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Rezension - Nussknacker & Mausekönig

E.T.A. Hoffmann
Nussknacker & Mausekönig

Familienhörspiel, ca. 74 min
Titania Medien, November 2010
ISBN: 9783785743935
Preis: 6, 97 €

Marie Stahlbaum leidet unter einer regen Fantasie – jedenfalls sieht ihre Familie das so. Einzig ihr Pate Onkel Drosselmeier, der bei der Familie wegen seiner Leidenschaft für Automaten als wunderlicher Kerl gilt, versteht sie. Zu Weihnachten schenkt er ihr einen Nussknacker, den Marie sofort liebgewinnt. Leider spielt ihr Bruder Fritz mit dem Nussknacker so grob, dass dessen Kiefer bricht. Marie ist untröstlich und kann nicht einschlafen, weil sie sich Sorgen um ihr Spielzeug macht. Deshalb schleicht sie nachts zurück ins Wohnzimmer, um zu sehen, wie es ihm geht – und entdeckt, dass alle Spielzeuge lebendig geworden sind und sich gerade mitten in einem Gefecht mit dem Mausekönig und dessen Mutter Frau Mauserinks befinden. Marie hilft tatkräftig mit, die Mäuse zu vertreiben, erleidet dabei aber eine Verletzung, wegen der sie am nächsten Tag fiebert. Onkel Drosselmeier erzählt ihr als Trost die Geschichte des verwunschenen Nussknackers: Der wollte die verwöhnte Prinzessin Pirlipat retten, die Frau Mauserinks aus Wut über ihre ausgelöschte Sippe in eine Art Nussknacker verwandelt hat. Dabei wird er selbst zum Nussknacker, der nur durch die Liebe eines Mädchens erlöst werden kann. Marie nimmt sich vor, dem armen Nussknacker zu helfen.

Das Hörspiel ist von den Sprechern her prominent und auch gut besetzt. Für die richtige Stimmung sorgen Stücke von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, die durch Hoffmanns Erzählung inspiriert wurden. Auch das Cover ist gelungen, selbst wenn eine der Hauptfiguren, Marie, nicht abgebildet ist: Es zeigt gut die Bedrängnis des Nussknackers durch die Mäuse, die auch in der Geschichte dargestellt ist. Die Erzählung selbst ist gekürzt und kindgerecht gestaltet worden, aber dabei sind auch viele (z.T. symbolträchtige) Elemente weggefallen (z.B. die Fahrt Maries ins Puppenreich, der Mausekönig als siebenköpfiges Ungeheuer) oder neu hinzugekommen (z.B. Frau Mauserinks Überleben). Außerdem gibt es Logikfehler: Es ist z.B. ist nicht nachvollziehbar, wieso Marie so viel Blut durch einen Mausebiss verloren haben soll. Im Original schneidet sie sich an Glasscherben. Insgesamt lassen die Kürzungen die Geschichte eher langweilig erscheinen, weil an spannender Handlung gekürzt oder umgestaltet wurde, v.a., wenn man das Original vor Augen hat. Schön herausgearbeitet ist aber immer noch der Mut/die Selbstständigkeit Maries und deren Fantasie, beides entweder für ein Mädchen dieser Zeit nicht typisch oder nicht erwünscht (O-Ton Mutter: »Fantasie ist ungesund!«). Denn ebenfalls noch gut erkennbar im Stück sind die Rollenklischees und die militärische Erziehung (und Bevorzugung) der Jungen schon im Kindesalter.

Es gibt eine Geschichte in der Geschichte: Drosselmeiers Erzählung, wie der Nussknacker verflucht wurde. Drosselmeier mit seiner Begeisterung für Automaten erinnert auch ein wenig an eine weitere Erzählung Hoffmanns: Der Sandmann mit dem Automaten Olimpia. Im Original ist die Erzählung vom Nussknacker auch weit unheimlicher als die Version des Hörspiels.

Fazit:
Schönes Hörspiel für Kinder, das dem Original aber nicht gerecht wird, da zu viel weggelassen oder verharmlost wurde.

Bewertung:



Copyright © 2011 by Ulrike Dansauer

 

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