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Rezension - Mord in der Distelbar

Wolfgang Held
Tatort Thüringen - Band 1
Mord in der Distelbar
Originaltitel: Der letzte Gast, Verlag Das Neue Berlin, 1968
Cover: Heiko Freitag, Arnstadt; Nicole Marquardt, Hamburg

Krimi, Taschenbuch
Verlag Kirchschlager, Arnstadt, März 2011
208 Seiten / 9,90 €
ISBN: 9783934277335

In einer Sommernacht wird Hilde Reichelt, Mitbesitzerin der zwielichtigen Weimarer Distel-Bar, in ihrer Küche brutal ermordet. Mindestens ein Dutzend Mal sticht der Mörder wie besessen auf die Frau ein. Gehen die Männer der K um Hauptmann Seibt anfangs von einer Beziehungstat aus, müssen sie schnell erkennen, daß sie es mit einem Psychopathen zu tun haben. Und schlimmer noch: Der zu Brutalität und Grausamkeit neigende Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen!

Verleger Michael Kirchschlager ist es gelungen, einen in Vergessenheit geratenen kurzweiligen DDR-Krimi ans Tageslicht zu fördern. So wie viele Werke früherer Autoren, Künstler und Filmschaffende wurde auch der Roman Der letzte Gast von Wolfgang Held ein Opfer sozialistischer Zensur. Obwohl selbst das Fernsehen der DDR sich die Filmrechte sicherte, kam es nie zu einer Filmproduktion. Der Inhalt passte nicht in das Idealbild der sozialistischen Ordnung, welches die Partei- und Staatsführung predigte. Mord und Totschlag gab es offiziell zu jener Zeit nicht. Berichtet wurde nur kurz im lokalen Teil der Tagespresse. In den Grundzügen jedoch hat sich der Fall tatsächlich so abgespielt. Am 28. April 1964 wurde eine Frau in der Gartenanlage Eiserne Brücke tot aufgefunden. Der Kopf war fast abgetrennt. Am ganzen Körper waren unzählige Messerstiche zu sehen. Wolfgang Held, damals Gerichtsreporter bei der thüringischen Zeitung Das Volk, bekam vom Leiter der Kriminalpolizei die Möglichkeit, von Beginn an die Ermittlungen life mitzuerleben. Der Mordfall ließ ihn nicht mehr los. Und so entstand der vorliegende Kriminalroman.

Doch was hat das Ganze mit dem Verlag Kirchschlager zu tun? Im Verlag erschien Der Kopf in der Ilm von Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski. Wolfgang Held und Klaus Dalski kennen sich persönlich. Da lag es auf der Hand, dass der Kontakt zum Verlag schnell hergestellt werden konnte.

Der Roman Mord in der Distelbar ist eine Reise zurück in die Vergangenheit, vermittelt einen kleinen Einblick in das damalige Alltagsleben mit all ihren Höhen und Tiefen. So beschreibt der Autor Wolfgang Held unter anderem Parteiversammlungen als dröge und Schattenwirtschaft als kreativ. Es kam oft vor, dass Zechkumpanen bis weit über die festgelegte Sperrstunde hinaus in Kneipen saßen und dem Alkohol zusprachen. Wer diese Zeit miterlebt hat, kennt solche Situationen, hat sie vielleicht selbst erlebt.

Fazit:
Der Autor Wolfgang Held ist kein Unbekannter. Ihm ist mit Der Mord in der Distelbar ein interessanter, spannender und abwechslungsreicher Roman gelungen. Es ist nicht nur die Tatsache, dass er hier einen wahren Kriminalfall aufgreift, sondern auch der Fakt, dass er mit wenigen stilistischen Mitteln den Leser mitfiebern lässt. Die Protagonisten wirken authentisch und sehr individuell.
Der Mord in der Distelbar ist ein Mix aus Alltagsleben mit dem Fable für Fußballländerspiele, Parteiarbeit, Schattenwirtschaft und real existierender Kriminalität.

Bewertung:



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