Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Taschenbücher anderer Autoren / Romanhelden Thriller - Tiere


Rezension - Tiere

Simon Beckett
Tiere
Animals, London, 1995
Aus dem Englischen von Andree Hesse
Titelgestaltung von PEPPERZAK BRAND

Thriller, Taschenbuch
Rowohlt Verlag, Hamburg, Februar 2011
288 Seiten / 9,99 €
ISBN: 9783499249150

Nigel wohnt seit dem Tod seiner Eltern in dem stillgelegten Pub, den sein Vater zu Lebzeiten betrieben hat. Obwohl er von schlichtem Gemüt ist, arbeitet er tagsüber in einem Büro, wo er fürs Kopieren und Kaffeekochen zuständig ist. Seine Freizeit verbringt er mit Comics, Zeichentrickfilmen und der Versorgung seiner Tiere, die er im Keller gefangen hält. Als sich seine Kolleginnen Cheryl und Karen an einem Feiertag einladen, um Nigel in seinem Pub zu besuchen, ist dieser völlig aus dem Häuschen, denn heimlich schwärmt er für die attraktive Cheryl. Als die beiden Frauen dann mit Karens Freund Pete erscheinen, ist Nigel schon weniger erfreut. Nigel weiß, dass er unter allen Umständen verhindern muss, dass sein Besuch die Tiere im Keller zu Gesicht bekommt ...

Simon Beckett ist einer von Englands erfolgreichsten, zeitgenössischen Krimiautoren. Allein durch seine Romane um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter erlangte Beckett internationalen Ruhm. Doch auch seine Einzelromane stehen immer wieder auf den Bestsellerlisten. Tiere macht dabei keine Ausnahme und ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Buch. Es ist Becketts zweiter Roman und laut seinem Vorwort, sein bösester. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Geschichte aus der Sicht des Täters geschildert wird, der sich selbst keiner Schuld bewusst ist. Gerade die kindliche Naivität von Nigel macht ihn auf eine gewisse Art und Weise sympathisch. Und wenn sich Karens Freund Pete auf seine Kosten lustig macht, erwacht beim Leser unweigerlich der Beschützerinstinkt. Umgekehrt verhält es sich, wenn Nigel seine Tiere im Keller quält. In Rückblenden und Erinnerungsschleifen erfährt man nach und nach mehr über Nigels Kindheit. Der Roman lebt weniger durch die vorhersehbare Handlung, als vielmehr durch die eindringliche Charakterisierung des Protagonisten. Allerdings ist es auch nicht zu verhehlen, dass Tiere ein vergleichsweise harmloses Buch ist, das kaum Höhepunkte zu bieten hat. Der Leser schaut 280 Seiten lang dem debilen Nigel gezwungenermaßen über die Schulter und muss sich dementsprechend auch mit Belanglosigkeiten und Handlungstiefen auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz ist Tiere ein unterhaltsamer Roman, aber gewiss kein ausgefeilter Thriller mit überraschenden Wendungen.

Die Aufmachung des Romans orientiert sich an den vorherigen deutschen Veröffentlichungen des Autors. Minimalistisch und wirkungsvoll, denn an dem blutroten, reißerischen Titel kann man kaum vorübergehen, ohne nicht mindestens einen Blick auf den Klappentext zu werfen.

Fazit:
Weniger Thriller als vielmehr fesselnde Charakterstudie eines zurückgebliebenen Psychopathen. Eher harmlos und very british!

Copyright © 2011 by Florian Hilleberg

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox