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Rezension - Irrsinn

Irrsinn
Von Dean Koontz

Thriller, Taschenbuch
Heyne, November 2007
446 Seiten / 8,95 Euro
ISBN: 9783453020351

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Billy ist gescheiterter Schriftsteller und ein stiller, zurückhaltender Barkeeper, der gerne an Holzschnitzereien arbeitet und in seiner freien Zeit häufig am Bett seiner Freundin sitzt, die seit knapp vier Jahren im Koma liegt. Doch das geordnete, trübsinnige Leben erhält eine plötzliche, schreckliche Wendung, als Billy eines Abends eine Nachricht hinter dem Scheibenwischer seines Wagens findet. Er muss sich entscheiden, welche von zwei Frauen ermordet werden soll. Anfangs weigert sich Billy auf das Spiel einzugehen, doch allein durch sein Nichtstun entscheidet er über das Schicksal eines der potentiellen Opfer. Billy vertraut sich einem Freund, dem Deputy Lanny Olsen an. Dieser nimmt die Warnung nicht ernst. Kurz darauf ist eine der Frauen tot. Mehr und mehr verstrickt sich Billy in dem Netz des teuflischen Killers und wird unfreiwillig zu dessen Komplizen. Das Spiel des Irren konfrontiert Billy mit den Abgründen seiner Seele ...

Mit „Irrsinn“ lieferte Dean Koontz einen exzellenten Psychothriller mit einem originellen Plot ab. Dabei müssen keineswegs verrückte Wissenschaftler mit aberwitzigen Seren oder bösartige Aliens herhalten. In diesem Roman besinnt sich der Schriftsteller auf das, was er am besten kann: Psychothriller, in denen die grauenhaften Taten von kranken Menschen begangen werden. Der Protagonist Billy erinnert wohl nicht rein zufällig an andere Helden von Dean Koontz. Nach derart vielen Büchern ist es schwer jedem Charakter einen individuellen Anstrich zu verleihen. Billy ist ein vom Schicksal gebeutelter Mann, der trotz allem ein netter, freundlicher und moralisch gefestigter Mann zu sein scheint. Hier hat es der Autor verstanden überzeugend darzustellen wie Billy von seinem unbekannten Widersacher zu Taten gezwungen wird, die er eigentlich nicht tun will. Damit erhält der Anschein reiner Unschuld bald Risse und als sich Billy gezwungen sieht einen Verdächtigen mit fragwürdigen Methoden zu verhören blickt er in die Abgründe seiner Seele. Das Spiel des Irren ist mehr als perfide und erinnert in seiner Grausamkeit an den Film „SAW“, wenngleich Billy sich nicht selbst verstümmeln muss. Der Terror liegt in erster Linie im Bereich der Psyche und Koontz schildert eindringlich wie diese subtile Folter das seelische Gleichgewicht des Hauptakteurs untergräbt.
Der Roman beginnt zunächst sehr harmlos mit einer humorvollen Episode in der Kneipe, in der Billy als Barkeeper arbeitet. Nachdem er die erste Botschaft erhalten hat, beginnt sich das Grauen immer mehr zu steigern und der Leser wird mit einigen Überraschungen geschockt, ebenso wie Billy. Geschickt legt der Autor falsche Spuren und lässt auch den erfahrenen Thriller-Leser im Unklaren.
Nur zum Ende hin verliert der Roman etwas von seinem Schwung, wenngleich das übertrieben zuckersüße Happyend dieses Mal ausbleibt.
Einige kleine Druckfehler trüben bedauerlicherweise den Lesefluss und der sächliche Artikel für Cola, klingt zumindest für mich eher befremdlich, auch wenn er grammatisch vollkommen korrekt ist. Nur das Verb „futterte“ wurde einmal zu oft verwendet. Komischerweise immer nur dann, wenn sich Billy Schoko- oder Erdnussriegel einverleibt, was öfter vorkommt.

Mittlerweile hat sich der Verlag darauf spezialisiert, die Bücher von Koontz mit der Abbildung von Insekten zu zieren. Mit dem Inhalt haben diese Motive in den seltensten Fällen etwas zu tun, so auch in diesem Fall. Dabei wäre das Bild einer Gottesanbeterin sogar angemessen gewesen, denn eine von Billys Bekannten, entdeckt ein totes Exemplar und will aus ihm die Zukunft herauslesen. So bleibt lediglich ein schön düsteres Covermotiv von zwei sich gegenüberstehenden Wespen, als Sinnbild des mörderischen Spiels zwischen Billy und dem Psychopathen. Einfach und wirkungsvoll.

Fazit:
Ein wirklich gelungener und empfehlenswerter Thriller von Dean Koontz, der mühelos an seine Erfolgsromane „Intensity“ oder „Das Versteck“ heranreicht und dabei gar nicht mal so dick ist, wie viele andere seiner neueren Werke.

Bewertung:



© Florian Hilleberg

 

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