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Edith Wharton, Marc GruppeGruselkabinett 47 Verhext Illustration: Firuz Askin Horror, Hörspiel Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefährlichen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihren Mann Saul Rutledge, hat man seit Längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen ...? Edith Wharton (1862-1937) kennen manche Leser wahrscheinlich eher durch ihre leicht ironischen Gesellschaftsromane. 1921 ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, hinderte dies sie jedoch nicht daran, sich auch unheimlichen Themen zuzuwenden. Ein Beispiel dafür ist ihre Kurzgeschichte »Bewitched«, die nun von Marc Gruppe und Stephan Bosenius in ihre Reihe Gruselkabinett aufgenommen wurde. Die Handlung spielt in New England im Jahre 1890. Mitten im Winter bittet Prudence Rutledge ihre Nachbarn Bosworth, Hidden und Brand in ihr Haus, um ihnen ein eigenartiges Geheimnis mitzuteilen. Ihr Mann, der sich seit längerer Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigt, leidet unter einer mysteriösen Krankheit. Mrs. Rutledge bittet ihre Gäste um Hilfe in diesem Fall. Doch zugleich offenbart sie dadurch einen grotesken Skandal, in dem einer ihrer Gäste indirekt verwickelt ist. Das Hörspiel »Verhext« verdient die Bezeichnung »atmosphärisch« allemal. Von Anfang an gelingt es Marc Gruppe, eine extrem dichte Atmosphäre aufzubauen, die noch dazu von Minute zu Minute an Stärke gewinnt. Als Horrorfan glaubt man natürlich, gewisse Handlungen bereits vorhersehen zu können. Nicht so bei diesem Stück. Vorzüglich gelingt es, den Hörer an der Nase (oder besser an den Ohren) herumzuführen. So liefert das Hörspiel überraschende Wendungen, die zudem die Geschichte von Mal zu Mal bizarrer erscheinen lassen. Unweigerlich beginnt man schließlich, mitzurätseln, was denn nun die eigentliche Lösung des Falles sein könnte. Marc Gruppe und Stephan Bosenius aber lassen sich keineswegs in ihre Karten sehen. Bis zum Schluss steigert sich dadurch die Spannung, sodass man bis zum Ende mitfiebert. Wie immer gelungen ist hierbei die Geräuschkulisse, welche die Geschichte wunderbar untermalt. Das ständige Heulen des Windes im Hintergrund sorgt für die geeignete, gespenstische Stimmung. Auch die Sprecher sind wie immer erstklassig und lassen nichts zu wünschen übrig. Alles in allem also ein sehr gutes Hörspiel. Copyright © 2010 by Max Pechmann |