WOUND OF LIFE
Afghanistan 2006
Regie: Wali Oqab
mit Wali Oqab, Zuhal Azizi, Nasima Jalaal, Ghatar Qoibuar,
Hashmat Fanayi, Farooq Baraki, Miran Farhad.
Farbe – 120 Minuten
Qaies ist ein Auftragskiller. Als er eines Tages in eine Verfolgungsjagd mit der Polizei verwickelt wird, bei der seine Tochter mit ihm im Auto sitzt, beschließt er, seinen Job an den Nagel zu hängen, um sich und das Mädchen nicht in Gefahr zu bringen. Er verdingt sich wieder als Automechaniker. Sein ehemaliger Boss Sang Dej ist jedoch damit nicht einverstanden. Als Qaies sich selbst durch körperliche Gewalt nicht zur Umkehr bewegen lässt, tötet Sang Dej seine Tochter und seinen Großvater, die einzigen Menschen, die ihm nach dem frühen Tod seiner Frau noch geblieben sind. So geht er auf Rachefeldzug, tötet den Clan und schließlich Sang Dej selbst, bevor er von der Polizei auf der Flucht erschossen wird.
Das klingt für einen normalen Hollywood-Zuschauer aufregender, als es in Wirklichkeit ist. Wir haben es hier tatsächlich mit einem der ersten Actionthriller aus Afghanistan zu tun, einem Land, das seine Filmkultur erst langsam wieder entdeckt. Allerdings ist ein Streifen wie dieser nicht gerade dazu geeignet, ein Aushängeschild des Landes zu sein, weshalb Regisseur und Hauptdarsteller Wali Oqab praktisch alles allein gemacht hat. Geld gab es im Grunde überhaupt nicht. Der Film bewegt sich auf einem Level, das bei uns selbst einige Amateure inzwischen hinter sich gelassen haben. Ausgestattet mit einer Video-Handkamera und einer Riege von Laiendarstellern stürzt er sich und den Zuschauer in ein waghalsiges Abenteuer. Die finanzielle Seite erlaubt wenig, aber immerhin wird der Streifen mit einer ganzen Reihe harter Faustkämpfe und diversen Schiessereien garniert. Die extrem rührigen und arg zu dick aufgetragenen Momente der Emotionen verleihen der Sache zuweilen leider etwas Lächerliches. Die Darsteller, das filmische Handwerk, die Stunts und auch die oft aus diversen amerikanischen Filmen zusammen geklaute Musik bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau. Aber hey, wen juckt das schon. Hier wurde mit Mut und Entschlossenheit etwas geschaffen, was noch vor kurzer Zeit niemand für möglich gehalten hätte. Hier wird der Versuch gestartet, Unterhaltungskino zu machen, was angesichts der Lage in diesem Land nicht hoch genug anzurechnen ist.
Wohltuend ist auch, dass der Film Glaubensfragen völlig ausschließt und sich rein auf seine simple Actionhandlung konzentriert. Der Islam spielt, wenn man von der Kleidung absieht, und von der Tatsache, dass dies eine reine Männer-Veranstaltung ist, keine Rolle.
Obgleich ich den Film trotz seiner zum Teil enormen Schwächen mag, kann ich selbst hart gesottenen B-Film-Zuschauern diesen Streifen nicht unbedingt empfehlen, da der Film letztlich nach dem aussieht, was er gekostet hat: Nichts! Das Ding ist derzeit noch ein Unikum – aus einem Land, das einmal eine ähnliche Filmkultur hatte wie Indien, welche leider durch die politischen und gesellschaftlichen Exzesse zu Grunde gegangen ist.
Derzeit (und wahrscheinlich auch in Zukunft) ist der Film als DVD nur in afghanischen Shops zu bekommen. Das Ding hat sogar englische Untertitel, die allerdings hausgemacht und damit zuweilen haarsträubend sind.
© Norbert Aichele
|