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Der rote VogelRegie: Gero Erhardt Produktion: NDF (Neue Deutsche Filmgesellschaft) Darsteller: Lisa Wolf, Constanze Engelbrecht, Friedrich von Thun, Hans Schenker u. a. Deutschland 1993 Laufzeit: ca. 309 Minuten Mit Bonusmaterial Die 19-jährige Abiturientin aus gutem Hause Sarah Maienstedt freut sich, dass sie die Klosterschule hinter sich hat. Sie bandelt mit dem Bruder ihrer Freundin, Markus, an. Dann aber verliebt sie sich in Erik Wylander, der neben dem Haus ihrer Eltern ein Hotel betreibt und Besitzer einer internationalen Hotelkette ist. Sie ahnt nicht, dass ihre Mutter Inge ihren Mann Konrad mit Erik betrügt. Aber auch Konrad betrügt seine Frau mit seiner zukünftigen Chefin. So wundert es nicht, dass es zur Katastrophe kommt, als Erik Inge seine Liebe zu Sarah gesteht. Inge wirft dieses Geständnis völlig aus der Bahn; sie wird immer verbitterter und labiler. Sarah bricht mit Erik. Sie ist jetzt wild entschlossen, Markus zu heiraten, um Erik zu vergessen. Aber das lässt Erik nicht zu. Dann kommt Inge auch noch hinter den Betrug ihres Mannes und die Familie gerät völlig aus den Fugen. Die Herz-Schmerz-Verfilmung, für die Autorin Sandra Paretti das Drehbuch schrieb, kam bei den ZDF-Zuschauern in den 90ern sehr gut an. Die Geschichte erinnert ein wenig an »Die Reifeprüfung« mit Dustin Hoffman: Eine verheiratete Frau lässt sich mit einem jungen Liebhaber ein, weil sie mit ihrer Ehe unzufrieden ist. Der Liebhaber verliebt sich in die Tochter und die Mutter versucht, die beiden zu trennen. Allerdings hat »Die Reifeprüfung« erheblich mehr Potential als die doch eher hölzern und übertrieben gespielte Verfilmung »Der rote Vogel«, die insgesamt doch zu sehr an eine Schmonzette erinnert. Dazu tragen die idyllischen Landschaftsaufnahmen, die dargestellte High Society, die schönen Farben und das Schema »älterer Mann verliebt sich in blutjunge Frau« bei. Denn Erik hat eher das Alter von Mutter Inge – und Inges Mann ist ein gutes Stück älter als seine Frau. Auf der anderen Seite kontrastieren die Farben und die Idylle die Zerrissenheit der Familie und der Gefühle. Insgesamt laufen die Figuren eher vor Problemen davon und sind unentschlossen, als dass sie sich Schwierigkeiten stellen. Darin liegt das Drama des Films. Das Motiv des Vogels durchzieht den Film immer wieder: Sarah will frei wie ein Vogel sein, stürzt aber zeitweilig ab, bevor sie wieder vorwärts fliegen kann. Warum der Vogel rot ist, bleibt Spekulationen überlassen; Rot ist die Farbe der Liebe, des Blutes, aber auch der Gefahr –all diese Komponenten kommen im Film zum Tragen. An Bonusmaterial bietet der Film eine Reportage zu Sandra Paretti, einen Nachruf auf die Schriftstellerin und ein Gespräch mit Lola Müthel, die die Mutter von Erik spielt. Insgesamt eher für Fans von Schmonzetten als für Liebhaber tiefgründiger Filme. Als Schmonzette aber in Ordnung.
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