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Richard LaymonDie Jagd Endless night, USA 1993 Aus dem Amerikanischen von Kristof Kurz Titelgestaltung von Hauptmann und Kompanie, München-Zürich Thriller, Heyne-Hardcore, Taschenbuch Die sechzehnjährige Jody übernachtet bei ihrer Freundin Evelyn, als eine Horde junger Männer in das Haus eindringt und die Familie grausam abschlachtet. Jody muss mit ansehen, wie ihre beste Freundin von einem Speer aufgespießt wird, ehe ihr mit Evelyns jüngerem Bruder Andy die Flucht gelingt. Ab sofort stehen die beiden Jugendlichen unter Polizeischutz und nach den Verdächtigen wird eine Fahndung ausgerufen. Andy wird von seinem Onkel abgeholt, bei dessen Familie er fortan wohnen soll. Doch unterwegs flieht Andy, der viel lieber bei Jody und ihrem Vater geblieben wäre. Die befürchten das Schlimmste, dass nämlich einige der Täter dem Jungen auf der Spur sind, um ihn als Zeugen zu beseitigen. Dabei ahnen Jody und ihr Vater nicht einmal, wie nahe ihnen der Mörder bereits ist, den die Horde blutrünstiger Männer hinter den Jugendlichen hergeschickt hat … »Die Jagd« (Originaltitel: Endless Night) stammt bereits aus dem Jahr 1993 und gehört zu Laymons kompromisslosesten Romanen. Trotz des Umfangs von mehr als 500 Seiten hält sich der Autor nicht mit viel Vorgeplänkel auf und reißt Leser und Protagonisten sofort mit ins Geschehen. Schon auf den ersten Seiten entbrennt eine spannende Hetzjagd, bei der Laymon alle Register des Thriller-Genres zieht. Wie so oft legt der Autor auch dieses Mal mehr Wert auf schonungslose und plakative Brutalität, als auf subtilen Psychothrill. Laymons Killerbande benötigt kein Motiv und tötet aus purer Lust und Triebhaftigkeit. Genau das macht die Horde so bedrohlich und erinnert an die Gruppe Jugendlicher in Joe R. Lansdales Kultroman »Nightrunners« (erschienen in: »Der Gott der Klinge«). Laymons Stil ist rasant, unterhaltsam und flüssig zu lesen. Was dem Roman an Tiefgang mangelt, macht er durch einen minimalistischen und handlungsorientierten Storyaufbau wett. Die Geschichte gewinnt allein durch die zweigeteilte Erzählstruktur enorm an Tempo und Vielfältigkeit. Da wäre zum einen der Part von Jody, der in der dritten Person geschildert wird und dem Leser einen gewissen Abstand zum Geschehen ermöglicht, und zum anderen die Geschichte von Simon, dem jungen Killer, der seine Erlebnisse und seinen Hergang auf Tonband festhält. Diese Kapitel werden logischerweise in der ersten Person erzählt und geben Einblick in die kranke und gestörte Psyche des Mörders. Jody ist für ihre sechzehn Jahre ungewöhnlich clever und mutig, wirkt in ihren Handlungen aber dennoch glaubwürdig und authentisch, ebenso wie Simon, der als Antagonist nicht nur skrupellos und brutal, sondern auch intelligent und gerissen ist. Wie so oft in seinen Romanen beschäftigt sich Laymon auch in dieser Geschichte sehr offen mit der Sexualität seiner Charaktere, die kein Blatt vor den Mund nehmen und die amerikanische Prüderie mit Füßen treten. Hier bleibt kein Raum für Blümchensex, auch wenn der Autor dieses Mal nicht so pubertär rüberkommt, wie beispielsweise in seinen Werken »Die Insel« und »Das Treffen«. Nichtsdestotrotz spielt der Sex eine nicht minder große Rolle, wie das Töten. Zwei elementare Triebe des Menschen, die sein Überleben seit der Steinzeit sichern. Auch Liebhaber des subtilen Psychothrillers sollten ruhig einen etwas längeren Blick riskieren, denn hinter der Fassade gibt es weitaus mehr zu entdecken, als man erwartet. Die Fans von Richard Laymon können jedenfalls bedenkenlos zugreifen. Die Aufmachung ist einfach, aber wirkungsvoll und dabei sehr farbenfroh und originell. Der blutige Speer kommt bereits auf den ersten Seiten zum Einsatz und könnte den Titel nicht treffender unterstreichen. Wie alle Bücher des Labels »Heyne Hardcore« liegt auch dieser Thriller perfekt in der Hand und verwöhnt die Augen des Lesers mit einem großzügigen Satzspiegel. Fazit: © Florian Hilleberg |