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Rezension - Tom Clancy’s Splinter Cell: Fallout

David Michaels
Tom Clancy’s Splinter Cell: Fallout
Originaltitel: Splinter Cell: Fallout
Übersetzung: Andreas Kasprzak

Thriller, Taschenbuch
Panini Books, Nettetal, November 2009
368 Seiten / 9,95 €
ISBN: 9783833219276

Nach seinem letzten Einsatz (»Schachmatt«, siehe Rezension hier beim Geisterspiegel) ist Sam Fisher, die Splitterzelle des »Third Echelon«, zurück in den USA und bildet sich fort. Auch wenn der autonom für die US-Regierung operierende Agent schon viel Felderfahrung hat, so ist er doch bisher immer verdeckt unterwegs gewesen und musste nicht am helllichten Tag, unter den aufmerksamen Augen der Öffentlichkeit, Übergaben oder Beschattungen durchführen. Aber auch für diese Aufgabe scheint der Mann wie geschaffen zu sein, was seine Ausbilder bald feststellen dürfen. Jäh wird Fisher von seiner Fortbildung zurückgerufen, als man seinen Adoptivbruder Peter, der als Ermittler fürs Justizministerium arbeitet, halbtot aufgefunden wird. Eine Untersuchung ergibt, dass der Mann an einer Plutoniumhybrid-19-Überdosis leitet und ihm keine Chance auf ein Überleben bleibt. Leider gibt es nur wenige Hinweise darauf, wer hinter der ganzen Sache stecken könnte. Eine Möglichkeit wäre eine Verbindung zu einer seltsamen Begebenheit in Kirgisistan, wo der Rebellenführer Bolot Omurbai nach der Vortäuschung seines eigenen Todes plötzlich wieder bei seinen ehemaligen Verbündeten auftaucht, die sich im Gebirge verschanzen und in seinem Namen weitergekämpft haben. Er kündigt mit seiner Rückkehr eine Offensive gegen die Vormundschaft der westlichen Welt an und spricht von einer quasi apokalyptischen Geißel, die das Dasein auf der Erde für immer verändern wird.
Mithilfe seiner Kollegen Anna Grimsdottir und Colonel Lambert macht sich Sam auf die Suche nach den Verantwortlichen für Peters Tod. In Kanada kommt er dabei auf die Spur des Menschenschmugglers Aldric Legard, der die Wissenschaftlerin Carmen Price entführt haben soll. Auch Peter war im Auftrag des Vaters des Mädchens, einem einflussreichen Öl-Magnaten, hinter dem Mitglied der Québec-Mafia her. Fisher wird bei der Infiltrierung dessen Anwesens fündig: Ein Schiff mit Kurs auf Halifax, an Bord ein entführter Teilchenphysiker namens Calvin Steward, ist nur wenige Stunden zuvor ausgelaufen. Wie es aussieht, wurde er aus demselben Grund entführt wie die Wissenschaftlerin. Fisher kann auf das Boot gelangen und Steward als verdeckten Ermittler gewinnen, der fortan einen Peilsender mit sich führt. Weiter geht die Verfolgung nach Neu-Schottland, wo es an der Küste – welch Zufall! – eine beinahe ausschließlich von Kirgisen bewohnte Siedlung namens Klein-Bischkek gibt. Viel deutet darauf hin, dass Omurbai hier seinen vermeintlichen »Tod« ausgesessen hat. Immer tiefer bewegt sich der Agent in den undurchdringlichen Verschwörungssumpf, in dem die kirgisischen Rebellen, aber auch die Nordkoreaner - ihres Zeichens erklärte Feinde der US-Regierung – eine zerstörerische Intrige planen. Dabei operiert er zusätzlich noch auf einer Bohrinsel vor Neufundland, im kenianischen Dschungel und in Nordkorea. Er stößt dabei auf ein Jahrzehnte altes Geheimnis, das vergessen wurde und das der kirgisische Rebellenführer für sich entdeckt hat. Omurbai hat nämlich einen Weg gefunden, wie er dem Westen das entreißen kann, was für ihn am wichtigsten ist: Öl.

Mit »Fallout« erscheint der 2007 in den USA herausgebrachte »Splinter Cell«-Roman in der deutschen Übersetzung bei Panini Books. Anders als sein Vorgänger »Schachmatt«, der auf viele verschiedene Schauplätze und schnelle Action wert legte, schaltet »Fallout« einen erfreulichen Gang zurück. Die Handlungsorte werden jetzt ausführlicher beschrieben, Sams Aktionen detaillierter abgehandelt, und es kommt ein wenig mehr Ruhe in die gesamte Geschichte.
Die Handlung des Bandes ist komplexer als die seines Vorgängers, ohne dabei einen gewissen Faktor von »James Bond«-artiger Übertreibung vermissen zu lassen. Überhaupt scheint sich Autor David Michaels noch einmal extra viel Mühe gegeben zu haben, Sam Fisher als lebendige Figur dazustellen. So gibt es ein paar schöne, wenn auch kurze Kapitel, die sich mit Sam und seinem Adoptivbruder sowie ihrer Beziehung auseinandersetzt. Auch sein Zuhause in Germantown, Maryland, das der Agent nur in den seltensten Fällen zu sehen bekommt, wird dem Leser gezeigt. Viel öfter werden Sams Gedanken und Motivationen beschrieben. Überhaupt hat der Roman durch die persönliche Betroffenheit des »Third Echelon«-Mannes ein bisschen an Tiefe gewonnen, die gerade im Vorgängerband teils schmerzlich vermisst wurde. Leider fehlt diese gestalterische Sorgfalt bei den Gegenspielern Fishers gänzlich, sodass Omurbai nichts weiter als ein Klischee-Abziehbild von Osama bin Laden geworden ist, dessen Fanatismus weder sonderlich begründet wird, noch die Krise, die er hervorruft und auch das US-Militär auf den Plan ruft, so bedrohlich herausgearbeitet wird, wie es eigentlich wünschenswert gewesen wäre.

Großes Plus sind wie bereits erwähnt auch die Beschränkungen auf weniger, dafür länger andauernde bzw. ausführlicher beschriebene Aufträge. Zu nennen sind hier insbesondere die Spielorte der Villa in Kanada, des kenianischen Dschungels und vor allem der verdeckte Einsatz in Nordkorea. Zwar herrschen auch in diesem Band teils sehr kurze Kapitel von maximal einem Dutzend Seiten vor (knapp 50 Kapitel bei etwa 370 Seiten), und insgesamt ist der Roman auch 50 Seiten kürzer, dennoch ist er alles in allem der gelungenere, da ausgereiftere Roman, wenn man »Schachmatt« als Vergleich heranzieht. Puristen werden vielleicht die ausführlichen Beschreibungen von Sams Ausrüstung vermissen, die es in »Schachmatt« noch gab. Grundsätzlich aber hat es David Michaels geschafft, sich gegenüber des vorherigen Bandes noch einmal zu steigern und mit »Fallout« einen Games-Roman zu schreiben, der es schafft, sich auch eigenständig neben der Spiele-Reihe zu behaupten und Facetten von »Splinter Cell« zutage zu fördern, die dem reinen Gamer verborgen bleiben.

Mit »Endgame« und »Conviction«, zwei weiteren Romanen des Autors zu »Splinter Cell«, liegt seit 2009 noch mehr Material im englischen Original vor. Die Übersetzung von »Conviction« ist von Panini Books für März 2010 angekündigt.

Bewertung:


© Sascha Vennemann

 

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