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Filmrezensionen Drama - Der Leibwächter

Akira Kurosawa
Der Leibwächter
Originaltitel: Yojimbo
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa, Ryuzo Kikushima
Darsteller: Toshirô Mifune, Tatsuya Nakadai, Yôko Tsukasa, Isuzu Yamada, Daisuke Katô, Seizaburô Kawazu, Takashi Shimura, Hiroshi Tachikawa, Yosuke Natsuki, Eijirô Tono, Kamatari Fujiwara
Erscheinungsjahr: 1961
Produktionsland: Japan
Genres: Drama, Thriller
DVD, 106 Minuten

Es gibt Filme, die eine große Wirkungsgeschichte entfalteten und dennoch hierzulande eher unbekannt sind. Dazu zählt der von dem japanischen Regisseur Akira Kurosawa 1961 in schwarz-weiß gedreht Streifen »Yojimbo- Der Leibwächter«. Die Geschichte spielt im Japan des frühen 19. Jahrhunderts, als die mittelalterliche, feudale Ordnung der Gesellschaft zusammenbrach. Ein völlig verarmter Samurai, eigentlich nur noch ein Herumtreiber, kommt in eine kleine Stadt, in der sich zwei Geschäftsleute erbittert bekriegen. Beide Herren haben Schlägertrupps angeworben, mit denen sie die Stadt blutig terrorisieren. Der Schwertkämpfer sieht seine Chance, endlich an Geld zu gelangen und dient sich beiden Mächtigen zugleich als Leibwächter an. Er versucht, sie gegeneinander auszuspielen, um so seinen Profit zu machen. Doch er wird in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt ...

Fast jeder kennt diese Geschichte. Fast jeder hat sie bereits im Film gesehen. Doch nicht im Gewand eines Samuraifilms, sondern als Western: Der 1964 von Sergio Leone gedrehte Filmklassiker »Für eine Handvoll Dollars«, der den jungen Clint Eastwood zum Weltstar machte und die Reihe der sogenannten »Italo-Western« begründete, ist nichts anderes als ein Remake von Kurosawas Film. Fast eins zu eins folgt die Handlung der von »Yojimbo«.

Akira Kurosawa, 1910 in Tokio geboren, war der wohl bedeutendste Regisseur Japans. So drehte er 1950 das berühmte »Rashomon«, einen Film, in dem der Mord an einem Samurai und dessen schöner Frau hintereinander aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird und der Zuschauer hinsichtlich der Frage, was denn nun »wirklich« und »in Wahrheit« geschehen sei, mit vollkommen leeren Händen gelassen wird. Für »Kagemusha - Der Schatten des Kriegers« erhielt er 1980 die »Goldene Palme« von Cannes. Außerdem sei seine grandiose Aneignung von Shakespeares »King Lear« in dem Film »Ran« erwähnt.

1954 drehte Kurosawa den Film »Die sieben Samurai«, in dem arme Bauern, die von einer Banditenbande terrorisiert werden, sich den Beistand jener sieben Samurai einkaufen, die sich dann mit den Räubern ein gnadenloses Gefecht liefern. Der Titel des Hollywoodremakes von 1960 lautete »Die glorreichen Sieben«, und zu den Darstellern zählten unter anderem Yul Brynner, Steve McQueen und Charles Bronson. So liegen wichtige Ursprünge des modernen Westerns im japanischen Samuraifilm der fünfziger und sechziger Jahre.

Schaut man »Yojimbo« heute an, so muss man sich zunächst an die unvertraute Schwarz-Weiß-Ästhetik gewöhnen. Doch schon nach kurzer Zeit nimmt der Film den Zuschauer gefangen. Kurosawas Bildsprache scheint mir dramatischer als die von Sergio Leone. Und der Hauptdarsteller Toshiro Mifune spielt den von allen sozialen Banden entkleideten Samurai als eine Figur von großer Widersprüchlichkeit: Großzügigkeit und Gerechtigkeitssinn stehen unvermittelt neben Zynismus und extremer Brutalität. War in den klassischen Western, etwa mit John Wayne in der Hauptrolle, die Welt noch in Ordnung und übersichtlich in Schwarz und Weiß aufgeteilt, so gerät mit Kurosawa und den Italo-Western alles ins Zwielicht: Getötet wird nun nicht mehr, um das Böse zu besiegen, sondern als Mittel zum kommerziellen Zweck - und vielleicht auch ein klein wenig um der Gerechtigkeit willen. »Für eine Handvoll Dollar« spielt denn auch nicht mehr im Texas des amerikanischen Traumes, sondern in einem von Armut und der Willkür der Mächtigen verwüsteten Mexiko. Und die von Clint Eastwood verkörperte Figur ist nicht weniger in sich verschlossen und doppelgesichtig als Kurosawas zum Killer deklassierter Schwertkämpfer.

© Ullrich Wegerich

 

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