Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Filmrezensionen Komödie - ASTRÓPÍA


Filmrezensionen Komödie - ASTRÓPÍA

ASTRÓPÍA

Island 2007
Regie: Gunnar B. Gudmundsson
Buch: O. G. Borg und J. Grimsson
Darsteller: Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir (Hildur), Davíð Þór Jónsson (Jolli), Snorri Engilbertsson (Dagur), Halla Vilhjálmsdóttir (Beta)
Lauflänge: ca. 90 Minuten
FSK 12

Hildur und Jolli sind das Traumpaar der örtlichen Regenbogenpresse. Sie Society Girl, er Besitzer eines Autohauses. Doch plötzlich und unerwartet bricht Hildurs glamouröse Welt zusammen, als Jolli wegen krummer Geschäfte verhaftet wird und ins Gefängnis kommt.
Hildur, attraktiv und verwöhnt, steht plötzlich mittellos da, kann aber bei einer Freundin unterkommen, und begibt sich erstmals in ihrem Leben auf Jobsuche. Dabei landet sie ausgerechnet im Astropia, einem Comicshop und Refugium für Rollenspieler. Hildur hat keine Ahnung von dem, was sie dort verkaufen soll, aber allein ihre optische Erscheinung ist durchaus umsatzfördernd.
Quasi zur Fortbildung nimmt sie Goggi, der Besitzer des Ladens, mit zu seiner Rollenspielgruppe und plötzlich eröffnen sich für Hildur ganz neue Welten.
In der Fantasywelt wird sie zur Kämpferin und diese Erfahrungen helfen Hildur auch, Alltagssituationen besser zu bewältigen. Die ganzen Nerds wie Dagur, Beta, Flóki, Pési, Goggi und wie sie alle heißen, die täglich im Astropia abhängen, sei es als Kunden oder Angestellte und Hildur anfangs nur belächelt und nicht für voll genommen haben, stehen plötzlich als eine Einheit, als Gruppe, als Freunde zu ihr und wachsen über sich selbst hinaus, als Jolli mit anderen Häftlingen aus dem Gefängnis ausbricht und Hildur kidnappt.

Astropia ist ein Film, der einfach Spaß macht! Zwar kommt die Handlung anfangs nur recht zäh in Gang, doch mit Betreten des Comicladens ändert sich das schlagartig. Das Paradies für Nerds öffnet seine Pforten und als Zuschauer, sofern man der Phantastik zugetan ist, hat man allein schon seinen Spaß am Erkennen und Erraten der vielen genrespezifischen Zitate. Ob Star Trek, Star Wars, Der Herr der Ringe, Romancing The Stone, Eragon, Gormenghast, Jabberwocky, Peter Jackson, Joss Whedon, Grant Morrison, Mark Millar, Superman und Batman, selbst Pokémon findet seine Erwähnung, nichts und niemand wird ausgelassen oder verschont.
Gudmundsson gelingt mit seinem Debut etwas sehr Seltenes, nämlich eine intelligente Komödie, die die etwas anderen, zum Teil recht realitätsfremden Charaktere nicht einfach vorführt und verhöhnt, sondern fast schon liebevoll mit diesen und ihren Marotten und Unzulänglichkeiten umgeht. Natürlich soll und muss man lachen, wenn Flóki dem sechsjährigen Snorri den Exorzisten als Bildungsfilm empfiehlt, oder die Fanboys erstarren, als Hildur, quasi als ihre fleischgewordene Fantasie, den Laden betritt. Es ist einfach erfrischend, diesen hier unbekannten und unverbrauchten Schauspielern zuzuschauen, sie bei der Entwicklung ihrer Charaktere zu begleiten.
Ein interessantes Stilmittel, welches der Film einsetzt, ist die Wandlung einzelner Szenen in Comicpanels, welches im Verlauf des Films immer mal wieder zur Anwendung kommt. Gelungen ist auch der Wechsel, wenn die Personen, z.B. während des Rollenspiels, von der realen Welt in die der Phantasie eintreten.
Es bedarf dazu nicht immer teurer Spezialeffekte, um Illusionen glaubhaft wirken zu lassen, und die raue Landschaft Islands trägt ihr Übriges dazu bei.
Auch mit dem Soundtrack hat man sich viel Mühe gegeben, wurde er doch komplett vom Bulgarischen Symphonie Orchester eingespielt, welches sehr erfahren beim Thema Filmmusik ist.
Auf jeden Fall sollte man sich auch unbedingt das interessante Bonusmaterial der DVD anschauen, welches Aufschluss über die Dreharbeiten und das Casting gibt, aber auch wie die Schauspieler ihre Texte und das Kämpfen lernen. Auch gibt es einen ausführlichen Bericht über die Arbeit mit dem Symphonie Orchester.

Fazit:
Astropia ist ein Film für alle Fans des Phantastischen, der seine Charaktere liebt und wertschätzt und der eine tolle, leichtfüßige Komödie mit viel Liebe zum Detail darstellt, mit der Tendenz zum Kultstatus.

Copyright © 2011 by Stefan Bellack

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox