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Rezension - Voyeur

Simon Beckett
Voyeur

Thriller, Taschenbuch
Rowohlt Verlag, Reinbeck, April 2010
381 Seiten/ 9,95 €
ISBN: 9783499249174

Donald Ramsey ist Kunsthändler. Sein Leben scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen, bis er eines Tages ungewollter Beobachter seiner Assistentin Anna Palmer wird, als die sich in seinem Büro umzieht. Donald sieht in Anna ein körperliches Kunstwerk, welches er ab diesem Moment besitzen möchte. Doch da ist noch Annas Freund Marty, den er zuvor aus dem Weg räumen muss.
Um Anna näher zu kommen, engagiert Donald einen Bekannten, den Dressman und Lebemann Zeppo. Seine Aufgabe ist es, Anna und Marty auseinander zu bringen, indem er Anna verführen soll. Als dies nicht so ohne Weiteres gelingt, gehen Donald und Zeppo auch über Leichen …

Nach »Obsession« und »Flammenbrut« liegt mit »Voyeur« nun das dritte Frühwerk des Autors Simon Beckett vor. Mehr noch, »Voyeur« ist der erste Roman, den Beckett geschrieben hat.
Die Handlung an sich ist in dieser Form für einen normal denkenden Menschen nur schwer nachvollziehbar. Zwar deuten Träume darauf hin, woher Donalds Perversion rührt, doch alles scheint zu überzogen. Nur der Titel verrät wiederum eine gewisse Realitätsnähe, denn Voyeurismus ist keine Erfindung des Autors.
Der Roman lebt von den Dialogen und vor allem von den Gedanken des Hauptprotagonisten und Ich-Erzählers Donald Ramsey. Ich bin kein Freund von Romanen in der Ich-Form, doch in diesem Fall gab es wohl gar keine andere Möglichkeit, um sich in Donalds Tun und Denken hineinversetzen zu können. Dieses Mitfühlen, auch wenn man selten mit seinem Tun einverstanden sein kann, ließ mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Seite für Seite wartete ich, was nun als nächstes kommt, wie die Personen reagieren, was Donald plant, um zu seinem Ziel zu gelangen.
Am interessantesten fand ich dabei jedes Mal das Aufeinandertreffen von Donald und Zeppo. Auf der einen Seite der verklemmt erscheinende ältere Herr, über dessen Phantasien zunächst nur Bruchstücke offenbart werden, auf der anderen der Gigolo, der kein Blatt vor den Mund nimmt und mit deutlichen und zum Teil derben Worten der Wahrheit ins Auge sieht. Diese unverblümte Offenheit machte mir Zeppo letztendlich sympathischer als Donald, denn bei ihm wusste ich jederzeit, woran ich bin.
Donalds Tun und Denken nachzuvollziehen, fiel mir wesentlich schwerer. Insgesamt waren aber die Charakterisierungen der Personen die größte Stärke dieses Romans, denn darin war diese unsägliche Spannung verborgen. Simon Beckett beschreibt alle Figuren in ihrem Handeln, doch die Motive bleiben anfangs hintergründig oder werden sogar nur angedeutet. So konnte ich mir während der Lektüre selbst Gedanken machen, warum Annas Mutter so vereinnahmend ist, warum Martys Vater derart verbittert erscheint und Anna so derart vertrauensselig ist.

Der Roman basiert auf einem Traum des Autors, die Handlung selbst auf den Träumen von Donald Ramsey. Auch wenn am Ende klar wird, warum ihm diese Träume so sehr zusetzen, konnte ich kein Stück Sympathie für Donald aufbringen, wie es sich Simon Beckett im Vorwort von seinen Lesern erhofft. Allein die Scheinheiligkeit, die Donald an den Tag legte, war mir zuwider. Ich hoffte bis zum Schluss, dass er für seine Taten einstehen muss. Hat sich meine Hoffnung erfüllt? Das werde ich an dieser Stelle nicht preisgeben, um diese fast schon unerträgliche Spannung, die vor allem zwischen den Zeilen zu lesen ist, keinem der Leser zu nehmen.

Fazit:
Alles in allem ist Simon Beckett mit Voyeur wieder ein überaus spannender und psychologisch tiefgründiger Roman gelungen, dessen Charaktere zu überzeugen wissen. Lediglich das Thema präsentierte sich mir an einigen Stellen sehr überzogen, weil ich es nicht nachvollziehen konnte. Doch insgesamt machen diese beiden Komponenten den Roman wohl erst wieder zu einem Psychothriller der Extraklasse.

Bewertung:



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