H.P. Lovecraft
H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens, Folge 6
Jäger der Finsternis – Horrorgeschichten von H.P. Lovecraft
Gelesen von David Nathan
Titelgestaltung von Grafeting GmbH
Horror, Düstere Phantastik
LPL Records, Nidda, Oktober 2008
4 Audio-CDs, 310 Minuten, 25,95 €
ISBN: 9783785732960
6 weitere Geschichten vom Meister der surrealen Horror-Geschichte: H.P. Lovecraft.
Die Musik des Erich Zann
Ein junger Mann macht in dem Haus, in dem er wohnt, die Bekanntschaft mit dem stummen Musiker Erich Zann, dessen Geigenmusik in der Lage ist das namenlose Grauen hinter den Mauern der Stadt zu beschwören ...
In der Gruft
Ein Totengräber wird eines Nachts versehentlich in der Gruft eingeschlossen, in der ein kürzlich verstorbener Mann beigesetzt wurde, dem finstere Machenschaften nachgesagt werden. Für den Bestatter beginnt die grauenhafteste Nacht seines gesamten Lebens.
Das Bild im Haus
Ein Reisender macht auf seiner Studienreise durch Neu-England in einem alten, scheinbar verlassenen Herrenhaus Rast. In der Bibliothek findet er ein altes Buch über eine Expedition in den Kongo, mit schauerlichen Darstellungen kannibalischer Riten. Dumpfe Schritte reißen den einsamen Mann aus seinen Betrachtungen. Offenbar ist das Haus doch nicht unbewohnt und der alte Mann, der sich zu dem Reisenden gesellt ist äußerst gastfreundlich. Doch er hütet ein dunkles Geheimnis ...
Der Tempel
August 1917
Karl-Heinrich, Graf von Altberg-Ehrenstein, Korvettenkapitän der kaiserlichen deutschen Marine, und die Besatzung des U-Bootes U-29 machen nach der Torpedierung eines englischen Kriegsschiffes eine grauenhafte Entdeckung. Beim Auftauchen finden sie auf dem Außendeck einen Leichnam, der für allerlei abergläubische Gerüchte sorgt. Denn als er über Bord geworfen wird, meinen einige Matrosen gesehen zu haben, wie die Leiche Schwimmbewegungen gemacht habe. Allerdings ist dies erst der Beginn einer Kette unerklärlicher, schauerlicher Ereignisse, die die deutschen Soldaten an Rand des Wahnsinns treibt.
Jäger der Finsternis
Der seltsame Todesfall des Schriftstellers Robert Blake stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Offensichtlich ist er durch einen starken Stromschlag zu Tode gekommen, obwohl das Arbeitszimmer, in dem er gefunden wurde, unversehrt geblieben ist. Ist sein Tod mit der sonderbaren Obsession verknüpft, die Blake in den letzten Wochen an den Tag gelegt und die mit der düsteren Kirche zu tun hat, die schon seit Jahren nicht mehr für christliche Messen genutzt wird? Das Tagebuch des Schriftstellers soll Aufschluss bringen, doch was darin zu lesen steht, zeugt von Irrsinn und einem unerklärlichen, kosmischen Grauen ...
Träume im Hexenhaus
Der Student Walther Gilman hat sich bewusst in dem Haus der Hexe Kesaya Mason einquartiert, um herauszufinden, ob an dem abergläubischen Gerede der Menschen etwas dran ist, die behaupten, dass die Hexe und ihr Begleiter Brown Jenkin, ein rattengleiches Wesen, immer noch darin spuken. Kurz nach seinem Einzug plagen ihn wirre, surreale Träume, bis hin dazu, dass er schlafwandelt. Als Gilman erkennt, dass die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, ist es bereits zu spät ...
Howard Phillips Lovecraft zählt zu den Wegbereitern der modernen Horror-Literatur und sein Cthulhu-Mythos ist mittlerweile legendär. Das vorliegende Hörbuch vereint sechs Kurzgeschichten und Erzählungen, in denen der namenlose Schrecken und das kriechende Chaos im Vordergrund stehen. Düstere Begebenheiten und die Relikte einer untergegangenen Zivilisation, die blutdurstigen Götzen huldigte, sind ebenso Thema, wie finstere schwarzmagische Rituale. Der Wahnsinn als zentrales Element einer alternativen Welt hinter der Realität ist ein wiederkehrendes Motiv in den Geschichten, wie beispielsweise in der Story über Die Musik des Erich Zann. Bitterböse und nicht ohne schwarzen Humor hat Lovecraft die Erlebnisse eines Totengräbers In der Gruft geschildert, dessen Pointe durch die düsteren Klänge von Andy Matern hervorgehoben wird. David Nathan spielt seine erzählerische Kunst in Das Bild im Haus voll aus und entführt den Hörer in die bizarre Welt finsterer Kulte. Die letzte Reise eines deutschen U-Bootes im Ersten Weltkrieg wird in Der Tempel behandelt. Auch hier zeigt Nathan in der Rolle des deutschen Kommandanten seine Vielseitigkeit. Zackig und schneidig verkörpert er Karl-Heinrich, Graf von Altberg-Ehrenstein. Ein deutscher Soldat, der ganz dem gängigen amerikanischen Klischee der damaligen Zeit entsprechen dürfte. Der bizarre Todesfall eines Schriftstellers, der dem Jäger der Finsternis auf die Spur gekommen ist, sorgt für jede Menge Gänsehaut. Die Erzählung findet sich übrigens in diversen Anthologien unter dem Titel Der leuchtende Trapezoeder. Die umfangreiche Erzählung ist von einer düsteren, morbiden Atmosphäre durchzogen, die aber nicht frei von Längen ist, was vor allen Dingen an dem von Lovecraft so geliebten dokumentatorischen Stil liegen mag. Das ist auch die Krux der sechsten und längsten Geschichte, Träume im Hexenhaus, die jedoch mit äußerst originellen Ideen aufwartet. Die Hexe Kesaya Mason, alias Nahab, und ihr rattenähnlicher Begleiter Brown Jenkin, sind von so skurriler Wesensart, dass sie dem Hörer unweigerlich im Gedächtnis haften bleiben. David Nathan erweist sich auch dieses Mal als der ultimative Interpret des kosmischen Grauens, das Lovecraft in seinen Geschichten zum unheiligen Leben erweckt hat. Offenbar direkt dem Hirn des geistlosen Dämonen-Sultan Azatoth entsprungen.
Die äußere Gestaltung des Hörbuchs ist so minimalistisch wie eindringlich. Die Infos in dem aufklappbaren Digipak beschränken sich jedoch auf das Nötigste.
Fazit:
Schaurig-schön und unheimlich atmosphärisch. Fabelhaft erzählt von David Nathan, dem man selbst dann gerne zuhört, wenn die Geschichten einmal mehr an dem pseudodokumentatorischen Stil des Autors hängen zu bleiben drohen.
Copyright © 2012 by Florian Hilleberg |