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David Morrell
Level 9 Originaltitel: Scavenger Übersetzung: Christine Gaspard Thriller, Taschenbuch
Die bekannteste Figur, die der promovierte Literaturwissenschaftler und Autor David Morrell uns bisher bescherte, war die des John Rambo aus den bekannten Rambo-Actionfilmen. Darüber hinaus machte er als Thriller-Autor Karriere, die bei uns in Deutschland im Jahre 2006 mit der Veröffentlichung seines Romans »Creepers« im Knaur Taschenbuch Verlag einen vorläufigen Höhepunkt fand. Die Geschichte um Frank Balenger und das verlassene Paragon Hotel kamen bei den Lesern gut an, bot sie doch einen actiongeladenen Mix aus atmosphärischem Grusel und einer Handlung, die sich um viele kleine Geheimnisse um und im Gebäude selbst drehte. Wo in »Creepers« das abrissreife Hotel mit seinen durchgemoderten Stockwerken, Geheimgängen und klaustrophobischer Dunkelheit für Spannung sorgte, geht Morrell jetzt den umgekehrten Weg und versucht es mit der Weite und sonnengleißenden Helligkeit eines Plateau-Tals und der Angst vor weiten Flächen – Agoraphobie. Schritt für Schritt müssen sich Amanda und ihre Leidensgenossen per GPS-Signalen durch das Tal bewegen und sich ein ums andere Mal in Lebensgefahr begeben, um ÜBERHAUPT überleben zu dürfen. Die dabei aufgestellten Fallen sind nicht besonders spektakulär. Aber wenn der Gamemaster die dazugehörige Geschichte der jeweiligen Station und der Verbindung zum Ziel, der »Grabkammer weltlichen Begehrens«, erklärt, entfaltet sich vor dem Leser die tragische Geschichte einer religiös verwirrten Goldgräbersiedlung. Die Figuren, allen voran Frank und Amanda, bleiben wie so oft in actiongeladenen Thrillern, leider ziemlich blass – und das, wo vor allem Frank Balenger schon sein zweites Abenteuer erleben darf. Der im ersten Irak-Krieg dort gedient habende Soldat hat ein posttraumatisches Stress-Syndrom gerade mal so überwunden (Hier hat sich Morrell wohl bei seiner eigenen Kreation John Rambo bedient, wenn man sich den ersten Film der inzwischen vierteiligen Reihe einmal in Erinnerung ruft), und auch Amanda hat die monatelange Gefangenschaft im Hotel immer noch nicht ganz überwunden – doch beide halten sich dafür ein bisschen zu gut im perfiden Spiel des Gamemasters, der Spielverderber gerne mal in Blutfontänen explodieren lässt und ein ganzes Tal mit Kameras überwacht. Realismus dient hier nicht der Spannung und wird – ob bewusst oder nicht, ist nicht erkennbar – außer Acht gelassen. Das stört allerdings, wie schon bei »Creepers«, eher wenig. David Morrell hat mit »Level 9« eine gute Fortsetzung seines 2006er Hits »Creepers« geschaffen, die in puncto Atmosphäre und Spannung leider hinter dem Vorgängerroman ein wenig zurückbleibt. Die populärwissenschaftlichen Themen »Zeitkapseln“ und »Computerspiele« tragen die Geschichte, trotz blasser Charaktere über die knapp 400 Seiten – und auch die Pointe der »Grabkammer weltlichen Begehrens« hebt die Stimmung zum Schluss doch wieder ein wenig an. (Ohne zu viel zu verraten: Eine als »Kunst« titulierte Ausstellung eines deutschen, hmm, »Wissenschaftlers« dürfte hier Pate gestanden haben). Zum Vergleich: Weniger Action aber mehr Realismus als bei so manchem Matthew Reilly Roman, aber sprachlich und vom Aufbau her besser als jeder Mark T. Sullivan.
© Sascha Vennemann |