Helga Beyersdörfer
Moornächte
Titelillustration von Jürgen Heuser
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München
Krimi/Thriller, Taschenbuch
Knaur, München, Oktober 2009
304 Seiten / 7,95 €
ISBN: 9783426502631
Worpswede im Herbst. John Magnus, gerade aus England zurückgekehrt, besucht das Grab seines besten Freundes im Teufelsmoor. Dort tauchen bald rätselhafte Botschaften auf – Hassworte, notiert auf Kunstpostkarten der Malerin Paula Modersohn-Becker. Erst widerwillig, dann fasziniert, forscht John nach und wird in einen von langer Hand geplanten mörderischen Racheakt hineingezogen.
»Moornächte« von Helga Beyerdörfer beginnt von der ersten Seite an sehr atmosphärisch und führt das stringent bis zum Ende hin durch.
John Magnus, Arzt, kehrt aus England nach Hamburg zurück, um persönliche Dinge zu regeln und im Teufelsmoor (nahe Hamburg) an das Grab seines verstorbenen besten Freundes Valentin zu eilen. An der letzten Ruhestätte findet er unter einem Rosenstrauß (Blumen, die der Verstorbene gehasst hat), einen Brief und den Computerausdruck eines Schwarz-weiß-Fotos, das eine Frau (in altmodischer Kleidung) mit einem Säugling zeigt – mit Datum 20. November, das in der Handlung eine Rolle spielen wird.
Der Brief ist an den Verstorbenen gerichtet, mit der Aussage, dass es dieser verdient habe, in der Hölle zu schmoren und dass alle, die ihm behilflich waren, bekommen sollen, was sie verdienen.
Und schon fragt sich der Leser natürlich, was das alles zu bedeuten hat, und die Handlung lässt ihn nicht mehr los.
John begegnet beim Verlassen des Friedhofs eine merkwürdige Frau, doch zuerst richtet er seine Aufmerksamkeit auf die Witwe seines Freundes – Vera, von der er Einiges über die Todesumstände und einen Streit des Verstorbenen mit seinem ehemaligen Anwalts-Kompagnon Dr. Heinrich von Zahn erfährt. Worauf Valentin Hamburg verließ, nach Worpswede zog und hier als Maler einen Neubeginn starten wollte.
John nimmt zur Kenntnis, dass die Eheleute in zwei getrennten, nebeneinanderliegenden Häusern gelebt haben, was Vermutungen auf deren »Ehe« schließen lässt.
John stößt in Valentins Haus neben dem Atelier auf das Schlafzimmer einer Frau und in einer Schublade erneut auf das Foto der Frau mit dem Säugling – mit einer Nachricht an ihn!
Von Vera erfährt John, dass die Frau auf dem Foto die Malerin Paula Modersohn-Becker ist – die jedoch schon seit Langem verstorben ist.
Am Grab seines Freundes findet John ein weiteres Foto der geheimnisvollen Frau mit einer weiteren Botschaft an ihn. Und er beschließt, mehr über das Doppelleben, das Valentin offensichtlich geführt hat, herauszufinden.
Zuerst sucht er Heinrich von Zahn auf und erfährt von diesem einiges über seinen Freund und dessen Geliebte Paula (die ebenfalls Malerin war), aber auch über die Streitigkeiten zwischen Vera und Valentin.
Auch von Zahn erhält eine seltsame Nachricht und John erlebt weitere merkwürdige Dinge – so wird ihm z.B. ein Buch über die Malerin Paula Modersohn-Beckers Lebensgeschichte zugespielt, das um die zwanzig Jahre alt ist. In dem Museum »Modersohn-Haus« hofft er daher auf weitere Hinweise, was sich in dem immer dubioseren Leben seines Freundes abgespielt hat und ob es eine Verbindung zwischen den zwei »Paulas« gibt – und erfährt, dass Paula M.-B. am 20. November 1907 kurz nach der Geburt ihres Kindes gestorben war.
In dem Museum trifft John auch die Unbekannte vom Friedhof wieder.
Ein Zufall?
Oder hat sie ihn durch das Buch ins Museum gelockt?
Weitere Mosaiksteinchen verrät ihm Bianka Mommsen, eine Nachbarin von Vera und Valentin, so z.B., dass Vera das Haus ihres finanziell abgebrannten Mannes gekauft hatte, in dem ihr Mann mit seiner mittlerweile schwangeren Freundin Paula lebte. Und dass Vera Paula vor die Tür setzte.
Je tiefer John in Valentins Vergangenheit gräbt, desto mehr menschliche Abgründe offenbaren sich ihm, die ihm deutlich machen, dass er seinen Freund nach zwanzig Jahren nicht wirklich gekannt hat.
Und dann bricht in Veras Haus ein Feuer aus ...
Die Autorin versteht es zu unterhalten und gleichzeitig Lokalkolorit vor dem geistigen Auge des Leser zu erzeugen, ebenso kulturelle Verbindungen zu schaffen, ohne bemüht zu wirken.
So ist »Moornächte« ein flott erzählter, stimmungsvoller und spannungsgeladener Krimi, der Lust auf mehr aus der Feder von Helga Beyerdörfer macht.
Dem Leser bleiben noch viele Fragen zu beantworten. Einge davon sind: Wer ist Paula, die ehemalige Geliebte seinen Freundes? Was wurde aus ihr und dem Kind?
Und was verbindet sie mit der verstorbenen Malerin Paula Modersohn-Becker?
Starb Valentin tatsächlich eines natürlichen Todes?
Gibt es eine Verbindung zu der Unbekannten vom Friedhof?
Und bleibt Valentin der einzige Tote, den es zu beklagen gilt?
Komme ich zu der Aufmachung des Titels. Wie immer bei Knaur ist die Ausstattung ohne Fehl und Tadel: handliches Taschenbuchformat, gute Papierqualität und angenehm zurückhaltende Covergestaltung, die weniger auf vergängliche Trends, als auf Stimmung setzt, was vorzüglich zu dem Roman passt.
Fazit:
Stimmungsvoller Krimi mit Lokalkolorit und einem interessanten Korsett. Absolut empfehlenswert.
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