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Mein Bruder, der Spion
Action Zone Band 1 von Ken Roycroft 144 Seiten/4,95 € Ueberreuter-Verlag Als Joe Dales Freundin Kimmy entführt wird, ahnt dieser noch nicht, dass auch sein Bruder Pete in der Gewalt brutaler Gangster ist – und welchem Beruf Pete Dale wirklich nachgeht. Denn der ist un-dercover als Geheimagent des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA tätig – und die skrupellosen Gegner des Teenagers Joe wollen eine geheimnisvolle Datei, von der er nichts weiß...Spätestens seit dem Ausstieg des ehemaligen Bastei-Cheflektors Peter Thannisch wird so manch treuer Leser begonnen haben, die lockeren Actionromane in Heftlänge, wie es sie bis zu der Zeit in der Jerry Cotton-Heftserie gab, zu vermissen. Nun sind jetzt, frisch im Frühjahr 2007, neu im Ueber-reuter-Verlag zwei Action-Serien namens „Action Zone“ und „Horror Zone“ erschienen, an denen aus-nahmslos namhafte Cotton-Autoren der actionreich(st)en Cotton-Zeit mitschreiben – Ken Roycroft, Pete Hackett und Cliff Millard/Nicholas Grave, A. F. Morland sowie John Devlin. Meine Wahl fiel auf einen Roman von Cotton Top-Autor Horst Friedrichs alias Ken Roycroft, der mit diesem Roman einen spannenden Agenten-Krimi hinlegt. Offiziell werden die Bücher als Kinderbücher verkauft, allerdings merkt man es ihnen nicht unbedingt an – die Story ist flott, temporeich und lässt sich aufgrund des lockeren Stils und der großen Schrift sehr schnell lesen (dieses Buch habe ich schneller gelesen als einen durchschnittlichen Heftroman, für den ich noch immer bei normaler Schrift etwa 2 und bei kleinerer 2,5 Stunden brauche). Natürlich merkt man den Charakteren (alleine schon durch das Alter) an, dass dieser Roman für eine deutlich jüngere Leserschaft geschrieben wurde als z. B. ein Jerry Cotton-Roman oder andere Kriminalromane (alleine schon wegen des durchschnittlichen Alters der Hauptpersonen – das dürfte irgendwo bei 16 oder 17 Jahren liegen). Dennoch tut das dem Roman keinen Abbruch, denn wenn man es genau nimmt, gibt es sogar vom Ort her kaum Unterschiede zwischen einem Jerry Cotton-Roman und die-sem Buch – denn der Handlungsort ist just New York und man merkt dem Autor schon an, dass er sich dort recht gut auskennt. Auch die mysteriös-dunkle Welt der Geheimdienste kommt gut rüber. Einziger Minuspunkt sind natür-lich die Hintergründe zu den Hauptpersonen an sich, die während des ganzen Romans weitgehend farblos und blass bleiben. Wie auch? Auf 144 Seiten, bei denen zwei nur mit Müh und Not etwa einer Heftroman-Seite mit etwas kleinerer Schrift entsprechen, lebendige Charaktere zu kreieren dürfte wohl ein Ding der Unmöglichkeit sein. Sollten die Romane weiterhin so actionreich und spannend bleiben, sodass sie sowohl für Jugendliche und Kinder als auch für Erwachsene geeignet sind, denke ich, wird dieser Reihe eine lange Lebens-zeit gegönnt sein. Für meine Begriffe hat der Ueberreuter-Verlag mit dieser neuen Reihe eine wirkli-che Marktlücke geschlossen – denn wo findet man heutzutage noch qualitativ gute Action-Romane namhafter Autoren (wenn sie sich zum Teil auch hinter neuen und bislang kaum so in Erscheinung getretenen Namen wie „John Devlin“, „Cliff Millard“ oder „Nicholas Grave“ verstecken), die wenig kos-ten (4,95 € ist heutzutage ja wirklich nicht mehr viel Geld für ein Taschenbuch...) und etwa so lang wie ein Heftroman sind? Denn auf die Dauer ist es doch angenehm zu wissen, dass es auch im Taschen-buch Romane gibt, die mit der Action sofort losgehen – häufig dauert es mir zu lange, wenn die Span-nung erst mit Seite 100 losgeht. Natürlich nicht unbedingt vergleichbar mit einem „normalen“ Krimi, aber durchaus eine Empfehlung wert – zumal knapp fünf Euro nicht die Welt sind und man 144 Seiten schnell lesen kann.
© Martin Palm |