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Rezension - Alice im Wunderland

Lewis Caroll
Alice im Wunderland
Familienhörspiel, ca. 72 min
Titania Medien, März 2010
ISBN: 9783785742754
€ 8, 99

Verrückt, verrückter, Alice im Wunderland – seit Generationen verzaubert die Geschichte von Lewis Caroll Jung und Alt. Titania Medien hat ein schönes Hörspiel herausgebracht, das den Charme und die Fantasie der Vorlage aus dem Jahr 1865 einfängt.

Eines Tages entdeckt Alice ein weißes Kaninchen mit einer Uhr, das gehetzt durch den Garten läuft. Neugierig geworden folgt das Mädchen dem sprechenden Nager und fällt in einen Kaninchenbau. Ab da ist nichts mehr so, wie Alice es gewohnt ist: Eine philosophische Raupe, ein verrückter Hutmacher, eine Grinsekatze und eine Herzkönigin, die am liebsten »Runter mit dem Kopf!« ruft, stellen Alices Weltbild völlig auf den Kopf. Denn im Wunderland herrscht nicht die Logik, sondern die Verrücktheit.

Und diese Verrücktheit beginnt schon mit dem Erzähler, der munter mit Alice während der Handlung quatscht. Interessant: Er redet nur mit Alice und anderen Figuren, die aus der realen Welt stammen - und nicht mit den Bewohnern des Wunderlandes. Aber das wäre ja logisch gewesen, und da man im Wunderland mit Logik (und Benimmregeln) überhaupt nicht weiterkommt, wie Alice feststellt, ist auch diese Verrücktheit nur folgerichtig. Alice, eigentlich nicht mit Fantasie begabt, muss mit einem Übermaß an gerade solcher zurechtkommen. Davon etwas befremdet, aber immer kindlich neugierig findet sie sich allmählich in dieser Traumwelt immer besser zurecht. Auch Träume sind schließlich nicht logisch. Damit ist die Geschichte eine Empfehlung für die Fantasie und gegen die engen Regeln der Erwachsenenwelt, in die Kinder möglichst schnell hineinwachsen sollen. Aber die Grenze zwischen Fantasie und Realität ist auch nach dem Erwachen nicht eindeutig – Alice hört das weiße Kaninchen wieder durch den Garten rennen. »Alice im Wunderland« ist eine Art Vorläufer der heutigen Fantasy (und weist schon insgesamt die Merkmale der Phantastik auf): Gerade bei den Geschichten von Wolfgang und Heike Hohlbein bricht das Phantastische in die reale Welt ein und zieht den Helden oder die Heldin in eine Fantasywelt. Bei Alice ist es das weiße Kaninchen, das das Mädchen in das Wunderland lockt. An Verfilmungen ist für Kinder wohl die bekannteste die gleichnamige Animeverfilmung aus dem Jahr 1983. Hier flieht die fantasiebegabte Alice immer wieder durch Tagträume ins Wunderland. Die neueste Verfilmung von 2010 erzählt die Geschichte fort. Alice ist hier schon erwachsen und der verrückte Hutmacher leider viel zu logisch. Das Hörspiel dagegen hält sich eng an die Vorlage. Synchro und Hintergrundsound sind in Ordnung. Viele Sprecher sind bekannt; so spricht z.B. Regina Lemnitz (Stimme von Whoopi Goldberg) die Herzkönigin. Das Cover fängt die Geschichte gut ein.

Bewertung:



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