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Claudia PlatzDie falschen Caesaren Historischer Krimi, Taschenbuch Im Jahre 27 nach Christus reisen der junge Architekt Marius und der römische Generalbaumeister Claudius nach Moguntiacum, also in das römische Mainz, um dort eine feste Steinbrücke über den Rhein zu errichten. Sie reisen unter dem Schutz einer militärischen Eskorte, die den Sold für die beiden in Mainz stationierten Legionen an den Rhein transportiert. Zu ihnen gesellt sich ein undurchsichtiger Händler mit Namen Titus. In Moguntiacum angekommen, nehmen sie zunächst an den Festspielen zu Ehren des verstorbenen Feldherrn Drusus teil und lernen dabei wichtige Persönlichkeiten des damaligen Germaniens kennen, so den Mainzer Garnisonskommandanten Cornelius und auch Lucius Nepius, den Steuerverwalter des Oberen Germaniens. In der gleichen Nacht jedoch fällt Titus einem Mordanschlag zum Opfer. Marius kommt zufällig dazu und der Sterbende erklärt, dass er in Wirklichkeit ein Beamter des Kaisers und in geheimem Auftrag unterwegs sei. Marius müsse unbedingt ein bestimmtes Schreiben, das er in Titus' Händlerwagen finde, an Kaiser Tiberius senden. Doch auf gar keinen Fall solle er irgendeiner Menschenseele trauen! So beginnt Marius auf eigene Faust zu ermitteln und findet heraus, dass in den Mainzer Garnisonskassen seit geraumer Zeit immer wieder Falschgeld auftaucht. Schon nach kurzer Zeit schwebt er in allergrößter Gefahr ... Claudia Platz benutzt diese spannende Handlung, um ein lebendiges Bild des damaligen Moguntiacum zu zeichnen, so wie es die Reisenden erleben. Sie beschreibt das große Legionärskastell, das auf einem Hügel oberhalb des Rheins errichtet war, ebenso wie das Alltagsleben in der zivilen Stadt, die sich unterhalb der Festung am Fluss ausbreitete. Sie beschreibt das Hafenviertel ebenso wie das große Theater der Stadt, schildert das Ehrenmonument für den durch einen Sturz vom Pferd verstorbenen Feldherrn Drusus und sogar die Anfänge jener großen Wasserleitung, von der noch heute in Mainz-Zahlbach die sogenannten »Römersteine« übrig sind. Der Leser erfährt vieles über das Alltagsleben in jener Zeit, über die römische Speisekultur und über Tavernen und Kneipen, über das Zusammenleben von Kelten und Römern und sogar über die damalige Medizin. Dieses letzte Thema verhandelt die Autorin vielleicht ein wenig zu optimistisch - ich überlasse es dem Urteil der Mediziner, ob man ein Schädel-Hirn-Trauma tatsächlich wie im Roman dargestellt mittels der archaischen Methode des Schädelbohrens kurieren kann oder ob man den armen Patienten auf diese Weise nicht vielmehr endgültig unter die Erde bringt. Zudem bleibt die Zeichnung der handelnden Personen häufig oberflächlich. Vor allem den Nebenfiguren mangelt es an individueller Charakteristik, sodass man sie zunächst nur mittels ihrer Namen und ihrer amtlichen Funktionen (sowie dem Roman vorangestellten Personenregister) auseinanderhalten kann. Aber auch bei der Hauptperson Marius bleibt unklar, warum er beispielsweise auf die schöne Römerin Julia abweisend reagiert, sich mit der Keltin Gesima dagegen auf einen Flirt einlässt. Wahrscheinlich ist Gesima, eine selbstbewusste Frau, die sich mit keltischer Heilkunst beschäftigt, der Autorin um einiges sympathischer als Julia, die als ein verwöhntes Luxustöchterchen dargestellt wird. Aber das sollte ja noch kein Motiv für die Romanfigur Marius sein. Was das Innenleben der Personen, die Schilderung ihrer Gefühle und Motive, angeht, bleibt das Buch unter seinen Möglichkeiten. Allerdings gilt Claudia Platz' Hauptinteresse ja auch der Beschreibung der Lebensverhältnisse in Moguntiacum. Und in dieser Darstellung liegt die große und unstreitige Stärke ihres Romans. Wer sich für das Leben im Germanien der frühen Kaiserzeit oder gar für die römischen Ursprünge der Stadt Mainz interessiert, wird das Buch mit großem Interesse lesen. Und so kann denn auch Dr. Gerd Rupprecht, der Landesarchäologe von Rheinland-Pfalz, auf der Rückseite des Bandes feststellen: »Aus der Sicht der Landesarchäologie fügen sich hier hervorragend historische Quellen und Grabungsergebnisse mosaiksteinartig zu einem farbigen Mainz-Bild zusammen, das vor fast 2000 Jahren einmal Wirklichkeit gewesen sein könnte.« Links zum Thema römisches Mainz Die offizielle Seite der Landeshauptstadt Mainz: Landesarchäologie Mainz: Das Museum für römische Schifffahrt in Mainz: © Ullrich Wegerich |