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Krimi / Taschenbuch Wer den Roman »Hohburg« von Stefan Jahnke in die Hand nimmt, liest in der unteren rechten Ecke des Covers »Kriminalroman«. Schon der Klappentext wird den Leser darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen der üblichen Krimis handelt, sondern dass die Hintergründe den Leser weit in die Geschichte des Freistaates Sachsen führen. Kommissar Zech wird zu einem Leichenfund in der Nähe von Dresden gerufen. Im Hohburgtunnel liegt ein Toter. Erste Recherchen ergeben, dass dieser Herr von Selbig, ein Industrieller, möglicherweise von einem sehr alten Geschlecht, denn Herren von Selb, abstammen könnte. Zech nimmt seine Ermittlungen auf. Behilflich ist ihm dabei seine Freundin Petra, die als Bibliothekarin in Dresden arbeitet. Als in der Bibliothek alte, noch nicht katalogisierte Dokumente verschwinden, die sich genau mit diesem Hohburgtunnel und den alten Adelsgeschlechtern der Wettiner und der Birken beschäftigen, vermutet Kommissar Zech einen Zusammenhang. Eine weitere Leiche wird gefunden und auch dieser Tote steht irgendwie im Zusammenhang mit der Historie des Landes. Den Charakter des Dresdner Kommissar Zech hat Stefan Jahnke sehr gut angelegt. Schon nach wenigen Seiten, auf denen der Leser mit den sprunghaften Gedankengängen von Zech konfrontiert wird, meint man, diesen Mann zu kennen und fühlt sich wohl in seiner Gegenwart. Menschlich, ein wenig chaotisch und trotzdem akribisch genau, wenn es um die Aufklärung eines Verbrechens geht, so wirkt Kommissar Zech auf die Leser. »Hohburg« ist ein außergewöhnliches Buch. Vor den so exakt recherchierten historischen Hintergründen wirkt der eigentliche Kriminalfall, nämlich die Ermordung zweier Menschen, fast banal. Der Leser wird entführt in die Welt des 18. Jahrhunderts mit all ihren Intrigen und menschlichen Verfehlungen. Es wird die Geschichte einer Familie erzählt, die seit vielen Hundert Jahren zwei Herren dient, um ihrem eigentlichen Auftrag, dem Bewahren eines unendlichen Vermögens, gerecht werden zu können. Dabei zählt ein einzelnes Menschenleben wenig. Und dann, wenn der Leser meint, nun alles über die Hintergründe zu wissen und darauf wartet, dass Kommissar Zech in der Gegenwart den Fall auflösen kann, tauchen Tagebuchaufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert auf, die erneut ein schreckliches Bild der mittelalterlichen Geschichte Deutschlands vor den Augen des Lesers ausbreiten. Der Schreibstil des Autors ist eingängig und ausdrucksstark. Es gelingt ihm sehr gut, sich auf die doch wesentlich anderen Sprachgebräuche des Mittelalters und des 18. Jahrhunderts einzustellen und somit gibt er auch den diversen Berichten und Tagebüchern aus dieser Zeit ein sehr lebendiges Gesicht. Trotz allem ist »Hohburg« von Stefan Jahnke keine »leichte Kost«. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, ohne die geringste Ahnung von der Geschichte des Landes Sachsen und seiner Bewohner zu haben, der wird sich in manchen Passagen schwer tun, dem Handlungsverlauf und den Zusammenhängen zu folgen. Wer aber bereit ist, sich darauf einzulassen, hält ein spannungsgeladenes Buch in seinen Händen, das sich schlecht wieder beiseitelegen lässt. Fazit:
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Stefan JahnkeHohburg - Ein Schatz und seine Hüter Krimi / Taschenbuch Es gibt Krimis, Kriminalfälle und »Hohburg - Ein Schatz und seine Hüter«, eine Kriminalgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes. Wer wusste schon vor Erscheinen dieses Buches, dass in der unmittelbaren Nähe der berühmten Moritzburg bei Dresden August der Starke einen Tunnel durch ein kleines Felsmassiv anlegen ließ, um ausgelassen bei Fackelschein mit einer Kutsche hindurchfahren zu können? Und auf dem Felsen stand eine Burg, die Hohburg der Birken, einem alten Adelsgeschlecht, das zwischen den Wettinern und Böhmen zerrieben wurde. Dies alles wäre für eine echte Kriminalgeschichte völlig uninteressant, läge da nicht an einem Herbst unserer Tage eine Leiche im Tunnel. Ein Fall für Kommissar Zech, der viel leisten muss: Er soll einen Mörder finden und dabei die Karriere seines Chefs nicht behindern. Der Tote, ein Herr Selbig, ist ein stadtbekannter Investor, ein Hoffnungsträger für die insolvente Chipfabrik, der einen filigran gefertigten alten Schlüssel bei sich trägt. Der Kommissar muss herausfinden, in welches Schloss der Schlüssel passt. Ein Diebstahl wichtiger historischer Dokumente, die mit dem Fall im Zusammenhang stehen, ist aufzuklären, und gleichzeitig will Zech seine Beziehung zur Freundin Petra retten, der Bibliothekarin des geschädigten Archivs. Gegenspieler treten auf den Plan, und Zech versucht, einen Journalisten sinnvoll in den Fall mit einzubeziehen. Und weil eine Leiche keine Leiche ist, sucht er aus historischen und aktuellen Gründen gleich einen ganzen Friedhof, den bislang auch niemand kannte. Der abwechselnd staunende und schmunzelnde Leser dankt es Zech, dass er alle diese Fälle, Probleme und Unwegsamkeiten zusammenhält, aufklärt, richtigstellt und zu einem überraschenden Ende bringt. Wie schafft es der Autor, Stefan Jahnke, den Leser derart in den Bann seiner Kriminalgeschichte zu ziehen, dass er am liebsten beim nächsten Dresdenbesuch, mit Taschenlampe und Helm bewehrt, einen Abstecher zum Hohburgtunnel unternehmen will? Seinen Kommissar Zech stattet er mit einem ausgeprägt praktischen Spürsinn für historische Zusammenhänge aus. Er hat die Klammerfunktion für die Zeitreisen, in die wir uns begeben. Zech liest gleichsam für den Leser in dem Notizbuch des Toten, dann aus einem Baubericht zum Hohburgtunnel und schließlich in einer digitalen Kopie eines alten Buches, über die Geschichte der Verwalterdynastie der Hohburg, der Familie Selbig. Sie führt uns immer weiter in der Zeitachse zu den Anfängen einer unsäglichen Kette von Ereignissen, die 1427 mit der Vertreibung der Birken aus Sachsen beginnt, sich 1722 mit dem Tunnelbau fortsetzt, und einen weiteren dramatischen Höhepunkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt. Seitdem geht es um nicht weniger als den Schatz der Wettiner, der auch in unseren Tagen seinen Blutzoll fordert, wie uns der Autor mit seiner literarischen Schöpfung, dem Kommissar Zech, geradezu authentisch zu berichten vermag. Stefan Jahnke, Jahrgang 1967, verheiratet und zwei Kinder, aufgewachsen in Dresden, mit erfolgreich abgeschlossenem Maschinenbaustudium und bewegter Biographie, ist es in seinem Kriminalroman beeindruckend gelungen, die nicht einfache Geschichte eines Kriminalfalls mit der lokalen Historie eines weitgehend unbekannten Baudenkmales erfrischend, humorvoll und spannend zu erzählen.
Copyright © 2010 by Lutz Rocktäschel |