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Julian GloagAls ob nichts geschehen wäre Our Mother’s House, England 1963 Aus dem Englischen von Anja Hegemann Titelfoto von Olaf Kreutzenbeck Thriller, Hörbuch In einem alten viktorianischen Haus in England leben sieben Kinder mit ihrer kranken Mutter, nur unterstützt durch eine neugierige Nachbarin. Eines Tages stirbt die Mutter und die Kinder begraben sie bei Nacht und Nebel im Garten. In einem kleinen Schuppen errichten sie einen kleinen Tempel für die Verstorbene und bitten in ihrem Namen die Haushälterin zunächst nicht wiederzukommen. Entrüstet verlässt die Nachbarin das Anwesen und die Kinder leben weiter, so als ob nichts geschehen wäre. »Als ob nichts geschehen wäre« gehört zu dem neuen Label »Audoba« in dem der Sprecher, Jens Wawrczeck, ältere, in Vergessenheit geratene, Werke der Literatur als Hörbuch neu auflegt. Der Roman wurde 1963 von Julian Gloag unter dem Titel »Our Mother’s House« geschrieben und 1967 verfilmt. Derzeit ist das Buch lediglich in Antiquariaten oder auf Flohmärkten zu finden. Zu unrecht, wie man nach dem Hören dieser Lauscherlounge-Produktion weiß. Jens Wawrczeck legt sein Peter Shaw-Image aus der Hörspielserie DIE DREI FRAGEZEICHEN endgültig ab und erweckt das beklemmende Kammerspiel zu düsterem Leben. Ob als Kinderstimme, oder als gönnerhafter Vaterersatz, Wawrczeck bleibt immer glaubhaft und authentisch in der Interpretation der unterschiedlichen Charaktere. Fulminant auch sein Auftritt als neugierige Nachbarin und selbsternannte Haushälterin. »Als ob nichts geschehen wäre« ist keine reine Lesung, sondern ein One-man-Hörspiel, in dem der Sprecher zum Schluss auch sein Gesangstalent eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Geschichte unterteilt sich in mehrere Kapitel, entsprechend den Jahreszeiten, die die Kinder ohne den Beistand der kranken Mutter verbringen müssen. Julian Gloag schuf eine unheimliche, beängstigende Geschichte, in der sich sieben Kinder allein in der Welt der Erwachsenen behaupten müssen. Die Story erreicht eine Intensität, die an Klassiker wie »Der Herr der Fliegen« erinnert. Besonders schaurig wurden dabei die Szenen im »Tempel der Mutter« beschrieben, die von Jens Wawrczeck kongenial dargestellt wurden. Trotz des übersichtlichen Schauplatzes wird die leicht gekürzte Lesung, die immerhin noch 480 Minuten dauert, nie langweilig. Zu eindringlich und packend schildert Gloag die Ereignisse um die sieben Kinder, die in ihren Persönlichkeiten unterschiedlich weit entwickelt sind und erst in der Gemeinschaft alle Ängste und Befürchtungen bewältigen können. Die Naivität mit der die jungen Menschen ihren Alltag meistern birgt eine ungeheure Faszination und doch ist das Durchsetzungsvermögen der Kinder gegen die Welt der Erwachsenen von erschreckender Kompromisslosigkeit geprägt. Am Ende singt Jens Wawrczeck das Lied »Sleepy Baby«, das perfekt zu der Atmosphäre der Geschichte passt und einen stimmigen Abschluss des Hörvergnügens bildet. Die 6 CDs stecken in einem schön gestalteten Digipack, dass beim Aufklappen eine Aufnahme der Verfilmung aus dem Jahre 1967 zeigt. Des Weiteren findet der interessierte Hörer ein Vorwort des Sprechers zu dessen Intention, weshalb er ausgerechnet diese Geschichte vertont hat. Das gibt der Ausstattung eine persönliche, besondere Note. Das Cover-Foto ist zunächst eher nichtssagend, sollte aber vom Erwerb dieses akustischen Meisterwerkes nicht abhalten. Fazit: © Florian Hilleberg |