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David MichaelsTom Clancy’s Splinter Cell: Schachmatt Originaltitel: Splinter Cell: Checkmate Übersetzung: Andreas Kasprzak Thriller, Taschenbuch Sam Fisher ist ein »Splinter Cell«, eine Splitterzelle. Er ist Agent für den »Third Echelon«, jene Unterabteilung des NSA, die immer dann Geheimeinsätze auf eigenem oder fremdem Terrain übernimmt, wenn es für andere US-Einrichtungen wie die CIA oder FBI zu heikel wird. Die Agenten von »Third Echelon« sind autarke Einsatzkräfte, die sich im Namen der Regierung in Fragen der nationalen und internationalen Sicherheit Zugang zu geheimen Informationen beschaffen und verdächtige Personen in ihrer »natürlichen Umgebung« beschatten oder verhören. Dafür stehen den Spionen viele interessante Agentenspielzeuge und Waffen zur Verfügung, zum Beispiel ein Trident-Sichtgerät mit EM- und Infrarotsicht, der ultrabelastbare Gleitschirm »Habicht« und das Handheld-GPS-Karten-Gerät OPSAT. Außerdem wird Sam Fisher unterstützt von einem Team von anderen Mitarbeitern seiner Organisation, zum Beispiel von seinem Vorgesetzen Colonel Irving Lambert und der IT-Expertin Grimsdottir, die ihm oft während der Einsätze über Funk zugeschaltet sind, und auch der Pilot Redding, der die hubschrauberartige Osprey, ein Luftfahrzeug, mit dem man sich unter dem Radar bewegen kann, fliegt, ist des Öfteren mit von der Partie. Sam Fisher ist als Agent ständig im Einsatz. Kaum hat er vor der amerikanischen Ostküste einen liberianischen Frachter gestoppt, an dessen Bord sich außer einer kleinen Rumpfmannschaft nur ein ganzer Haufen radioaktiven Materials befindet, überschlagen sich die Ereignisse. Denn das Schiff und die gerade noch so eben abgewendete Strahlenkatastrophe, wenn es auf die Küste aufgetroffen wäre, waren erst der Anfang, wie ein Strahlenanschlag auf ein mexikanisches Dorf mit über 5.000 Einwohnern – bald 5.000 Toten – beweist. Fest steht: Irgendjemand will offenbar mit der Supermacht Amerika einen Krieg anfangen. Bald schon finden sich erste Hinweise auf die Hintermänner. Der Frachter kam gar nicht aus Liberia, das verstrahlte Material stellt sich als radioaktiver Abfall aus Tschernobyl heraus, und ein fieser Computervirus versucht dem »Third Echelon« zuzusetzen. Sam Fisher spürt den verwertbaren Hinweisen nach – und alles deutet darauf hin, das die Iraner einen Krieg mit den USA vom Zaun brechen wollen! Fisher und sein Team reisen im Eiltempo um die ganze Welt, um den wirklichen Drahtzieher hinter den Ereignissen dingfest zu machen. Ihr Weg führt sie dabei zu einer Marinewerft in Virginia, nach Dubai ins Super-Hotel Burj al Arab, in die senegalesische Hauptstadt Dakar in Westafrika, Hongkong, Tschernobyl, China, Katar und Iran. An all diesen Orten muss Sam Fisher infiltrieren, verhören, Beweise sammeln und Tathergänge rekonstruieren, immer auf der Suche nach dem nächsten Puzzleteil, das ihm den Weg zu seinem nächsten Einsatzort aufzeigt. Schon bald stellt sich heraus, dass eine geheimnisvolle Macht hinter allem zu stecken scheint, die mit einer Verwirrtaktik nicht nur Fisher und »Third Echelon« an der Nase herumführt ... »Schachmatt« ist dabei das perfekte Musterbeispiel eines Romans auf der Grundlage eines Action-Games: Fast das gesamte Buch über schleicht und klettert Sam Fisher an mal mehr und mal weniger exotischen Orten herum, muss aus dem Hintergrund angreifen, unbemerkt Informationen beschaffen, notfalls töten, um unerkannt wieder flüchten zu können. Nichts anderes macht der Spieler bei »Splinter Cell« an der Konsole oder dem PC auch. Das ist, was man als Zocker kennt, und was man bei einer entsprechenden Romanumsetzung lesen möchte. David Michaels – wer auch immer sich hinter diesem Pseudonym verbergen mag – rast dabei mit einer Geschwindigkeit durch die eigentlich recht dünne Handlung, dass es für den Action-Liebhaber einer wahre Freude ist. Die Schauplätze, an denen Fisher taucht, klettert und schießt, sind teilweise sehr exotisch und bieten eine paranoische Atmosphäre. Als Beispiele seien hier nur genannt die Klettertour im 300 Meter hohen, offenen Aufzugschacht im Burj al Arab, oder das Probensammeln von radioaktivem Material in unmittelbarer Nähe zu Tschernobyl und den dortigen verstrahlten Geisterstädten (Wer auf Letzteres steht, dem möchte ich an dieser Stelle auch die »S.T.A.L.K.E.R.-Romane, ebenfalls zu der gleichnamigen Spiele-Reihe, auch erschienen bei Panini, wärmstens ans Herz legen). Zum Tempo im Roman trägt neben den rasanten und spannenden Einsätzen Fishers auch formal die hohe Anzahl an Kapiteln bei. Auf knapp 400 Seiten verteilen sich insgesamt etwa 60 Kapitel. Da kann man sich leicht ausrechnen, wie knapp die einzelnen Abschnitte in etwa gehalten sind. Daraus resultiert aber auch, dass es viele Seiten gibt, die nur halb beschrieben sind. So liest sich »Schachmatt« deutlich schneller aus, als man es von dem Roman mit solchem Seitenumfang erwartet hätte. Dies ist allerdings nicht als Nachteil zu werten, denn wie bereits erwähnt, ist das Erzähltempo durchweg erstaunlich und erfreulich hoch. Wie es bei den meisten Umsetzungen von Games in Romanform so ist, bleiben die handelnden Charaktere, wie oft auch in der Vorlage, ziemlich blass. Von Fisher erfährt man nur in einem Halbsatz, dass er eine Tochter hat (etwas, das im neuesten Spiel »Conviction« von Wichtigkeit sein wird), und er darf ein wenig mit einer ukrainischen Informantin flirten. Auch die anderen wenigen Personen – selbst die Bösewichter und Gegenspieler – bleiben so oberflächlich und farblos, wie es nur geht. Das ist etwas schade, bietet sich doch gerade die Romanform dazu an, etwas mehr zu den Charakteren selbst, ihren Gedanken und Motivationen zu erzählen. Eine Chance, die bei diesem »Splinter Cell«-Roman eindeutig verpasst wurde. Auch bei den Recherchen zu den einzelnen Spielorten hätte – zumindest für mich nachvollziehbar an einer Stelle – ein bisschen mehr Sorgfalt dem Text gut getan. Zufälligerweise habe ich selbst etwa einen Monat in der senegalischen Hauptstadt Dakar zugebracht, und die Stadt versinkt keinesfalls, wie David Michaels es uns weismachen will, im regenwaldartigen Dschungel. Die westafrikanische Stadt ist umgeben von Steppen- und Buschland, das nur selten von einigen tropischen Wäldern unterbrochen wird, welche klimatisch bedingt erst im südlichen Senegal beginnen. Als exotischer Schauplatz mit einer Mischung aus arabischer und westlicher Architektur taugt Dakar aber allemal. Nur muss man dem Autor wohl nicht alles glauben, was er von den jeweiligen Spielorten zu wissen meint.
© Sascha Vennemann |