Lucy Maud Montgomery
Anne in Kingsport (Folge 9-12)
Illustrationen: Firuz Askin
Mädchen, Hörspiel
Titania Medien, Leverkusen, März 2009,
Audio-CDs, 60-70 Minuten
Preis: je 8,95 Euro
ISBN: 9783785738191 (9), 9783785738207 (10), 9783785738214 (11), 9783785738221 (12)
www.titania-medien.de
Inhalt Folge 9:
Da Anne bald wegzieht, um in Kingsport zu studieren, unterhalten sich Anne und Diana über alte Zeiten, über die Veränderungen in Avonlea und über den Traumprinzen. Anne gesteht sich ihre Gefühle für Gilbert nicht ein und träumt lieber von Romantik. Nach einem tränenreichen Abschied kommt Anne in Kingsport an und wird von ihrer alten Freundin Priscilla erwartet. Priscilla vertreibt den Abschiedsschmerz Annes schnell, indem sie sie in Kingsport herumführt. Bei einem dieser Erkundungsgänge lernen die beiden Philippa Gordon kennen, ein nettes, aber unglaublich unschlüssiges Mädchen. Die drei können sich auf Anhieb gut leiden. Außerdem entdecken sie ein hübsches Häuschen in der Prachtstraße Kingsports, in das sie sich sofort verlieben.
Inhalt Folge 10:
Zurück auf Green Gables wird Anne herzlich empfangen. Aber all ihre Träume von einem romantischen Heiratsantrag zerplatzen, als Billy ganz pragmatisch und unromantisch um ihre Hand anhält. Aber Anne erfährt auch, dass sie das Literaturstipendium erhalten hat, dass ihr ein weiteres Jahr in Kingsport sichert. Währenddessen wird die Beziehung zwischen Anne und Gilbert enger. Charlie Sloane macht ihr ebenfalls einen Heiratsantrag – leider fast genauso unromantisch wie Billy. Da Anne und Priscilla nicht weiter in der strengen Pension leben wollen, suchen sie ein Haus, das sie mieten können. Nach längerer Suche stehen sie vor Patty’s Haus, das ihnen schon von Anfang an gut gefallen hat. Nach einem Gespräch mit den beiden älteren Besitzerinnen ist man sich schnell einig und Anne und ihre Freundinnen Priscilla, Stella und Philippa ziehen zusammen mit Stellas Tante ein. Die Sommerferien verbringt Anne wieder in Green Gables, wo sie erfährt, dass Ruby an Schwindsucht leidet. Als Ruby stirbt, macht sie sich Gedanken über den Himmel und die Kirche. Außerdem verfasst Anne wieder eine Erzählung, die sie Zeitungen anbietet. Aber alle Zeitungen lehnen ihre Geschichte ab. Dafür gewinnt sie mit ihrer Erzählung den ersten Preis von Rowlings Backpulver, was sie persönlich aber als Schande empfindet, denn ihre Geschichte endet als Werbung für Rowlings Backpulver.
Inhalt Folge 11:
Als Anne eines Tages auf dem Heimweg zu Patty’s Haus ist, folgt ihr ein räudiger Straßenkater. Anne will ihn loswerden, aber selbst eine Tötungsaktion ist nicht erfolgreich. Also behalten die Mädchen den Kater und nennen ihn Rusty. Als Anne Weihnachten auf Green Gables verbringt, erfährt sie, dass Dianas Tante Josephine Barry gestorben ist und ihr viel Geld hinterlassen hat. Mit diesem Geld kann sie in Kingsport zu Ende studieren. Als auch Gilbert ihr einen Heiratsantrag macht, ist Anne ganz erschüttert und lehnt ihn ab. Sie erkennt endgültig, dass Fiktion und Realität ganz verschiedene Welten sind. Als Anne ihre Ferien bei Philippa verbringt, gehen sie auf Annes Wunsch zu dem Haus und dem Grab ihrer Eltern. Außerdem erkennt sie, dass Gilbert ihr fehlt, denn nach dem Heiratsantrag meidet Gilbert sie. Aber, oh Glück, Anne findet ihren Traumprinzen in Gestalt von Roy. Nur: Leider hat Roy so gar keinen Humor.
Inhalt Folge 12:
Dianas Hochzeit mit Fred steht an, und Anne wird Dianas Brautjungfer sein. Leider ist Gilbert der Brautführer. Aber es wird nicht so schlimm wie befürchtet, im Gegenteil, Anne und Gilbert sprechen wieder miteinander. Als Anne eine ihrer Freundinnen im Nachbarort als Lehrerin vertreten soll, zieht sie bei Janet Sweet ein. Janet erzählt ihr, dass sie schon 20 Jahre in John verliebt sei, er ihr aber immer noch keinen Heiratsantrag gemacht habe. Als Johns Mutter stirbt, erfahren Janet und Anne, dass seine Mutter Schuld an diesem Dilemma hatte, denn John musste ihr versprechen, erst nach ihrem Tod zu heiraten. Endlich kann er Janet einen Heiratsantrag machen. Auch Anne bekommt wieder einen Heiratsantrag – gewohnt unromantisch. Nachdem ihre Pleite mit ihrer Erzählung nun schon eine Weile zurückliegt, denkt Anne wieder übers Schreiben nach. Und siehe da, weil sie die Verbesserungsvorschläge ihrer Freunde diesmal beherzigt hat, nimmt eine Zeitung ihre Geschichte. Außerdem wird es jetzt für Anne ernst, denn Roys Familie kündigt sich für einen Besuch in Patty’s Haus an. Der Besuch verläuft allerdings wenig erfreulich. Dafür bietet man Anne einen Direktorenposten in Windy Willows an. Und Roy macht ihr einen Heiratsantrag, genau so, wie Anne ihn sich immer vorgestellt hat. Aber: Sie findet ihn dann doch zu perfekt und lehnt ab. Wieder in Green Gables erfährt sie zwei Dinge: Diana wird Mutter und Gilbert ist schwer krank. Da endlich gesteht sich Anne ihre Gefühle für ihren Jungendfreund ein. Aber jetzt ist vielleicht schon zu spät …
Was schon in den Vorgängerfolgen »Anne auf Green Gables« und »Anne in Avonlea« aufgefallen ist, wiederholt sich auch hier: Gerade die Stimme von Anne wirkt ziemlich gekünstelt und die Betonungen sind zu stark ausgeprägt. Ansonsten ist das Hörspiel aber wirklich hörenswert und die Musik passt wunderbar zur Geschichte, ebenso die Cover, die Szenen aus der Geschichte gut einfangen. Was Anne nicht nur als Hörspiel meiner Meinung nach so hörens- bzw. als Buchausgabe lesenswert macht: Trotz der optimistischen Art Annes und trotz vieler glücklicher Fügungen in ihrem Leben wird sie immer wieder mit Schicksalsschlägen konfrontiert: Das harte Leben als Waisenkind, der Tod ihres geliebten Mathews, der Tod ihrer Freundin Ruby, die Konfrontationen Fantasie – Wirklichkeit z. B. in ihrer Schriftstellerkarriere und ihren Erwartungen an einen Traummann – all das zeigt Realitätssinn, aber auch Lösungswege, wenn man die Probleme entschlossen anpackt. Was die Geschichte auch zeigt, ist, wie schwierig es Frauen zur damaligen Zeit hatten und mit welchen Vorurteilen sie kämpfen mussten, wenn sie aus den Rollenklischees ausbrechen wollten. Ein Beispiel dafür ist Annes Wunsch zu studieren und der Widerstand, auf den sie teilweise stößt. Rachel Lynn (selbst eine Frau!) merkt an, dass sie nicht glaube, dass Gott das Herumreisen von Mädchen gewollt hätte. Gilbert (ein Mann!) tröstet Anne mit dem Satz »Gib den Leuten Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass auch Frauen studieren!« Wenn Anne mit Stolpersteinen in ihrer Schriftstellerkarriere kämpft, verarbeitet L.M. Montgomery wohl selbst Erfahrungen, die sie als Schriftstellerin gemacht hat. Dazu gehören die Ablehnungen durch Zeitungen, aber auch der gut gemeinte und praktisch orientierte Rat von Annes Freunden, doch Figuren zu verwenden, die nicht so abgehoben, sondern aus dem Leben gegriffen sind.
Fazit:
Hörenswert!
© Ulrike Dansauer |