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Rezension - Hell Island

Matthew Reilly
Hell Island
Originaltitel: Hell Island
Übersetzung: Hellmuth Hartmann

Thriller, Taschenbuch
Ullstein Taschenbuch Verlag, Mai 2009
112 Seiten / 6,95 €
ISBN: 9783548269504

Captain Shane Schofield, genannt »Scarecrow« ist zurück! Diesmal müssen der sonnenbebrillte Marine und sein Team mit drei anderen Einheiten zusammen die kleine Pazifikinsel Hell Island untersuchen, auf der seltsame Dinge vor sich gehen. Einst war die Insel im Zweiten Weltkrieg von den Japanern besetzt und mit Verteidigungsanlagen gespickt. Das Versorgungstunnelnetz der Japaner durchzieht heute noch den Boden der Insel. Viele Dutzend amerikanische Soldaten starben bei der Rückeroberung des Eilandes.
Doch was heute dort geschieht, entzieht sich dem Wissen der Aufklärungssoldaten. Alles, was sie wissen ist: Der Flugzeugträger George Washington, der dort eine geheime Ladung an Bord nehmen sollte, meldet sich nicht mehr.
Schon bald nach der Landung per Fallschirm wird »Scarecrow«, der wie immer begleitet wird von der burschikosen Marine »Mother«, mit dem Geheimnis der Insel konfrontiert. Hier versteckt sich ein Feind, der an Anzahl und Feuerkraft den anrückenden Hilfseinheiten haushoch überlegen ist. Doch Schofield wäre nicht Schofield, wenn er nicht die Eigenarten und Relikte von Hell Island zu seinem Vorteil zu nutzen wüsste ...

Matthew Reilly, einer von Australiens besten Action-Autoren, schickt in dieser kurzen Novelle erneut seinen bekannten Helden Captain Shane »Scarecrow« Schofield ins Feld. Reilly-Leser kennen die Figur und ihre Hintergründe aus den Romanen »Ice Station«, »Die Offensive« und »Operation Elite«, in denen er ebenfalls mit seiner Busenfreundin (und manchmal auch etwas mehr als das) Gena »Mother« Newman und einem Team an Marines unterwegs ist. Chronologisch muss man »Hell Island« zwischen den Romanen »Die Offensive« und »Operation Elite« ansetzen. Im Roman selbst wird nämlich rückblickend nur auf »Ice Station« und »Die Offensive« als Gerüchte um die angeblichen bisherigen spektakulären Aktionen mit Beteiligung Schofields Bezug genommen.

Doch das war es dann auch schon an Referenzen zu anderen Reilly-Werken. Auf nur 112 Seiten ist kein Platz für lange Personenbeschreibungen, und die sind auch gar nicht nötig. Entweder kennt sie der Leser aus den anderen Reilly-Thrillern – oder sie sind ihm egal, denn was der Autor hier in seiner gewohnten Art inszeniert, ist ein rasantes, größenwahnsinniges und sich am äußersten Rande des Realismus bewegendes Action-Feuerwerk, wie man es sich als anspruchloses Lesefutter für zwischendurch wünscht. Da überschwemmen Horden von Gegnern den Flugzeugträger und schießen und kloppen alles zu Klump, was ihnen in die Finger gerät. Da werden Jagdgeschütze auf Deck verwendet und Hubschrauber geschrottet. Da kann Schofield den Tag retten, in dem er sich daran erinnert, was sein Großvater, der hier an den Rückeroberungskämpfen der Amis im Zweiten Weltkrieg teilgenommen hat, ihm über die Besonderheiten der militärischen Einrichtungen auf Hell Island erzählt hat. Wie immer bleibt Reilly dabei zeitweise nicht ganz logisch, und Realismus wird zugunsten durchaus gelungener Action ausgeblendet, aber das fällt bei dem Tempo, mit dem Reilly seine Protagonisten von einer Gefahr in die nächste hetzt, gar nicht so sehr auf.

Was eher auffällt, ist die schon fast an Dreistigkeit grenzende Idee, eine vier Jahre alte Novelle von bemerkenswerter Kürze als neuen Thriller-Roman zum Vollpreis von 6,95 Euro anzubieten. Hier schießt sich der Ullstein-Verlag ein Eigentor, denn selbst Reilly-Fans dürfte das ein wenig Zuviel des Guten sein. Besser wäre es gewesen, diesen Text als Bonus zum später erschienenen »Operation Elite«-Roman im Hardcover und Taschenbuch oder einem anderen längeren Reilly-Werk hinzuzufügen, als jetzt ein großzügig gedrucktes, verspätetes, überteuertes und eigenständiges Taschenbuch auf den Markt zu werfen. Da helfen auch die standardmäßigen, wenn auch netten und hilfreichen Skizzen der Handlungsorte (Insel und Flugzeugträger) im Buch und das gelungene Cover nicht, das Gesamtbild der Veröffentlichung abzurunden.

Fazit:
»Hell Island« ist ein Schofield-Reilly-Miniroman, wie man ihn als Fan des Autoren erwartet und sich wünscht. Pure Action ohne Beiwerk, schnörkellos und ohne Kompromisse – für Fans von Reilly und temporeichen Texten topp! Für die Idee allerdings, durch den Druck Seiten zu schinden und für einen so kurzen Text beinahe den Vollpreis eines regulären Taschenbuchs zu erheben, muss man dem Ullstein-Taschenbuch Verlag eindeutig die Rote Karte zeigen. So schön es auch ist, auch diesen Reilly-Text endlich auf Deutsch verfügbar zu wissen – ob es den Fans wert ist, ihr Geld dementsprechend anzulegen, wird sich zeigen. Da kann man sich nur wünschen, dass dieses Beispiel keine Schule macht.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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