ehrlich gesagt, wäre ich fast eingeschlafen. Kein Wunder, denn einen Film, der in zwei Sätzen zusammengefasst ist, zweieinhalb Stunden ansehen zu müssen, verleitet einen Kritiker, ihn als in die Länge gezogen zu bezeichnen, während Hardcore-Fans wohl eher von epischer Breite sprechen. Nun ja, da scheiden sich wohl die Geister, besonders an der Frage, ob Tarantino nun Trash oder Kult ist. Gemessen an der Propaganda, die jeden seiner Filme schon vor Erscheinen zum Kult macht und selbstverständlich zum Meisterwerk erhebt, scheint tatsächlich der Zweifel berechtigt, in diesem speziellen Fall wohl eher einem Werbegag aufgesessen zu sein.
Das Ansehen des Trailers hat bei mir die Alarmglocken läuten lassen. Ist es denn normalerweise nicht so, dass in der Vorschau immer das Beste zusammengeschnitten wird und man dann hinterher vom eigentlichen Film enttäuscht ist, weil man im Trailer schon alles gesehen hat? Bei »Inglourious Basterds« bekommt man einen platten, selbstherrlichen Brad Pitt serviert, der ein paar pseudo-coole Sprüche loslässt. Dann einige Explosionen. Fertig! Ich habe mich dennoch nicht irritieren lassen und Quentin – natürlich! – eine Chance gegeben. Denn bis auf seinen Ausrutscher »Death Proof« hat mich der Mann immer blendend unterhalten.
So ist denn auch nicht alles schlecht, was der Zuschauer geboten bekommt. Wir sehen einen großartigen Christoph Waltz (SS-Oberst Hans Landa), der nicht nur der Meister überspielter Heimtücke ist, sondern den Film trägt wie kein anderer seiner Berufskollegen. An sich freut man sich auf ihn, weil man seit der Eingangsszene weiß, dass er immer für eine Überraschung gut ist. Auch Daniel Brühl als Frederick Zoller überzeugt als schneidiger Soldat, gefeierter Heckenschütze und Ufa-Filmstar. Diane Krüger bringt als Doppelagentin und Filmikone Bridget von Hammersmark unzweifelhaft das Flair eines Gangsterboss-Liebchens aus James-Cagney-Zeiten herüber. Sehenswert! Mélanie Laurent als Jüdin Shosanna hat zwar nicht viel Gelegenheit, ihr Talent unter Beweis zu stellen, doch gelingen ihr zumindest zwei, drei ergreifende Gesichtszüge. Eine Eigenschaft, die nicht jeder Schauspieler in »Inglourious Basterds« vorzuweisen hat. Womit wir auch schon bei der Riege der Komplettausfälle wären.

Für Brad Pitt etwa hält das Drehbuch nichts bereit außer einigen drittklassigen Pennälersprüchen. Seine Figur gibt nichts her, was ihn auch nur annähernd interessant erscheinen lassen könnte. Ebenso blass wie Pitt erscheint da auch Eli Roth (Regisseur »Hostel«), der außer Halbstarken-Kommentaren nichts zu bieten hat und das europäische Bild vom einfältigen, selbstgefälligen Amerikaner unterstreicht. Der einzige Darsteller, dessen filmisches Alter-Ego in riesigen Lettern auf der Leinwand erscheint und der dennoch wirkt wie sein eigenes, ausgebleichtes Abziehbild, ist (mal wieder) Til Schweiger. Glücklicherweise darf er nicht viel reden, denn wenn er es trotzdem tut – quiekend und keifend –, dann wirkt das eher lächerlich, als dem Ernst der jeweiligen Situation angemessen. Deutschlands Top-Export ist allem Anschein nach bloß in der Lage, sich selber zu spielen: Bertie, den Manta-Fahrer. Und weil die Amerikaner das lange erkannt haben, darf er in ihren Filmen nicht oder nur wenig sprechen und dafür früh sterben.

Tarantino kreiert ein Weltkriegsszenario, in dem nicht der Krieg das zentrale Thema ist, sondern der Film. Hitler, Goebbels, SS- und Gestapo-Leute – alles sympathische Filmfreunde, immer zu Scherzen aufgelegt, Bier, Wein und Whisky trinkend, dabei fröhliche Kartenspiele spielend. Und so verwundert es am Ende auch nicht, dass der Film im Film schließlich verantwortlich zeichnet für die Lösung aller Konflikte. Es kommt sogar der Anflug von Spannung auf, untermalt von furiosen Gewaltattacken, die an drei oder vier Stellen die endlosen Dialoge von »Inglourious Basterds« unterbrechen beziehungsweise garnieren.
Der Extrem-Cineast Tarantino beendet den Zweiten Weltkrieg mit cineastischen Mitteln. Ob das nun genial oder grotesk ist – ungewöhnlich ist es allemal. Ebenso wie die Botschaft des Films, Unmenschlichkeit mit noch mehr Unmenschlichkeit zu bekämpfen. Denn wieder erleben wir lässige Amerikaner, die den Job in Sheriff-Manier erledigen und nicht müde werden, ihre hehre Moral zu verteidigen. Dabei werden die Köpfe von Deutschen mit Baseballschlägern zermatscht und von Jagdmessern skalpiert und gezeichnet. Hitler selbst wird – wie zur Unterstreichung der Ausrottung des Bösen – in mehreren aufeinander folgenden Einstellungen detailreich und blutig von Maschinengewehrgarben zersiebt. Davon mag jeder nun halten, was er will.
Gestern habe ich mir den Film ein zweites Mal angesehen – und siehe da: Mir sind diverse Feinheiten der Gespräche aufgefallen, die ich beim ersten Betrachten der DVD geflissentlich überhört hatte. Auch August Diehl als gemeingefährlicher Gestapo-Charmeur hat sich ins rechte Licht rücken können. Selbst die Szene mit dem »Louisanne«-Kartenspiel kam mir beim nochmaligen Anschauen nicht mehr so langatmig vor. Was allerdings auch beim zweiten Mal fehlte, war der ausufernde tarantinoeske Frauenfuß-Fetisch.

Fazit:
Hitler ist populär wie nie! Abgesehen von seiner Darstellung als Karikatur in unzähligen internationalen und deutschen Spielfilmen sowie die Adaptierung eines hitlertypischen Akzents, den sich Comedians heutzutage gerne zu eigen machen, kann Tarantino dem Thema keine neuen Aspekte abgewinnen und allenfalls das Augenmerk auf Kriegsnebenschauplätze lenken. Dort jedoch gelingen ihm einige wenige einprägsame Charaktere, eine latent mitreißende Handlung und zwingendermaßen akzentuierte Gewaltdarstellung. Jemandem, der der französischen Sprache nicht mächtig ist und ständig Untertitel lesen muss, wird einiges vom unbestrittenen Genuss der Dialogsequenzen geraubt.
Trotzdem wird Quentin Tarantino wohl der einzige Regisseur bleiben, der einen Kriegsfilm mit Italo-Western-Musik unterlegt …

© Bernd Tezeden

 

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