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Gerdt von BassewitzPeterchens Mondfahrt Illustrationen: Firuz Askin Kinder, Hörspiel Eines Abends in einer schönen Vollmondnacht können Peterchen und seine Schwester Anneliese nicht einschlafen. Da entdeckt Peterchen einen Maikäfer, der größer ist als andere – und spricht! Der ängstliche Käfer fasst nach einigem Zögern Zutrauen zu den beiden Geschwistern und ist hoch erfreut, als Anneliese feststellt, dass er nur fünf anstatt sechs Beinchen hat. Dieses sechste Beinchen ist vor vielen, vielen Käfergenerationen mitsamt einem bösen Holzfäller und dem gefällte Baum, auf dem der Käfer gesessenen hat, durch einen Fluch der Nachtfee auf dem Mond gelandet. Der böse Holzfäller ist jetzt der Mann im Mond und das Beinchen der Maikäfersippe Sumsemann immer noch dort. Es kann nur zurückgeholt werden, wenn ein Sumsemann Kinder findet, die noch nie ein Tier gequält haben. Als der Käfer erfährt, dass die beiden Geschwister tierlieb sind und ihm helfen wollen, das Beinchen zurückzugewinnen, kann er sein Glück kaum fassen. Ab jetzt beginnt für die Reisegefährten ein spannendes Abenteuer, in dessen Verlauf sie nicht nur dem bösen Mann im Mond begegnen, sondern auch der Nachtfee, dem Sandmann, den Naturgeistern und den Sternkindern. Peterchens Mondfahrt ist ein Klassiker unter den Kindermärchen. Ursprünglich 1912 als Theaterstück aufgeführt, erschien das Märchen 1915 in Buchform. Das Hörspiel läuft bei Titania Medien unter den Specials und ist Special Nummer 4. Insgesamt ist das Hörspiel gelungen. Die Kinder hören sich zwar etwas gekünstelt an und der Erzähler klingt ein wenig unmotiviert, aber alle anderen Synchronsprecher liefern einen sehr guten Job. Bekannte Synchronsprecher wie Engelbert von Nordhausen (Stimme u.a. von Bill Cosby in der Bill Cosby Show) interpretieren das warmherzige Märchen. Der beigemischte Sound ist ebenfalls in Ordnung, das Cover passt wie eigentlich immer bei Titania Medien gut zum Inhalt. Gelungen an dem Märchen selbst ist neben seinen phantastischen Elementen, dass die Nacht und die Naturgewalten nicht als etwas Schauriges bzw. Schlimmes dargestellt werden, sondern als hilfsbereite und sehr individuell-liebenswert gestaltete Geister, ähnlich wie im Anime »Mein Nachbar Totoro«, in dem der Sturmgeist Totoro den beiden Mädchen hilft. Gelungen auch die Einstellung der beiden Kinder gegenüber Tieren: Viele Kinder quälen besonders gerne Insekten und reißen ihnen Flügel und Beine aus. Das wird hier aufgegriffen und die beiden Geschwister (weil tierlieb und gegenüber Tieren verantwortungsbewusst) als Vorbild dargestellt. Nicht so gut, allerdings auch zeitgeistbedingt: Die ewige und ununterbrochene Kontrolle bzw. Bespitzelung der Kinder durch die Sterne und den Sandmann und dadurch die Belohnung bzw. Bestrafung der guten und schlechten Taten durch den Weihnachtsmann.
© Ulrike Dansauer |