Oscar Wilde, Marc Gruppe
Gruselkabinett 50
Das Gespenst von Canterville
Illustration: Firuz Askin
Horror, Hörspiel
Lübbe / Titania Medien, März 2011
1 Audio-CD, ca. 73 Minuten
Preis: 8,99 €
ISBN: 9783785744703
Man kann es kaum glauben, doch in der Reihe Gruselkabinett von Titania Medien erschien kürzlich das fünfzigste Hörspiel. Es ist klar, dass Stephan Bosenius und Marc Gruppe dafür eine besondere Geschichte auswählten, nämlich Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde, die im Grunde genommen in keiner Sammlung von Gespenstergeschichten fehlt.
Diese berühmte Geschichte handelt von der amerikanischen Familie Otis, die sich in England im Jahr 1900 ein Schloss kauft. Dabei handelt es sich um das berüchtigte Schloss Canterville, in dem es spuken soll. Der darin herumwandelnde Geist hat bereits frühere Bewohner in den Wahnsinn oder sogar in den Tod getrieben. Allerdings hat es das Gespenst auch noch nie mit Materialisten aus den USA zu tun gehabt.
Oscar Wilde liefert mit seiner Erzählung eine wunderbare Satire auf die US-amerikanische Kultur sowie eine überaus witzige Parodie auf so manche Gruselgeschichte. Die schwungvolle Handlung lädt dazu ein, sie immer wieder einmal gerne zur Hand zu nehmen.
Leider aber gehen der Witz sowie die schwungvollen Elemente der Geschichte bei der Umsetzung verloren. Das Hörspiel wirkt stellenweise hölzern, um nicht zu sagen trocken. Von dem Spaß, den sich Oscar Wilde erlaubte, bleibt nur wenig übrig. Dies führt dazu, dass Hörer, welche die Geschichte nicht kennen, mit dem Witz kaum etwas anfangen können, da diesem das nötige Etwas fehlt. Ein weiteres Problem ergibt sich aus den Stimmen von Jimmy und Timmy, den beiden Jungen, welche das Gespenst schier zur Verzweiflung bringen. Die Stimmen der beiden wirken keineswegs frech, sondern viel zu hell und klar. Man kommt sich stellenweise vor wie in einem Hörspiel für Kleinkinder. Dem Anliegen Wildes wird dies keineswegs gerecht.
Was wiederum genial ist, sind die Geräusche. Der Rest jedoch kann diesmal nicht überzeugen. Das ist natürlich schade. Denn bei einer Jubiläums-CD hätte man sich mehr erwartet. In diesem Sinne wäre es aber besser gewesen, mit den vorhandenen Sprechern ein Kinderhörspiel zu produzieren. Stephan Bosenius und Marc Gruppe hätten es diesmal eindeutig besser machen können. Da hilft auch nicht Gaststar Gudrun Landgrebe.
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