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Rezension - Pharma

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Martin Palm | Florian Hilleberg

Pharma
von Rip Gerber
Originaltitel: Pharma
Übersetzung: Bertram J. Kirchmayr

Krimi/Thriller
Heyne Taschenbuch
512 Seiten/ 8,95 €
ISBN: 978-3-453-43150-8

Im Brasilianischen Urwald werden zwei Touristinnen von einer riesigen Pflanze angegriffen. Die Wissenschaftlerin Dr. Susan Plotkin wird von den Tentakeln einer riesigen Schlingpflanze fast erwürgt, die sich rasant von einer harmlosen Artischocke zur gefährlichen Schlingpflanze entwickelt hat.
Parallel in Chicago: Ein renommierter Wissenschaftler namens Michael Petersen wird ermordet. Susan Plotkin und ihr Kollege, der Wissenschaftler Ben Maxwell, gehen den Geschehnissen auf den Grund – und decken nach und nach die dunklen Geheimnisse der mutierten Pflanzen auf...

Bei "Pharma" handelt es sich um den ersten richtigen Wissenschafts-Thriller, den ich bislang gelesen habe – und ich muss sagen, dass ich durchaus positiv überrascht bin, denn Rip Gerber – der übrigens selbst Diplom-Biochemiker ist und sogar mal für die Central Intelligence Agency (CIA) gearbeitet hat – erzählt in seinem Debüt-Roman auf temporeiche Art und Weise eine rasante Story.

Positiv fällt schon zu Beginn auf, dass sich Gerber mit keiner großen Vorrede aufhält, sondern direkt im Prolog mit der Ermordung des Wissenschaftlers Michael Petersen und dessen Versuch, der Nachwelt Hinweise auf den Grund seiner Ermordung zu liefern, beginnt und sofort im ersten Kapitel die Attackierung der beiden Touristinnen geschildert wird. Nach und nach entblättern sich langsam aber sicher die Geheimnisse des Buches, wobei dem geübten Thriller-Leser schon bestimmte Dinge bereits nach nicht allzu langer Zeit klar werden – etwa, dass Ben Maxwells Sohn Jack nicht umsonst ein geübter Hacker ist und ein profundes Wissen über Computer aufweisen kann (auf weitere detailliertere Beispiele kann allerdings an dieser Stelle nicht eingegangen werden, um nichts vom Ende zu verraten).

"Pharma" beginnt langsam als Abenteuer-Roman – anfangs noch gewürzt mit reichlich wissenschaftlichen Hintergründen –, wird zum Wissenschafts-Krimi und entwickelt sich zum Schluss hin – bis zum abschließenden Showdown – Hand in Hand immer mehr zum Action-Thriller. Teilweise kreiert Gerber dabei regelrecht beklemmende Szenarien – beispielsweise, wenn im Labor von Somba eine Pflanze förmlich außer Rand und Band gerät.

Die Figuren und deren nähere Hintergründe sind allerdings teilweise ziemlich klassisch-klischeehaft: Der leidenschaftliche Wissenschaftler zum Beispiel, der sich die Jahre hinweg ganz und gar seiner Arbeit gewidmet hat und nun langsam Vatergefühle für den mittlerweile 14-jährigen Sohn entwickelt; die Ex-Frau des Wissenschaftlers, die nichts Besseres zu tun hat, als Maxwell bei Scheidungskind Jack bei jeder Gelegenheit schlecht zu machen oder etwa das clevere Scheidungskind, das langsam im Laufe des Romans wieder zum Vater findet.

Einzig und allein störte ein wenig, dass nicht zweifelsfrei geklärt wurde, wer nun den Wissenschaftler Michael Petersen umgebracht hat – denn obwohl zum Schluss eigentlich klar war, wer ihn getötet hat, leugnet ausgerechnet diese Person den Mord. Es wäre natürlich möglich, dass die verneinende Antwort auf die Frage, ob diese Person Petersen tötete, ironisch gemeint war – andererseits war besagte Person sowieso gerade dabei, alle Verbrechen zu gestehen bzw. deren Hintergründe zu klären, von daher wäre eine direkte, restlose Klärung an der Stelle wünschenswert gewesen. Trotzdem tut dieser Kritikpunkt dem restlichen Roman keinen Abbruch, denn zum Schluss hin warten dann auch noch einige Überraschungen auf den Leser, mit denen man nicht unbedingt rechnet.

Fazit: Gerbers Debüt ist angenehmes Lesevergnügen, das durch den leicht zu lesenden Stil des Autors gefördert und natürlich dadurch unterstützt wird, dass die Schrift nicht allzu groß ist und, dass die Kapitel – von den ersten etwas längeren einmal abgesehen – relativ kurz sind. Positiv ist übrigens außerdem anzumerken, dass Gerber auf das übliche Pflichtprogramm in Form einer Lovestory zwischen weiblicher und männlicher Hauptperson verzichtet hat, auch wenn sich hier sicherlich einige Möglichkeiten geboten hätten. Alles in allem durchaus eine Empfehlung wert – Freunde von Wissenschafts-Thrillern dürften hieran durchaus ihre Freude haben. Ich bin nach diesem Roman jedenfalls durchaus geneigt, weitere Wissenschafts-Thriller zu lesen…

Bewertung:




© Martin Palm

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Pharma
Von Rip Gerber

Krimi / Thriller
Heyne Taschenbuch
512 Seiten/8,95 Euro
ISBN: 978-3453431508

Im brasilianischen Regenwald werden zwei Touristinnen von einer riesigen Venusfliegenfalle angegriffen und beinahe getötet. Auch die Forscherin Susan Plotkin muss sich einer höchst aggressiven Aya-Ranke erwehren, die sie nur dadurch vernichten kann, indem sie den Jeep in welchem sie die Pflanze transportierte, in die Luft jagt. Susan und ihr Kollege Ben Maxwell sehen in der Entdeckung die unglaubliche Chance die Schließung ihres Labors im Regenwald zu verhindern. Ursprünglich sollte die Einrichtung, welche die Firma ChemGen finanziert, der Entdeckung eines Medikaments gegen Progerie dienen. Doch diverse Experimente schlugen fehl und als ein Indianermädchen, an dem das Arzneimittel getestet wurde, starb, wurde das Projekt beendet. Nun stehen die Arbeitsplätze der Wissenschaftler auf dem Spiel. Doch das ist nur das geringste Problem von Susan und ihren Mitarbeitern, denn der fanatische und stinkreiche Urwaldschützer Hopkins hat Wind von den killenden Riesenpflanzen bekommen und schickt sich an hinter das Geheimnis des Gigantismus zu kommen, notfalls auch mit Gewalt durch hiesige Söldner ...

Rip Gerbers Debütroman wird gleich mit folgendem Werbeslogan angepriesen: „Ein rasanter Wissenschafts-Thriller von erschreckender Aktualität“. So oder ähnlich werden viele Romane dieses Genres beschrieben und im Gegensatz zu vielen anderen Werken beschäftigt sich das vorliegende Buch nicht mit Viren oder mutierten Tieren sondern rückt erstmals die Welt der Pflanzen in den Mittelpunkt des Geschehens. Dass dabei riesige Venusfliegenfallen Menschen angreifen, hört sich im ersten Moment sehr plakativ und trashig an – und ist es letztendlich auch. In erster Linie interessiert den Autor mit Sicherheit der Unterhaltungswert seines Buches und weniger die Glaubwürdigkeit oder Authentizität. Auch wenn auf der sehr anschaulich gestalteten Internet-Seite www.pharmathriller.de einige Interessante Fakten zu den Pflanzen des Regenwaldes und den genetischen Versuchen, die mit ihnen gemacht werden, stehen, so ist der größte Teil der Geschichte reine Fiktion. Bei den Charakteren bedient sich Gerber kräftig bei den üblichen Klischees und kreiert nicht nur die toughe, attraktive Forscherin Susan, sondern auch den etwas heruntergekommenen aber dafür umso brillanteren Wissenschaftler Ben Maxwell, der neben dem ganzen Trubel um Firmenverschwörung und Killerpflanzen, auch noch sein verkorkstes Familienleben auf Vordermann bringt. Leider ließ es sich der Schriftsteller auch nicht nehmen, ebenfalls einen dieser klugscheißenden und über die Maßen hinaus mutigen Jugendlichen in den Roman mit einzubauen, der Dank seiner genialen Computerkenntnisse selbstverständlich einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Falles leistet. Als der knapp 14jährige Bengel aber dann auch noch einen Hubschrauber steuert, dessen Handhabung er allenfalls aus diversen Computersimulationen her kennt, verlässt der Autor endgültig die Ebene der Glaubwürdigkeit. Der habgierige Geschäftsmann Hopkins weist zunächst noch überraschend differenzierte Charakterzüge auf, wird aber zum Ende hin ein genauso wahnsinniger wie bösartiger Gegenpart zu den oben erwähnten Gutmenschen, wie man ihn aus unzähligen Geschichten solcherlei Art her kennt.
So hervorragend Gerber in Sachen Botanik und Chemie recherchiert haben mag, was an sonstigen Fakten dem Leser geboten wird ist gelinde gesagt haarsträubend für einen Wissenschaftsthriller. Susan Plotkin jagt ihren Jeep nebst Monsterpflanze allein dadurch in die Luft, dass sie eine Kugel in den Tank schießt. Ein Motorrad, welches aus einigen Metern zu Boden stürzt, fängt ebenfalls sofort Feuer und als Vater und Sohn den Urwald erkunden, finden sie zufällig eine zehn Meter lange Anakonda im Wipfel eines Baumes, wo die Riesenschlange einen Hirsch (!) verschlingt und blitzschnell die Flucht ergreift als der Junge einen Stein nach ihr wirft. Abgesehen davon, dass man Anakondas auch im Regenwald Amazoniens nicht an jeder Ecke sieht, ist ein Exemplar von zehn Metern Länge eine echte Seltenheit. Eine Schlange von diesen Ausmaßen ist aber auch derart schwer, dass sie meistens im Wasser jagt und kaum in der Lage ist, einen Baum zu erklimmen, schon gar nicht mit einem Hirsch in den Fängen. Hinzu kommt, dass eine Riesenschlange beim Fressen und anschließend beim Verdauen kaum in der Lage ist, irgendwohin zu kriechen bzw. die Flucht zu ergreifen. Hier hat sich der Autor sein Wissen wohl in schlechten Filmen angeeignet.
Der Storyaufbau ist allerdings wirklich rasant und der Schreibstil sehr flüssig, so dass man das Buch recht zügig durchlesen kann, zumal die einzelnen Kapitel auch nicht sonderlich lang sind. Der Spannungsbogen wird trotz aller Mängel konstant gehalten. Wer es mit den Fakten nicht so genau nimmt und sich einfach für ein paar Stunden unbeschwert unterhalten möchte kann bei diesem Buch getrost zugreifen.

Die Aufmachung des Romans ist ebenso schlicht wie wirkungsvoll. Der Titel wurde in erhaben Blutroten Lettern auf den Einband gedruckt und der schwarze Hintergrund mit dem grünen Fangblatt einer Venusfliegenfalle macht dem potentiellen Leser sofort klar, worum es in dem Buch geht. Für die Innenseiten des Bandes hat sich der Verlag auch eine originellere Lösung, als die langweilige weiße Pappe einfallen lassen. Wenn man das Buch aufklappt sieht man unter der vergrößerten Abbildung des Fangblattes vom Cover ein Foto des Autors. Auf der Innenseite des Klappentextes hat der Verlag die Chance für ein wenig Eigenwerbung ergriffen und präsentiert aktuelle Wissenschafts-Thriller in farbigen Abbildungen.

Fazit:
Flüssig geschriebener Thriller über die Abgründe moderner Pharmazeutikunternehmen. Wer auf anspruchsvolle Unterhaltung hofft wird bei diesem Buch sicherlich enttäuscht werden. Wer sich allerdings nur die Zeit mit einer kleinen Horror-Story a la Hollywood vertreiben will und nicht viel Wert auf Charakterzeichnung legt, kann sich den Roman bedenkenlos zulegen.

Bewertung:

 

 

© Florian Hilleberg

 

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