Alfred Wallon
Geistertanz
Western, Hardcover
Persimplex Verlag, März 2008
201 Seiten/ 22,60 €
ISBN: 9783940528100
Als neue Religion nannten die Weißen den Geistertanz. Ihren Eroberungszug gegen die Indianerstämme beobachteten sie deshalb mit Angst und Missfallen. Um den Weißen aus dem Weg zu gehen, zogen die Indianer in die Badlands und an andere Orte.
Die Weißen im Westen gerieten in Panik, als der Geistertanz von immer mehr Stämmen aufgegriffen wurde. Sie vertraten die Auffassung, die Indianer würden einen Kriegstanz aufführen und einen Aufstand vorbereiten. Die Regierung in Washington, die auf die Ausbildung und Integration der Stämme hinarbeitete, wollte den Tänzen ein Ende setzen. Ziel war es, zuerst die Anführer zu isolieren. Jene, welche die Sitten und Bräuche der Indianer kannten, rieten umsonst, dass es sich beim Geistertanz um eine religiöse Bewegung handelte. Wenn man diese nicht bekämpft, würde sie wieder vergehen.
Die Geistertanz-Bewegung endete mit dem Massaker von Wounded Knee in South Dakota.
»Sie glaubten fest, es wäre ihr Messias, der im Schlaf zu ihnen kam
und die Wiederkunft der großen Herden für sich in Anspruch nahm.
Nach dem Geistertanz bebte in der Tat die Erde.
Kurz donnerten Kanonen und Hotchkiss-Gewehre.
Das Hemd des Erlösers sei kugelfest - sagten sie.
Und sahen, wie im Feuer der Soldaten zerschossen ward die Utopie ...
Ein Kampf fand statt, Mann gegen Mann, und kein Signal warnt vor der Falle,
ein Sioux nach dem anderen fiel - die 7. tötete sie alle.« |
Aus W.H. Prather: »The Indian Ghost Dance and War« |
Das Massaker am Wounded Knee am 29. Dezember 1890 gehört zu den tragischsten Ereignissen während der Verfolgung und Unterwerfung der Indianerstämme unter die Gesetze des weißen Mannes. War es letztendlich auch ein Vergeltungsschlag für die erlittene Schmach am Little Big Horn am 25. Juni 1876.
Der Autor Alfred Wallon stellt in »Geistertanz« erneut unter Beweis, dass er ein Kenner und Verfechter indianischer Geschichte und Tradition ist. Brillant und glaubhaft schildert er in literarischer Form, wie sich die dramatischen Ereignisse auf den Plains von South Dakota zugetragen haben. Die Protagonisten, allen voran Big Foot und Sitting Bull, werden zum Leben erweckt. Durch ihr Agieren wird der Leser bildhaft in die Zeit der Geistertanz-Beschwörung zurückversetzt. Und nicht nur das: Er erlebt auch hautnah, mit welcher Raffinesse und Skrupellosigkeit Indianeragenten in den Reservaten gegen die Indianer vorgehen und sich persönlich bereichern; unter dem Motto »Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer«. Egal, wie er stirbt, ob durch eine Kugel, durch Krankheiten oder durch Hunger.
Mit dem Scout Matt Devlin fügt der Autor eine Persönlichkeit ein, die stellvertretend für viele Ungenannte ist, die einerseits den amerikanischen Gesetzen unterliegen, sich aber auch gegen diese bis zu einem gewissen Grade auflehnen und sich für die Belange der Indianer einsetzen. Obwohl Alfred Wallon diesen Protagonisten in seinem Nachwort als »fiktive Figur« bezeichnet, ist sie es für meine Begriffe nicht.
Auch Aspekte der »Indianerpolizei«, im Roman die »Metal Breasts« unter Führung von Henry Bull Head, runden den Gesamtüberblick der Story ab.
Fazit:
Mit »Geistertanz« ist auf dem Buchmarkt ein weiterer Roman erschienen, der eine historisch anschauliche und spannende Geschichte um die Ereignisse der Schlacht am Wounded Knee Creek beinhaltet.
Mitreißend, flüssig, empfehlenswert!
© Wolfgang Brandt
|