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Rezension - Schule des Verbrechens

Julien Salmon
Schule des Verbrechens
Übersetzung: Dirk Hemjeoltmanns


Thriller
dtv Taschenbuch, April 2006
208 Seiten/10,00 €
ISBN: 9783423134507

Kreativer Serienmörder mit Vorliebe für das perfekte Verbrechen

Paul de Dardanie ist Kommissar-Anwärter auf einer französischen Polizeischule – und ein Serienmörder. Die Opfer des kreativen Killers sind Freunde und Kollegen – perfekte, bis ins letzte Detail inszenierte Morde.
Parallel arbeitet der verbrecherische Schüler an seiner Abschlussarbeit. In seinem Tagebuch legt er Rechenschaft über seine Taten ab – und noch viel mehr: Mithilfe einer nach ihm benannten Skala ermittelt er die Ästhetik eines Verbrechens. Doch was motiviert den Serienmörder zu seinen düsteren Taten, wo genau liegt sein Motiv?

Anspruchsvoller Serienmörder-Thriller abseits des Mainstreams

»Schule des Verbrechens« ist absolut kein Reißbrettthriller für den Massenmarkt. Das fängt schon damit an, dass Julien Salmon sich einer ziemlich gewählten Sprache bedient und ein Faible für verschachtelte, kompliziert konstruierte Sätze zu haben scheint, bei denen der Gebrauch des »Sinn- und sachverwandte Wörter«-Buchs für weniger bis mittelmäßig gebildete Leser sicher nicht von Nachteil sein kann.
Genau jener von Mainstrem-Thrillern verwöhnte Durchschnittsleser wird vermutlich gänzlich unbeeindruckt sein von Julien Salmons Debüt – hier wird nämlich das genaue Gegenteil der üblichen Mainstream-Serienmörder-Thriller geboten. Viel zu verliebt in die eigene Detailfreude ist das Tagebuch des Serienmörders, um die Massen zu begeistern.
Paul de Dardanie ist nicht einer jener 08/15-Superermittler mit tragischer Leidensgeschichte, nicht mal ein durch und durch sympathischer Zyniker wie beispielsweise Paul Cleaves Serienkiller in »Der siebte Tod« – er lässt sich schlichtweg nicht in die üblichen Schubladen stecken.

Makabrer Humor und absurde Übertreibungen

Während viele Autoren ebendiese Verbrecher-Typen eher als sympathische Serienkiller darstellen – mal ganz abgesehen davon, ob sie dem Leser durch die Charakterisierung ihrer Mörder eher eine Gänsehaut oder einen Lachanfall verschaffen -, kreiert Salmon einen völlig anderen Typ: Dardanie ist nämlich auch kein blutrünstiger Vertreter seiner Zunft wie Cody Mcfadyens Mörder in »Die Blutlinie«, der z.B. den Anspruch hat, mit geistreichen Sätzen wie »Vergessen Sie Hannibal Lecter« betitelt zu werden.
Nein, Dardanie entwickelt durch die absurde Darstellung seines eigenen Kosmos, der hier ein Wechselbad aus makabrem Humor, absurden Übertreibungen und etlichen Seitehieben aufs Krimi-Genre ist. Paradebeispiel ist hier natürlich die nach ihm benannte Skala, mithilfe der der ästhetische Grad eines Verbrechens bemessen werden kann.
Trotz all dieser humoristischen Züge ist und bleibt »Schule des Verbrechens« einer der mit Abstand beeindruckendsten Psychokrimis der letzten Zeit, denn gerade, dass es sich hierbei um keinen massentauglichen Thriller handelt oder handeln soll, ermöglicht es Salmon, zum Teil weit über die Grenzen der Durchschnittsromane hinauszugehen – natürlich zugunsten des Lesers, den hier einige unerwartete und vor allem innovative und ungewöhnliche Wendungen erwarten.

Diese Überraschungen verlieren sogar nicht einmal an Intensität, wenn man bedenkt, dass eine zentrale Pointe des Romans durch die etwas zu ausführliche Verlagsvorschau zumindest teilweise verraten wurde. Denn was bleibt ist nach wie vor ein raffiniert inszeniertes Verwirrspiel, mit dem der Autor seine Leser geschickt in die Falle lockt.
Gelegentlich wird Salmons anspruchsvoller Schreibstil und die Einseitigkeit der Erzählung – logischerweise wird ein Tagebuch nur aus der Perspektive einer Person geschildert und nicht von mehreren Seiten beleuchtet – jedoch hinderlich. So hätte beispielsweise eine zentrale Wendung des Romans weitaus atmosphärischer und überraschender geschildert werden können.
Stattdessen gewinnt sie im für Salmon typischen überdreht-absurden Stil nicht die Intensität, die sie bei einer dramaturgischeren Art der Schilderung sicher hätte gewinnen können. Andererseits – auch das ist eine nicht gerade alltägliche Abweichung vom Einheitsbrei-Thriller und mutiert dadurch nicht zu einer der vielen Kopien von Filmen wie »The Sixth Sense« oder »Die üblichen Verdächtigen«.

Fazit:
Anspruchsvoller Psychokrimi voll clever gelegter falscher Fährten. Für die breite Masse und Fans schneller Serienmörder-Kost keinesfalls empfehlenswert. Für Freunde durchdachter, vielschichtiger Krimis jedoch ein herausragendes Highlight, das sich trotz der zunächst vergleichsweise recht gehobenen Sprache lohnt. Für den Serientäter-Bereich sicher ein leider weitgehend unbeachtetes kleines Meisterwerk.

Bewertung:




© Martin Palm

 

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