Gott schütze dieses Haus
Von Elizabeth George
Taschenbuch
Goldmann Wilhelm GmbH
381 Seiten/8,00 Euro
ISBN: 3-442-09918-8
Jahrhundertelang hat ein Nest im englischen Yorkshire im Dornröschenschlaf verbracht - bis ein brutaler Mord die Spinnweben für alle Bewohner zerreißt. Denn der Dorfpfarrer, Pater Hart, macht eine grauenvolle Entdeckung: William Theys, eines seiner treuesten Schäfchen und hoch angesehenes Gemeindemitglied, liegt enthauptet in seiner Scheune. Neben ihm kauert seine leicht debile neunzehnjährige Tochter, die sagt: "Ich hab's getan." Dann verstummt sie . . .
Ein Fall für Scotland Yard, das ein höchst ungleiches Team zur Aufklärung des Verbrechens schickt: Inspektor Thomas Lynley, attraktiv, weltmännisch, galant, und seine Mitarbeiterin Barbara Havers, ein häßliches Entlein, das sich neben dem charmanten Lynley noch plumper und unbeholfener vorkommt. In nervenaufreibender Kleinarbeit entwirren die beiden ein dunkles Netz, das die Abgründe hinter einer biederen Fassade von Wohlanständigkeit kaschiert, entlarven eine grausige Wahrheit, die mehr als ein Leben zerstört hat . . .
DIE AUTORIN
Susan Elizabeth George
Geboren in: Warren, Ohio
Am: 26. Februar 1949
Gelernter Beruf: Lehrerin (Englisch)
Nachdem sie dreizehneinhalb Jahre als Lehrerin für Englisch und Literatur (mit Abschluss in Psychologie und Professorentitel für Literatur und englische Sprache) an mehreren Highschools in Amerika unterrichtet hatte, verkaufte ihren ersten Roman ("Gott schütze dieses Haus").
Die Autorin hatte von Jugend an ein ausgeprägtes Faible für die britische Krimitradition. Bereits in ihrem ersten Roman kombinierte sie psychologische Raffinesse mit einem unfehlbaren Sinn für Spannung und Dramatik: Gott schütze dieses Haus (dt. 1989) wurde mit mehreren namhaften Auszeichnungen gewürdigt. Elizabeth George lebt in Huntington Beach, Kalifornien.
Es folgten:
• "Keiner werfe den ersten Stein"
• "Auf Ehre und Gewissen"
• "Mein ist die Rache"
• "Denn bitter ist der Tod"
• "Denn keiner ist ohne Schuld"
• "Asche zu Asche"
• "Im Angesicht des Feindes"
• "Denn sie betrügt man nicht"
• "Undank ist der Väter Lohn"
• "Nie sollst du vergessen"
• "Vergiss nie, dass ich dich liebe"
• "Wer die Wahrheit sucht"
Lesprobe
Es war ein Fauxpas schlimmster Art. Er nieste der Frau mitten ins Gesicht, laut, naß, absolut unverzeihlich. Eine Dreiviertelstunde hatte er das Niesen zurückgehalten, dagegen gekämpft, als handle es sich um Henry Tudors Streitmacht bei der Schlacht von Bosworth. Bis er schließlich kapitulierte. Und nach vollbrachter Tat fing er zu allem Überfluß auch noch zu schniefen an. Die Frau fixierte ihn. Sie war genau der Typ, in dessen Anwesenheit er unweigerlich zum stammelnden Idioten wurde, mindestens einen Meter achtzig groß, mit jener modischen Unbekümmertheit gekleidet, die für die britische upper class bezeichnend ist, alterslos und zeitlos. Sie fixierte ihn mit stahlblauem Blick, unter dem sich vor vierzig Jahren gewiß manches Zimmermädchen in Tränen aufgelöst hätte. Sie mußte weit über sechzig, vielleicht schon fast achtzig sein, aber es war schwer zu sagen. Sie saß kerzengerade, die Hände im Schoß gefaltet, mit der vorschriftsmäßigen Haltung der höheren Tochter, die sich nicht die kleinste der Bequemlichkeit förderliche Regung gestattet.
Und sie fixierte ihn. Erst seinen Priesterkragen, dann seine tropfende Nase. Verzeihen Sie, Verehrteste. Ich bitte tausendmal um Verzeihung. Ein kleiner Fauxpas wie ein Niesen darf doch eine Freundschaft wie die unsere nicht zerstören. Er war immer so witzig, wenn er seine geistigen Dialoge führte. Nur wenn er laut sprach, kam er fürchterlich ins Schleudern.
Er schniefte wieder. Sie starrte ihn immer noch an. Wieso reiste sie überhaupt zweiter Klasse? Sie war in Doncaster ins Abteil gerauscht wie eine überalterte Salome, freilich zugeknöpfter gekleidet, und hatte dann die ganze Fahrt nichts anderes getan, als ...
REZENSION
GOTT SCHÜTZE DIESES HAUS war mein erster Krimi von Elizabeth George – und sie hat mich sofort „gepackt“, die Affinität zu dieser Autorin, die meisterhaft psychologisch zu erzählen weiß. Und das in geschickt verwobenen Handlungssträngen. Geschickt aus dem Grund, daß sich der tatsächliche Mord-Plot dezent im Hintergrund abspielt, und der Krimi dennoch mit einem Cliffhanger aufwartet, der sich lesen lassen kann!!!
Pater Hart, der Seelsorger des kleines Dorfes in Yorkshire, in dem die Handlung spielt, findet eines Tages den Bauer William Teys erhängt in seiner Scheune vor. Der zweifache, alleinerziehende und sehr religiöse Mann, ist ermordet, ja, sogar enthauptet worden. Seine jüngere, dickliche Tochter Roberta sitzt neben ihm, gesteht den Mord zwar, spricht aber fortan kein einziges Wort mehr .
Inspektor Lynley – ein bei Elizabeth Goerge immer wiederkehrender Charakter – und seine neue – und spröde – Partnerin Barbara Havers, die in den Streifendienst strafversetzt wurde, ermitteln in diesem Fall. Beide gehen zuerst recht mißtrauisch miteinander um, von gegenseitigen Vorurteilen geprägt. Barbara hält den adeligen Vorgesetzten für einen Frauenheld, Lynley sie wiederum für stur und schwierig.
Doch Lynleys schöner Schein trügt, denn auch er hat mit emotionalen Problemen zu kämpfen, da sein bester Freund Simon Lynleys Ex-Verlobte Deborah geheiratet hat und der Inspektor zu allem Überfluß die beiden am Tatort trifft, wo sie ihre Flitterwochen verbringen.
Schnell wird erkennbar, daß es die Autorin vortrefflich versteht vielschichtige Charaktere zu schaffen.
So ist Inspektor Thomas Lynley zwar gutaussehend, erfolgreich im Beruf und bei den Frauen. Er ist intelligent, begütert, charmant, aber er ist auch feinfühlig und verwundbar. Das zeigt sich darin, wie sehr er um die Frau seines Herzens, die er verloren hat, trauert.
Seine neue Partnerin Seargent Barbara Havers hingegen wirkt auf den ersten Blick wie eine unattraktive, unsichere Frau, die von Selbstzweifeln geplagt wird, aber bei zweitem Hinsehen einen glasklaren Verstand besitzt..
Im Laufe des Handlung entwickelt sich zwischen Lynley und ihr so etwas wie Freundschaft, was das einzige Vorhersehbare des Buches ist. Gewürzt wird dieser Plot aber mit der Vergangenheitsbewältigung von Barbara Havers, die mit Nähe Probleme hat, und den Spannungen zwischen den beiden konträren Charakteren.
Die beiden nehmen das ganze Dorf unter die Lupe und stoßen bei ihrer Recherche auf einige Hinweise der familiären Vergangenheit des Toten.
So befindet sich in dem Haus des Ermordeten eine Art Gedenkschrein für Williams Teys Frau Tessa, eines der Zimmer ist unbewohnt, in einem Fotoalbum sind etliche Bilder, auf denen ein Gesicht fehlt, und Robertas Schwester Gillian, die ihrer Mutter sehr ähnlich sieht, hat im Alter von sechzehn Jahren das Haus verlassen hat.
Das alles ruft Fragen auf.
Auch nach möglichen Tatmotiven, denn niemand glaubt so recht an Robertas Geständnis.
Auch der Neffe des Ermordeten, ein Maler von Keldale, der mit dem Ermordeten in Streit geraten war, ebenso Tessas neuer Mann oder seine älteste Tochter geraten in den Kreis der Verdächtigen.
Der Leser wird von der Autorin mit außerordentliche Raffinesse auf immer wieder neue Fährten in dieser verstrickten Familienstory geschickt, die durch das überraschende Ende seinen absoluten Höhepunkt erreicht.
Bei diesem Krimi stimmt einfach alles!
Denn wie immer verwischt sich bei Elizabeth George Realität und Fiction, was gerade dieses Werke so interessant macht.
Absolut empfehlenswert!
© Alisha Bionda |